Das evangelische Magazin chrismon hat mit Bundesfinanzminister Christian Lindner ein exklusives Interview zu seinem Glauben und seiner Trauung geführt. Die Berliner Zeitung veröffentlicht es in Gänze mit freundlicher Genehmigung von chrismon, dem evangelischen Magazin.
chrismon: Stimmt es, dass Sie und Franca Lehfeldt aus der Kirche ausgetreten sind?
Christian Lindner: Ich möchte nur für mich sprechen. Ja, ich bin mit 18 Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten.
Warum wollten Sie beide trotzdem kirchlich heiraten?
Bekanntlich habe ich meinen Amtseid im vergangenen Jahr auf Gott geschworen. Aus einer Kirche auszutreten bedeutet schließlich nicht, aus jeder Form der Spiritualität auszutreten. Immanuel Kants Frage, was wir hoffen dürfen, stellt sich jedem Menschen. Über die Beschäftigung mit meinen Vorfahren habe ich Hinweise gefunden, dass in meiner Familie schon im 16. Jahrhundert protestantische Theologen und Pfarrer waren. Das hat meinen Blick auf die andere der beiden Konfessionen geöffnet.
Was bedeutet Ihnen der kirchliche Segen für Ihre Ehe?
Es gibt ein Mehr, das über uns beide und unser gemeinsames Leben hinausweist. Das in einem Gottesdienst zu bedenken und den Segen zu empfangen, war mir wichtig.
Gab es ein seelsorgerliches Vorgespräch mit der Gemeindepastorin von St. Severin?
Es gab mehrere. Wir sind eigens nur für einen besonders ausführlichen Austausch für einen Tag vor einigen Monaten nach Sylt gereist. Pfarrerin Susanne Zingel hat uns beeindruckt. Wir haben aus den Gesprächen auch mehr über uns selbst erfahren.
War es ein richtiger evangelischer Traugottesdienst mit Predigt der Pastorin? Welche Rolle hatte Peter Sloterdijk?
Aus Ihrer Frage spricht ein Misstrauen gegenüber einer Seelsorgerin, das ich leider mehrfach wahrnehmen konnte. Nach meinem Verständnis kommt doch der individuellen Entscheidung im Protestantismus eine besondere Rolle zu. Ich dachte, dass das damit verbundene Vertrauen auf den einzelnen Seelsorger die evangelische Glaubensgemeinschaft prägen würde. Warum wurde das Pfarrerin Zingel nicht zuteil? Meinetwegen? Um die Frage zu beantworten, natürlich war es ein richtiger Traugottesdienst mit Predigt. Peter Sloterdijk hatte ich nach hinführenden Gedanken gefragt. Er hat den Gottesdienst bereichert, geprägt hat ihn die Pastorin.
Es wurde kritisiert, dass Sie eine Dienstleistung der Kirche ein Anspruch nehmen, die von Kirchenmitgliedern finanziert wird. Haben Sie der Gemeinde Geld gespendet als Dank für die Trauung oder wollen Sie es noch tun?
Diese Frage hat nach meinem Geschmack einen etwas zu weltlichen Charakter. Irritierend waren für mich Hinweise, man möge bitte eine Rechnung stellen. Wenn zwei Seelen um Segen bitten, sollte man nicht die finanziellen Gegenleistungen thematisieren, finde ich. Ein Gottesdienst ist eben keine Dienstleistung. Man darf aber davon ausgehen, dass der Gemeinde keinerlei wirtschaftlicher Nachteil entstanden ist. Mehr möchte ich zu diesem Aspekt nicht sagen.
Könnten Sie sich vorstellen, vielleicht wieder in die Kirche einzutreten?
In meine frühere Konfession nicht. Pastorin Zingel hat mich aber in meinem Nachdenken bestärkt. Allerdings hat mich manche Reaktion verunsichert, die frei von Kenntnis der Umstände und Motive parteipolitische Sympathien und gar Falschmeldungen mit seelsorgerischen Fragen vermischt hat.
Wir veröffentlichen das Interview mit freundlicher Genehmigung des evangelischen Magazins chrismon, das das Interview exklusiv geführt hat. Weitere Informationen zu chrismon unter: https://chrismon.evangelisch.de/
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