Als Bundeshauptstadt hat sich Berlin der Krise zum Trotz als wirtschaftlich dynamischer Standort erwiesen: So zeigte sich die hiesige Industrie im Gegensatz zum Bundesdurchschnitt recht robust. Gerade mal knapp zweieinhalb Prozent Umsatzrückgang verzeichneten Siemens, BMW, Daimler-Benz, Bombardier und MTU laut Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) im ersten Halbjahr an ihren Standorten im Großraum Berlin. Das bundesweite Minus lag mit 22 Prozent dagegen deutlich höher. Rund 100 000 Arbeitsplätze bietet die Industrie Arbeitnehmern an der Spree. "Den meisten Betrieben ist es gelungen, die Stammbelegschaft zu halten", sagt Christian Amsinck vom UVB.Erhöhter PersonalbedarfIn vielen Branchen sieht es schon jetzt rosig aus: Die von der Krise nicht betroffenen Firmen expandieren und suchen sogar händeringend Personal. So auch der Möbel- und Deko-Spezialist Depot, der allein in Berlin sechs Filialen unterhält. "Unser Expansionsteam hat im Moment alle Hände voll zu tun", bestätigt Geschäftsführer Christian Gries. "Zu unseren aktuell 130 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen in den kommenden zwölf Monaten noch 40 weitere dazukommen", sagt er. Dafür ist entsprechendes Personal nötig. Vertriebsleiter Dominik Kahn: "300 bis 400 neue Mitarbeiter wollen wir im kommenden Jahr einstellen. Wir suchen Führungskräfte genauso wie Auszubildende". Für den Berliner Raum werden neue Kollegen für Verkauf, Filialleitung und Kreativkräfte gesucht. "Am liebsten rekrutieren wir Führungspersonal aus unserem Hause", sagt Kahn. "Aber für unsere Wachstumsstrategie sind wir auf externe Fachleute angewiesen." Tempo beweisen die Spezialisten für Wohnaccessoires auch beim Klettern auf der Karriereleiter: Ein Azubi absolviert nach drei Jahren ein internes Nachwuchsführungsprogramm und kann theoretisch nach insgesamt vier Jahren Filialleiter werden. Mehr als 70 Auszubildende lernen derzeit bei Depot. Tendenz steigend.Auch das Gesundheitshandwerk Hörgeräteakustik setzt seit mehreren Jahren ungebrochen auf Wachstum: "10000 Menschen arbeiten heute in rund 4000 Fachbetrieben", sagt Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker, die selbst sieben Fachbetriebe leitet. Während Ende der 1990er Jahre rund 1 300 Lehrlinge ausgebildet wurden, waren es zehn Jahre später bereits 1 700. Heute sind es sogar 2 000 Azubis. Grund für den Boom ist die demografische Entwicklung: Die Menschen werden immer älter und brauchen deshalb häufiger Hörgeräte.Auch Führungskräfte sind zurzeit gefragt: In der Krise holen sich viele Firmen Manager lediglich zeitlich begrenzt ins Haus. Ein solcher Interim Manager ist Marc Runge. Der 39-jährige Berliner arbeitet seit fast einem Jahr bei einem großen Telekommunikationsanbieter. Dort steuert Runge die Entwicklung innovativer Lösungen für bestehende Anschlüsse, zum Beispiel intelligente Festplatten für Zuhause oder neue Online-Speichermöglichkeiten. Der Diplom-Kaufmann ist sehr gut ausgebildet, kein Schmalspur-Experte, schaut durchaus über den Tellerrand hinaus und ist mobil -alles Argumente, die für ihn sprechen.Manager auf Abruf"Ich habe mich nie in eine berufliche Ecke drängen lassen, biete eine Kombination von technischem Verständnis und strategischem Denken", sagt der Hauptstädter. "Das macht ihn attraktiv für viele Unternehmen", sagt auch Thorsten Becker, Chef der Personalberatung Management Angels, mit mehr als 1 500 Interim Managern einer der führenden Anbieter in Deutschland. Als Interim Management Provider nimmt die Firma ihren Kunden die Suche, den Qualifikations-Check und die Vorauswahl der Kandidaten ab. Marc Runge erzählt, er habe jeden Monat zwei oder drei Projektanfragen von Headhuntern oder Personalern. Derzeit bevorzugt er jedoch die Freiheiten eines Spitzen-Managers auf Abruf. "Ich bekomme immer neue, spannende Aufgaben, lerne viele Unternehmen unterschiedlichster Couleur kennen und verdiene gut, ohne mich langfristig binden zu müssen."------------------------------BoombranchenHörgeräteakustikÜber den Beruf des Hörgeräteakustikers und die Ausbildungsmöglichkeiten an der Landesfachschule Lübeck informiert folgende Internetseite:www.lbs-hoerakustik.de.Mehr zum Berufsbild ist auch auf der Homepage des Fachverbandes zu finden.www.fdh-ev.deInterim ManagementEinen Überblick über die noch recht neue Personaldienstleitung des Interim Managements gibt folgendes Werk: "Praxishandbuch Interim Management": Holger Dahl, Andreas Riedel (Hg.), Datakontext, Frechen (2008), 267 Seiten, 45 Euro.------------------------------Foto: Hörgeräteakustiker sind gefragt: Die Menschen werden immer älter, hören schlechter und benötigen häufiger fachkundige Hilfe.
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