Fußball

Erzgebirge Aue im DFB-Pokal: Rückenwind für Regionalliga Nordost

Der Pokalsieg sichert wichtige Einnahmen. In der Regionalliga Nordost trifft Aue auf ambitionierte Aufstiegskandidaten.

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Aues Torhüter Martin Männel und Kapitän Marcel Bär (v.l.) stemmen nach dem Sieg gegen den FSV Zwickau den Landespokal empor.

Aues Torhüter Martin Männel und Kapitän Marcel Bär (v.l.) stemmen nach dem Sieg gegen den FSV Zwickau den Landespokal empor.

© Hendrik Schmidt/dpa

Der FC Erzgebirge Aue hat sich am Ende einer verkorksten Saison doch noch einen Moment gesichert, der über den Sommer hinaus Wirkung entfalten kann. Mit dem 2:0 im Sachsenpokal-Finale beim FSV Zwickau gewannen die Veilchen nicht nur erstmals seit zehn Jahren wieder den Titel – sie verschafften sich auch eine sportliche und finanzielle Perspektive, die im Lößnitztal dringend gebraucht wird.

Nach dem Abstieg aus der 3. Liga, der das Ende von 23 Jahren Profifußball markiert, war der Sieg im Westsachsen-Derby mehr als nur ein versöhnlicher Abschluss. Trainer Khvicha Shubitidze sprach von einem „verdienten Sieg“ – und traf damit den Kern: Aue spielte diszipliniert, zweckmäßig, ohne Glanz, aber mit der nötigen Konsequenz. „Heute war nicht Zauberfußball gefragt“, sagte der Georgier. Es war ein Satz, der zugleich wie ein Ausblick auf die kommenden Aufgaben klingt. Denn genau darum geht es jetzt: um einen Neuanfang unter erschwerten Bedingungen.

Geldsegen mit Bedeutung

Der Pokalsieg hat unmittelbare Folgen. Die Teilnahme an der ersten Runde des DFB-Pokals bringt dem Verein Einnahmen von rund 200.000 Euro – Geld, das in Aue aktuell Gewicht hat. Finanzvorstand Andreas Stark hatte zuletzt von einer „durchschnittlich soliden Lage“ gesprochen, zugleich aber eingeräumt, dass der Klub auf Stundungen und Hilfen angewiesen ist.

In einer Liga, in der wirtschaftliche Stabilität oft über sportliche Konkurrenzfähigkeit entscheidet, ist der Pokalsieg deshalb mehr als eine Randnotiz. Er verschafft Handlungsspielraum – etwa bei Kaderplanung und Infrastruktur – und sendet ein Signal: Aue ist abgestiegen, aber nicht am Boden.

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Aufbruch trotz Abstieg

Sportlich bleibt die Bilanz der Saison schwach. Daran ändert auch das Derby nichts. Doch intern wird der Erfolg als wichtiger Impuls gewertet. Verteidiger Anthony Barylla brachte es auf den Punkt: Der Abstieg sei nicht mehr zu korrigieren, aber man habe „zumindest ein bisschen gerade gerückt“, was zuvor schiefgelaufen war.

Diese kleine Korrektur könnte sich als psychologisch entscheidend erweisen. Denn die Regionalliga Nordost ist kein Auffangbecken, sondern eine der anspruchsvollsten vierten Ligen im deutschen Fußball – geprägt von Traditionsvereinen, hohen Zuschauerzahlen und enormem Aufstiegsdruck.

Eine Liga voller Konkurrenz

Ein Blick auf die kommende Spielzeit zeigt: Der Weg zurück in die 3. Liga wird für Aue kein Selbstläufer. Sollte der 1. FC Lok Leipzig in der Aufstiegsrelegation an den Würzburger Kickers scheitern, würden die Sachsen sicher den nächsten Anlauf nehmen. Doch schon in dieser Saison hat sich mit dem FC Carl Zeiss Jena ein ambitionierter Herausforderer etabliert, der sportlich und strukturell zu den stabilsten Klubs gehört.

Mit dem Halleschen FC und Rot-Weiß Erfurt drängen zwei weitere Traditionsvereine nach oben, die – ähnlich wie Aue – den Anspruch auf Rückkehr in den Profifußball formulieren. Auch der Chemnitzer FC bleibt ein gefährlicher Gegner, der insbesondere in direkten Duellen schwer zu schlagen ist. Hinzu kommen unangenehme Teams wie der BFC Dynamo, die VSG Altglienicke oder die BSG Chemie Leipzig, die mit eingespielten Strukturen und klaren Spielideen punkten. Der Greifswalder FC hat sich ebenfalls stabilisiert und könnte zum Überraschungsteam werden.

Nicht zu unterschätzen sind darüber hinaus die U23-Mannschaften, etwa von Hertha BSC oder dem 1. FC Magdeburg, die mit Dynamik und Talent immer wieder für punktuelle Ausrufezeichen sorgen und damit Favoriten zum Straucheln bringen können.

Kein Selbstläufer, sondern Kraftakt

Die Regionalliga Nordost ist damit eine Liga der vielen Ansprüche – aber nur eines Aufstiegsplatzes. Und selbst der reicht nicht: Der Meister muss in Entscheidungsspielen bestehen. Für Aue bedeutet das: Der Weg zurück führt über Konstanz, Geduld und wirtschaftliche Vernunft. Der Pokalsieg liefert dafür zwar keinen Beweis, aber ein Argument.

Oder anders gesagt: Im Landespokalfinale hat Aue nicht nur ein Derby gewonnen, sondern auch ein Stück Selbstvertrauen zurückgeholt. Ob daraus tatsächlich ein Aufbruch wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten – gegen eine Konkurrenz, die keine Schwäche verzeiht.

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