Theater

Als es noch Theaterpäpste gab: Piscators knallhartes Nachkriegs-Comeback

Was war da los 1963 bei Erwin Piscators Inszenierung von Hochhuths „Der Stellvertreter“? Die 85-jährige Louise Kerz-Hirschfeld war dabei, auch hinter der Bühne.

Anna Opel
9 Min
Im Bühnenbild von Leo Kerz: Dieter Borsche als Papst Pius XII. bei der Uraufführung von Rolf Hochhuths kirchenkritischem „Stellvertreter“ im Theater am Kurfürstendamm, 18. Februar 1963.

Im Bühnenbild von Leo Kerz: Dieter Borsche als Papst Pius XII. bei der Uraufführung von Rolf Hochhuths kirchenkritischem „Stellvertreter“ im Theater am Kurfürstendamm, 18. Februar 1963.

© picture-alliance/ dpa

Upstate New York - Was man in der New Yorker Grand-Central-Station zu besorgen versäumt hat, in der Bahnhofsgegend von Larchmont bekommt man es nicht mehr. Ohne Mitbringsel warte ich also 40 Zugminuten nördlich von New York City auf Louise Kerz-Hirschfeld, die versprochen hat, mich in ihrem weißen VW-Käfer abzuholen. In der Nähe nur ein Nagelstudio, kleiner Kiosk, Reisebüro. Keine Blumen, kein Konfekt. Nichts, was man einer Dame von Welt mitbringen könnte. Schon biegt das Cabrio auf den Bahnhofsvorplatz ein, die 85-jährige Kerz-Hirschfeld sitzt in einem lila Samtanzug am Steuer. Sie kommt sofort zur Sache, als ich auf dem Beifahrersitz Platz nehme: „Wahrscheinlich bin ich die einzige noch lebende Person auf diesem Kontinent, vielleicht sogar auf der ganzen Welt, die Erwin Piscator persönlich getroffen hat.“

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