Es lebe der Star!

Markus Lotter
3 Min

Es waren sich fast alle einig: Das Beste für die deutsche Nationalmannschaft wäre im Hinblick auf die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz ein Michael Ballack, der mit seinem Klub FC Chelsea die Champions League gewinnt. Hinterher, nachdem vor zwei Wochen im Regen von Moskau Chelseas Kapitän John Terry im Elfmeterschießen seinen Versuch gegen den Pfosten gesetzt, Manchester United gewonnen und Michael Ballack schließlich geweint hatte, waren sich wieder fast alle einig: Das Beste für die deutsche Nationalmannschaft wäre ein Michael Ballack, der heldenhaft gestärkt aus so einem sportlichen Drama herausmarschiert und schlichtweg zum Trotz die deutsche Elf zur Europameisterschaft 2008 führt. Fast alle haben deshalb in den vergangenen Tagen beim Pflegeprogramm für den 31-jährigen Mittelfeldspieler mitgemacht - seine Familie, der Betreuerstab, Bundestrainer Joachim Löw, aber auch die Medien.So ist das mit Kapitän Ballack, mit Deutschland, mit diesem Turnier. Wie es auch kommt: Der Star ist der Star. Es lebe der Star!Galt vor zwölf Jahren, als Deutschland unter dem damaligen Bundestrainer Berti Vogts ("Der Star ist die Mannschaft") letztmals den Titel gewinnen konnte, noch das Funktionieren eines basisdemokratischen Kollektivs als der Schlüssel zum Erfolg, so ist es derzeit das inspirative Individuum, das den großen Coup verspricht. Das Kollektiv bildet die Basis und schafft die Freiräume für den Künstler. Der dank seiner schöpferischen Kraft die Macht hat, Spiele zu entscheiden. Der Außergewöhnliche kann mit einer Idee Abwehrverbände aus der Fassung bringen, das Momentum liefern. Die Erfahrungen aus dem Klubfußball führen zu diesem Glauben.Und so erfährt der Kult um die Stars auch bei dieser Europameisterschaft eine neue Hochzeit. Michael Ballack soll es für Deutschland tun, Luca Toni oder Alessandro Del Piero für Italien, Franck Ribéry oder Karim Benzema für Frankreich, Cristiano Ronaldo für Portugal, Fernando Torres oder Cesc Fàbregas für Spanien. Und wer keinen von dieser Sorte hat, ist Außenseiter. Das gilt für die Gastgeber, für Österreich und die Schweiz, aber auch für Titelverteidiger Griechenland, bei dem der Star auch vier Jahre nach der Sensation von Portugal immer noch der Trainer ist: Otto Rehhagel, der Ballack in Chemnitz entdeckt und beim 1. FC Kaiserslautern zum Profi gemacht hat.Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen einige Spieler vor, die Einfluss auf den Ausgang dieser Europameisterschaft nehmen werden.------------------------------Foto: Große Gesten - große Taten? Bundestrainer Joachim Löw und sein Kapitän Michael Ballack (r.) nehmen sich nichts weiter vor, als Deutschland zum vierten EM-Titel nach 1972, 1980 und 1996 zu führen.

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