Äpfel, Mangos, Nektarinen – laut Angaben der Veranstalter zählten 150 Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums in Prenzlauer Berg im lautstarken Stakkato bei einem Aktionstag Anfang September in der Aula der Schule die Obstsorten auf, die sie sich als kostenloses Angebot an ihrer Schule wünschen. So schildert es der Schüler Nuri Falkenberg. Er hatte die Schuldebatte initiiert.
Falkenberg hat offenbar einen Ball ins Rollen gebracht. Die auf dem Podium sitzende Staatssekretärin für Bildung, Christina Henke (CDU), soll bei der Diskussion am Käthe-Kollwitz-Gymnasium eine Teilnahme Berlins an einem EU-Programm für Schulobst in Aussicht gestellt haben. Das geht aus einer Mitteilung der Veranstalter hervor. Die Senatsverwaltung für Bildung hat auf Nachfrage bisher nicht Stellung genommen.
Einig werden muss sich das Land aufgrund eines Staatsvertrages aber zunächst mit Brandenburg. Die beiden Bundesländer müssen sich gemeinsam um das Förderprogramm bewerben. Potsdam scheint allerdings bisher wenig Interesse zu haben.
Händler verteilt Obst an Schüler
Henke saß auf der Bühne in der Aula des Gymnasiums in Prenzlauer Berg neben Monique-Olivia Mertins vom Landesschülerausschuss (LSA), der Grünen-Politikerin Daniela Billig und einem Vertreter des Lieferservices Fruiton. Der Berliner Händler verteilte im Anschluss an die Debatte 100 Kilogramm Obst an die Schüler.
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Nuri Falkenberg ist Schüleraktivist. Eine von ihm im Juni an seiner Schule auf die Beine gestellte Podiumsdiskussion zur Wehrpflicht fand Beachtung. Der Schüler engagiert sich außerdem in der Klimabewegung.
Falkenberg treibt seit einigen Wochen die Debatte um kostenloses Schulobst in Berlin voran. Die EU stellt jährlich insgesamt 221 Millionen Euro bereit für Obst, Gemüse und Milch an Schulen in den 27 Mitgliedsländern. 131 Millionen gibt sie pro Jahr allein für Obst und Gemüse an Schulen aus. Berlin und Brandenburg beziehen bisher nur Geld für Milch aus dem Brüsseler Programm.
Falkenberg sprach Abgeordnete an
Der Schüleraktivist suchte sich zunächst Verbündete in der Politik. Die Grünen-Politikerin Daniela Billig aus Prenzlauer Berg sitzt für ihre Partei im Berliner Abgeordnetenhaus. Sie stellte im Juni nach einem Gespräch mit dem Schüler im Ausschuss für Verbraucherschutz eine Anfrage zum EU-Programm für Schulobst.
Apfeltag an der Marler Martin-Buber-Schule , im Vest Recklinghausen *** NUR FÜR REDAKTIONELLE ZWECKE *** EDITORIAL USE ONLY ***Der Donnerstag, 30.08.2012 war Apfeltag an der Marler Martin-Buber-Schule in der Emslandstraße. Rewe Händler Dennis Koehne überraschte die Schüler mit 300 Äpfeln, die dann klassenweise auf dem Schulhof verteilt wurden. Die Aktion kann als Auftakt der Schulobstaktion gelten, bei der alle Schüler der Schule dreimal wöchentlich 100g Obst bekommen. Begeistert bedienten sich die 23 Schüler der Klasse 1a. Deutschland NRW Marl Copyright: VONxSTAEGMANN,xLutz *** Apple Day to the Marler Martin Buber School , at Vest Recklinghausen *** ONLY FOR EDITORIAL PURPOSE *** EDITORIAL USE ONLY *** P the Thursday, 30 08 2 Copyright: VONxSTAEGMANN,xLutz docnrwhugopicture50266193 EDITORIAL USE ONLY
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Billig wollte wissen, warum Berlin auf die Teilnahme bisher verzichtet. „Für mich erschien das wie ‚low hanging fruits‘“, sagt sie. Die englische Metapher umschreibt ausgerechnet am Beispiel niedrig hängender Früchte Gelegenheiten, die wenig Aufwand kosten.
Die Antwort eines Staatssekretärs offenbarte ein Kuriosum. Berlin erreiche offenbar nicht die für Verhandlungen über die Teilnahme am EU-Schulprogramm zuständigen Personen in Brandenburg, wurde der Grünen-Politikerin mitgeteilt.
In Potsdam ist niemand ansprechbar
Der Vorgang klingt nach einer Staatsposse. Bildungsstaatssekretärin Christina Henke soll bei der Podiumsdiskussion nun mit Nachdruck Verhandlungen mit Brandenburg angekündigt und auch die Option der Kündigung des Staatsvertrags erwähnt haben.
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Verhandlungspartner in Potsdam wäre für die Berliner Bildungspolitik das Agrarministerium. Brandenburg ist aufgrund eines landwirtschaftlichen Staatsvertrags für Agrarförderprogramme der EU zuständig. Berlin verfügt über keine eigene Agrarbehörde. Es gibt anders als in Brandenburg kaum landwirtschaftlich genutzte Flächen in der Hauptstadt.
Die stockenden Abstimmungen mit dem Nachbarland könnten mit der immer lauteren Kritik in Brandenburg am EU-Schulprogramm für Milch zusammenhängen. „Der Verwaltungsaufwand wird aufgrund der einzuhaltenden EU-Vorgaben und den damit zusammenhängenden Kontrollen als recht hoch eingeschätzt“, erklärt ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Die mit dem EU-Programm einhergehenden Kontroll- und Dokumentationspflichten bedeuteten einen erheblichen Mehraufwand in den Schulen des Landes, fügt er hinzu.
Brandenburg leistet sich ein Äpfelprogramm
In Brandenburg gibt es außerdem seit dem Schuljahr 2017/2018 das oft als „Äpfelprogramm“ bezeichnete Landesschulobstprogramm. Dabei werden vor allem regional geerntete Äpfel kostenlos an Schulen in Brandenburg verteilt. Der Landespolitik sind die Ausgaben von 100.000 Euro für die Äpfel von Brandenburger Feldern nach den Erfahrungen mit der Milchkomponente offenbar lieber als kostenloses Obst verbunden mit weiteren Vorgaben aus Brüssel.
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Die Grünen-Politikerin Daniela Billig sprach sich für eine Prüfung der Vor- und Nachteile des EU-Schulprogramms durch eine neue Landesregierung nach den Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 20. September aus. „Wir sollten ausloten, ob wir das auch mit weniger Verwaltungsaufwand hinbekommen“, sagt sie.
Eine Portion Obst in der Schule allein garantiert noch keine gesunde Ernährung, betont Harald Seitz vom Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Schulobst könne aber ein Baustein sein für eine gute Ernährungsbildung. Auch Daniela Billig erwartet sich von Schulobst für alle Berliner Schüler einen pädagogischen Effekt. „Das kann heranführen an eine gesunde Ernährung“, meint sie.
Die Verhandlungen stehen noch an
Ob die Landespolitik auch nach den Wahlen zum Abgeordnetenhaus weiter Bereitschaft zeigen wird, mit Potsdam einen Strauß auszufechten über den Staatsvertrag und eine gemeinsame Position zum EU-Schulprogramm, wird sich weisen. Der Schüleraktivist Nuri Falkenberg will das Thema auf dem Schirm behalten.
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