Südasien

Eskalation: Pakistan und afghanische Taliban liefern sich neue Gefechte an der Grenze

Beide Seiten liefern sich weiter Kämpfe. Nach pakistanischen Luftangriffen auf Ziele in Afghanistan droht Kabul mit schwerwiegenden Konsequenzen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Taliban-Kämpfer inspizieren den Ort eines pakistanischen Luftangriffs im Bezirk Gurbuz.

Taliban-Kämpfer inspizieren den Ort eines pakistanischen Luftangriffs im Bezirk Gurbuz.

© AFP

Im Grenzabschnitt Gulistan in der pakistanischen Provinz Belutschistan haben sich pakistanische Sicherheitskräfte und afghanische Taliban am Freitag neue Gefechte geliefert.

Nach Angaben pakistanischer Sicherheitskreise, die der staatliche Sender Radio Pakistan zitierte, wehrten die Truppen einen versuchten Übertritt afghanischer Kämpfer auf pakistanisches Gebiet ab. Dabei seien mehrere Taliban getötet worden.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Freitagmorgen, der wechselseitige Beschuss zwischen afghanischen Taliban und pakistanischen Sicherheitskräften dauere weiter an. Die Truppen im Grenzgebiet blieben in erhöhter Alarmbereitschaft. Die Taliban-Regierung in Kabul äußerte sich zunächst nicht zu den pakistanischen Darstellungen.

Luftangriffe gingen den Gefechten voraus

Die neuen Kämpfe folgen auf pakistanische Luftangriffe vom Donnerstag. Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar erklärte nach Angaben der Nachrichtenagentur AP, das Militär habe zehn Standorte in Afghanistan angegriffen, die zum Start und zur Lagerung von Drohnen genutzt worden seien. Die Angriffe seien eine Antwort auf den Start von acht Drohnen aus dem Nachbarland gewesen und hätten sich ausschließlich gegen militärische Ziele gerichtet.

Der afghanische Regierungssprecher Sabihullah Mudschahid sprach dagegen von einem Akt der Aggression. Bei den Angriffen in den Provinzen Kandahar, Paktia und Chost seien vier Zivilisten getötet worden. Er drohte der pakistanischen Armee mit „schwerwiegenden Konsequenzen“.

Bereits am Montag hatte Pakistan Ziele im Grenzgebiet angegriffen und dabei nach eigenen Angaben 28 Kämpfer getötet. Afghanische Behörden sprachen von drei getöteten Zivilisten.

Spannungen nach Anschlagsserie

Die Zuspitzung folgt auf eine Serie von Anschlägen in Pakistan. In der vergangenen Woche waren bei einem Angriff auf eine Polizeieinrichtung im Nordwesten des Landes nach AP-Angaben mindestens 21 Menschen getötet worden, laut Reuters mindestens 24.

Zu dem Anschlag bekannte sich die von Hafiz Gul Bahadur geführte Shura Ittehad-ul-Mujahideen. Sie ist von der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) organisatorisch getrennt. Beide islamistischen Gruppen bekämpfen den pakistanischen Staat.

Die 2007 gegründete TTP ist ein Dachverband islamistischer Milizen aus den paschtunischen Grenzgebieten und strebt den Sturz der pakistanischen Staatsordnung sowie ein Emirat nach eigener Auslegung des islamischen Rechts an. Von den afghanischen Taliban ist die TTP organisatorisch getrennt, mit ihnen aber ideologisch und historisch eng verbunden.

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Islamabad wirft der Taliban-Regierung in Kabul vor, TTP-Kämpfern Rückzugsräume zu gewähren. Die Taliban weisen dies zurück und bezeichnen die Bekämpfung militanter Gruppen als innerpakistanisches Problem.

Nach Reuters-Angaben hatten sich beide Länder im Februar die schwersten Kämpfe seit Jahren geliefert. Bei einem pakistanischen Luftangriff auf Kabul im März seien mehr als 400 Menschen getötet worden.

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