Die US-Streitkräfte haben in der Nacht zum Donnerstag eine zweite Angriffswelle gegen den Iran durchgeführt. Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom wurden dabei rund 90 militärische Ziele entlang der iranischen Küste getroffen, darunter Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachung, Lager für Raketen und Drohnen sowie Marineeinrichtungen und militärische Logistik. Ziel sei es, die Fähigkeit des Irans zu Angriffen auf die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus weiter zu schwächen, teilte Centcom mit.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten kurz darauf, sie hätten als Reaktion je einen US-Stützpunkt in Kuwait und Bahrain angegriffen. Sollten die USA ihre Angriffe wiederholen, werde die Antwort auf weitere Basen in der Golfregion ausgeweitet.
Die Nachrichtenagentur AP berichtet auch von Sicherheitsalarm in Katar sowie von mehrfach ausgelöstem Luftalarm in Bahrain, wo das Hauptquartier der Fünften US-Flotte liegt. Kuwaits Militär teilte mit, anfliegende Drohnen und Raketen aktiv abzufangen. Angaben zu Schäden lagen zunächst nicht vor.
Trump erklärt Zwischenabkommen für beendet
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor am Rande des Nato-Gipfels in der Türkei erklärt, das am 17. Juni unterzeichnete Zwischenabkommen mit dem Iran sei „vorbei". Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, die neuen Angriffe seien eine Vergeltung für den iranischen Angriff auf drei Frachtschiffe in der Straße von Hormus am Dienstag. „Wenn es wieder passiert, wird es viel schlimmer!", so Trump.
Auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Mildenhall in Großbritannien sagte er auf dem Rückflug, die USA hätten „20 zu eins" zurückgeschlagen. Verhandlungen könnten zwar fortgesetzt werden, seien aus seiner Sicht aber Zeitverschwendung.
Nach Angaben iranischer Staatsmedien wurden bei den US-Angriffen unter anderem der Hafen Bandar Abbas, die Küstenstädte Chabahar und Konarak sowie Bushehr getroffen, wo sich Irans Atomkraftwerkskomplex befindet. In Iranshahr sei ein Feuerwehrmann getötet worden. Erstmals seit April hätten die USA laut AP auch Brücken angegriffen, darunter eine Eisenbahnbrücke in der Provinz Golestan.
Ölpreise zeigen deutlich nach oben
Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Qalibaf erklärte auf X, die Straße von Hormus werde nur nach „iranischen Vorgaben" wieder geöffnet. Der stellvertretende Außenminister Kazem Gharibabadi nannte Trumps Äußerungen ein Eingeständnis des Scheiterns der US-Iran-Politik.
An den Märkten stieg der Brent-Ölpreis am Donnerstag im frühen Handel laut Reuters um 0,8 Prozent auf 78,65 US-Dollar je Barrel und lag damit rund neun Prozent höher als zu Wochenbeginn. Durch die Straße von Hormus wurde vor Kriegsbeginn Ende Februar rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Erdgases transportiert.
Hormus-Krise und Ölpreisschock: Wie Irans Strategie Europas Wirtschaft unter Druck setzt
Iran-Krieg: Trump erklärt Rahmenabkommen mit Teheran für gescheitert
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]