Internet

Eutelsat-Chefin gibt zu: Ukraine ist an Musks Starlink gebunden

Die Ukraine bleibt nach Ansicht von Eva Berneke weiterhin von Elon Musks Satelliteninternet abhängig. Das europäische Unternehmen Eutelsat könne es derzeit noch nicht mit Starlink aufnehmen.

3 Min
Eutelsat-Chefin Eva Berneke

Eutelsat-Chefin Eva Berneke

© Miguel Medina/AFP

Das Satellitennetzwerk Starlink des amerikanischen Milliardärs Elon Musk wird auch weiterhin für die Ukraine unerlässlich bleiben. Eine Alternative unter der Federführung eines europäischen Unternehmens, die vor einigen Wochen von der Chefin des französisch-britischen Satellitenbetreibers Eutelsat ins Spiel gebracht worden war, scheint vom Tisch. Die Unternehmensleiterin Eva Berneke gab in einem Interview mit dem Nachrichtenportal Politico zu, dass Eutelsat es derzeit nicht mit Starlink aufnehmen kann. 

„Wenn wir die gesamte Konnektivitätskapazität für die Ukraine und alle Bürger übernehmen würden, wären wir dazu nicht in der Lage. Seien wir mal ganz ehrlich“, sagte Berneke. „Aber ich denke, wir können Kapazitäten für einige der kritischen Anwendungsfälle der Regierung bereitstellen.“ Sie mahnte erneut, dass die Ukraine nicht allein von Starlink abhängig sein dürfe, da die Entscheidungen dazu „im Weißen Haus oder [Trumps Privatresidenz] Mar-a-Lago entschieden werden“ könnten. Deshalb sei es wichtig, mehrere Optionen zu haben, betonte Berneke.

Ist die Ukraine der Willkür von Elon Musk ausgesetzt?

Angesichts der Umwälzungen in der amerikanischen Politik seit der Amtsübernahme von Präsident Donald Trump wuchs Berichten zufolge in Kiew der Wunsch nach einer europäischen Lösung. Die Regierung der USA hatte im Februar damit gedroht, das für die ukrainische Armee so wichtige Satellitennetzwerk Starlink abzuschalten, sollte die Regierung in Kiew ein Abkommen über die Lieferung strategisch wichtiger Rohstoffe verweigern.

Die Ukraine sei zudem der Willkür von Musk ausgeliefert, der heute ein Topberater von Trump ist. Der Unternehmer hatte im März gesagt, dass „die gesamte Frontlinie zusammenbrechen würde, wenn ich sie abschalte“.

Vor etwa drei Wochen meinte Berneke gegenüber der Nachrichtenagentur AFP noch: „Wir sind die einzige Alternative zu Starlink in niedriger Umlaufbahn“ und Eutelsat biete eine „perfekte Abdeckung“ der Ukraine. Die Eutelsat-Chefin räumte allerdings auch ein, dass dem Unternehmen „weniger Kapazitäten“ als Starlink zur Verfügung stünden. Deshalb sei es nicht möglich, die Bevölkerung mit Terminals zu versorgen. Für die militärischen Bedürfnisse reiche es jedoch aus, erklärte Berneke.

Wie viele Sateliten haben Starlink und Eutelsat?

Nur wenige Unternehmen haben bisher in erdnahe Satelliten investiert. Solche Systeme bieten schnellere Verbindungen und geringere Latenzzeiten – entscheidend für Echtzeitoperationen wie Drohnenkriege. Aber ihr Betrieb ist nach wie vor teuer und aufwendig. Starlink, das Musks Firma SpaceX gehört, ist Marktführer. Eutelsat ist ein starker Konkurrent, während andere, wie Amazons Project Kuiper, noch hinterherhinken.

„Die von Starlink angebotene Lösung ist einzigartig“, sagte Christopher Baugh, Raumfahrtexperte beim Beratungsunternehmen Analysys Mason, gegenüber Politico. Starlink habe „technische Barrieren durchbrochen“ und „die Lücke gefüllt, die es sonst nicht gab“. Mit hochmodernen, kompakten Bausätzen und einem riesigen Netz flexibler Träger stellen Starlinks 7000 Satelliten die 600 Satelliten umfassende Eutelsat-Flotte in den Schatten. Musks Netzwerk kann je nach Einsatzszenario die 23- bis 490-fache Kapazität von Eutelsat über der Ukraine bieten, heißt es in dem Bericht.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Die EU hat mittlerweile ein Satellitensystem namens Iris² auf den Weg gebracht. Die Verträge dafür wurden im Dezember unterzeichnet, doch bis es funktionsfähig ist, dürfte es noch einige Jahre dauern. Geplant ist, dass es bis 2030 in Betrieb genommen wird.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner