Die Debatte um die Zukunft des VW-Konzerns geht weiter. Angeheizt wurde sie zuletzt durch einen Bericht der Wirtschaftswoche, wonach die Schließung der vier Werke in Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm bereits beschlossene Sache sein soll. Die Produktion wandert demnach nach Osteuropa ab. Dorthin, wo die Energie billiger und die Arbeitskosten niedriger sind.
Das klingt nicht nach Innovationen und Ideenreichtum, mit denen man wieder zu den Technologieführern im Autobau aufschließen will. Die sitzen mittlerweile eben nicht mehr in Deutschland, sondern in Asien und Amerika. Es klingt vielmehr nach einem alten Unternehmerreflex, durch die Senkung der Produktionskosten den Laden weiter am Laufen zu halten. Irgendwie.
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Dass VW überhaupt einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag einsparen muss, ist das Ergebnis von Entscheidungen, die man nicht oder falsch getroffen hat. Über Jahre hinweg wurde der Wolfsburger Autobauer nicht strategisch und mutig in die Zukunft gelenkt, sondern wie eine Behörde verwaltet. Dass der Konzern nun mit Werksschließungen und massivem Stellenabbau kämpfen muss, ist die Quittung für drei kapitale Fehlentwicklungen der vergangenen Jahrzehnte.
Da ist zum einen die Arroganz des Spätzünders. Aus Angst vor Renditeeinbußen klammerte sich das Management viel zu lange an das hochprofitable Verbrenner-Geschäft und versenkte dann noch Milliarden bei dem Versuch, mit der konzerneigenen Softwaretochter Cariad ein eigenes Betriebssystem zu entwickeln. Nach einer Pannenserie beim ID, der seine erste Käufergeneration mit Softwareproblemen und unpraktischen Bedienelementen verärgerte, folgten teure Notallianzen mit Rivian oder XPeng, um den technologischen Anschluss nicht ganz zu verlieren.
Bei dem Aufbruch in das neue Zeitalter der Mobilität steht sich der Konzern aber auch gehörig selbst im Weg. Die Strukturen in Wolfsburg gleichen seit Jahrzehnten eher einer Behörde als einem agilen Tech-Konzern. Jede Entscheidung durchläuft unzählige Hierarchiestufen und Marken-Gremien. Während chinesische Start-ups ein neues Fahrzeug in weniger als zwei Jahren entwickeln, verlor sich VW in internen Machtkämpfen. Und das Management wuchs parallel zu den Problemen. VW leistet sich bis heute einen massiven Verwaltungsapparat, dessen Kosten gut dreißig Prozent über denen der Mitbewerber liegen.
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Der vielleicht schwerwiegendste Fehler war die chronische Unterschätzung der chinesischen Konkurrenz. China galt in Wolfsburg jahrzehntelang als die verlässliche „Cashcow“. Man verdiente dort vor allem mit den teuren Modellen viel Geld und vergaß darüber, den Wandel bei den Kundenwünschen wahrzunehmen. Chinesische Autobauer wie BYD hatten da die deutlich besseren Marktstrategien.
Die aktuelle Krise ist also kein unverschuldetes Marktschicksal, sondern das Ergebnis jahrelanger Überheblichkeit und strategischer Untätigkeit. Das Management hat die historische Stärke von Volkswagen als Ruhekissen genutzt, während sich die Welt neu erfand.
Der Gründer der VW Sachsen GmbH, Carl Hahn, war überzeugt: Die Zukunft von Volkswagen wird sich auf dem chinesischen Markt entscheiden. Sollte er recht behalten, sieht es gerade nicht gut aus für den Konzern.
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