Satellitenfunk

Europas Mobilfunkriesen greifen nach dem Weltraum – Folgen für Handy-Nutzer

Vier große Netzbetreiber prüfen ein gemeinsames Gebot für Satellitenfrequenzen – auch um die Unabhängigkeit von Starlink zu stärken. Was könnte das für Handynutzer bedeuten?

3 Min
Satelliten sollen Funklöcher in Europa schließen. Telekom, Vodafone, Telefónica und Orange prüfen dafür eine gemeinsame Bewerbung um Funkfrequenzen.

Satelliten sollen Funklöcher in Europa schließen. Telekom, Vodafone, Telefónica und Orange prüfen dafür eine gemeinsame Bewerbung um Funkfrequenzen.

© Jpl-Caltech/Nasa

Die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Orange haben eine gemeinsame Initiative für Satellitenmobilfunk in Europa gestartet. Wie die Deutsche Telekom am Montag mitteilte, unterzeichneten die Unternehmen eine Absichtserklärung, um eine gemeinsame Bewerbung um entsprechende Funkfrequenzen zu prüfen. Sie wollen Versorgungslücken schließen und Europas Unabhängigkeit bei kritischer Kommunikationsinfrastruktur stärken.

Damit positionieren sich die Konzerne in einem Markt, in dem auch Elon Musks Satellitendienst Starlink expandiert. Die geplante Zusammenarbeit bedeutet allerdings keinen Bruch mit bisherigen Partnern: Bestehende Satellitenvereinbarungen würden durch die Initiative nicht ersetzt, betonen die Unternehmen.

Satelliten sollen Funklöcher überbrücken

Im Mittelpunkt stehen sogenannte Direct-to-Device-Dienste. Dabei verbinden sich geeignete Mobilgeräte direkt mit Satelliten, wenn keine terrestrische Verbindung verfügbar ist. Eine zusätzliche Satellitenschüssel benötigen die Nutzer dafür nicht. Die Technik soll Mobilfunknetze ergänzen und Verbindungen in bislang unterversorgten Regionen ermöglichen.

Die vier Konzerne wollen zentrale Bodeninfrastruktur sowie wichtige Koordinierungs- und Steuerungsfunktionen in Europa aufbauen. Eigene Investitionen in eine Satellitenkonstellation planen sie im Rahmen der Initiative nicht. Diese soll ein noch auszuwählender Partner bereitstellen. Auch andere Mobilfunkanbieter sollen offenen und diskriminierungsfreien Zugang erhalten.

EU will europäischen Anbietern Vorrang geben

Den politischen Rahmen bildet ein Vorschlag der EU-Kommission zur künftigen Nutzung des 2-Gigahertz-Frequenzbandes. Die bisherigen Genehmigungen laufen im Jahr 2027 aus. Vorgesehen ist ein gemeinsames europäisches Auswahl- und Genehmigungsverfahren.

Nach einer Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes des Europaparlaments soll ein Drittel des Bandes staatlicher Kommunikation dienen, etwa für Sicherheit und Militär. Ein weiteres Drittel soll kommerziellen EU-Anbietern vorbehalten bleiben. Um das letzte Drittel könnten sich auch Anbieter aus Drittstaaten unter Sicherheitsauflagen bewerben. Die bisherigen Rechte könnten übergangsweise bis 2029 verlängert werden. Die Regeln sind noch nicht beschlossen.

Telekom hält parallel an Starlink fest

Die Telekom verfolgt bereits einen zweiten Weg: Laut ihrem Quartalsbericht will sie mit Starlink bis spätestens Anfang 2028 Satellitenverbindungen direkt auf Mobilgeräte bringen, auch in Deutschland.

Das neue europäische Bündnis soll diese Partnerschaft ergänzen. Wann daraus ein Angebot für Kunden entsteht, welche Geräte es unterstützen und was es kostet, haben die vier Unternehmen bislang nicht mitgeteilt.

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