Drei russische Militärjets haben nach Angaben Estlands den Luftraum des Landes verletzt. Demnach seien drei MiG-31-Maschinen ohne Erlaubnis über dem Finnischen Meerbusen in den estnischen Luftraum eingedrungen und hätten sich dort insgesamt zwölf Minuten aufgehalten, erklärte der Außenminister Estlands, Margus Tsahkna, in einem Beitrag in dem Onlinedienst X.
Der Premierminister Estlands, Kristen Michal, gab daraufhin an, dass die Regierung beschlossen habe, Konsultationen gemäß Artikel 4 der Nato anzufordern. Dieser sieht Beratungen vor, wenn sich ein Mitgliedstaat von außen bedroht fühlt. Wörtlich heißt es: „Die Parteien werden einander konsultieren, wenn nach Auffassung einer von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist.“
Der Nordatlantikrat werde Anfang nächster Woche zusammentreten, um den Vorfall genauer zu besprechen, berichtete der Guardian unter Berufung auf die Nato-Sprecherin Allison Hart.
Kallas spricht von „äußerst gefährlicher Provokation“
„Russland hat in diesem Jahr bereits viermal den estnischen Luftraum verletzt, was an sich schon inakzeptabel ist, aber die heutige Verletzung, bei der drei Kampfflugzeuge in unseren Luftraum eingedrungen sind, ist beispiellos dreist“, sagte Außenminister Tsahkna. Estland habe den geschäftsführenden Botschafter Russlands einbestellt, hieß es. Tsakhna forderte zudem, dass auf die „immer stärkeren Grenzüberschreitungen und die zunehmende Aggressivität Russlands“ mit einer „raschen Verstärkung des politischen und wirtschaftlichen Drucks“ reagiert werden müsse.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach in einem Statement auf X von „einer äußerst gefährlichen Provokation“. Es handele sich um „die dritte derartige Verletzung des EU-Luftraums innerhalb weniger Tage“. In der vergangenen Woche waren mindestens 19 Drohnen in den Luftraum des Nato-Mitglieds Polen eingedrungen. Auch Rumänien meldete wenige Tage später eine Verletzung seines Luftraums durch eine mutmaßlich russische Drohne.
„Das sind keine Unfälle“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und forderte ein „starkes Vorgehen“ sowohl einzelner Staaten als auch im Verbund. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul schrieb auf X, er habe seinem Kollegen Margus Tsahkna die volle Solidarität Deutschlands zugesichert. „Mit dem sofortigen Abfangen der russischen Flugzeuge zeigen wir: Die Nato ist stets verteidigungsbereit“, so Wadephul.
Nato: Flugzeuge der italienischen Luftwaffe reagierten
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, die EU werde „auf jede Provokation entschlossen reagieren und gleichzeitig in eine stärkere östliche Flanke investieren“. Zudem forderte sie die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsländer auf, das von der Kommission am Freitag vorgestellte 19. Sanktionspaket gegen Russland zügig zu verabschieden.
Moskau äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall. Einem Reuters-Bericht zufolge erklärte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja, dass er nichts von dem Vorfall wisse, jedoch vertraue er „dem nicht, was Estland über Russland sagt“.
Die estnische Armee gab in einer Erklärung an, dass sich der Vorfall im Gebiet der Insel Vaindloo ereignet habe. Für die Flugzeuge lagen den Angaben zufolge keine Flugpläne vor und ihre Transponder waren ausgeschaltet. „Zum Zeitpunkt des Verstoßes bestand zwischen den Flugzeugen auch keine Funkverbindung mit der estnischen Flugsicherung“, so die Armee. Weiter hieß es, dass F-35-Kampfjets der italienischen Luftwaffe, die derzeit im Rahmen der Nato-Luftraumüberwachungsmission im Baltikum in Ämari stationiert sind, auf den Vorfall reagierten.
Der Luftraum der baltischen Staaten wird von Nato-Verbündeten überwacht, die sich abwechselnd an dieser Aufgabe beteiligen. Seit August 2025 leitet die italienische Luftwaffe das sogenannte Air Policing über Estland, Lettland und Litauen. Die deutsche Luftwaffe hatte sich zuletzt von März bis November 2024 an der Luftraumüberwachung beteiligt. (mit AFP)
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