WASHINGTON. Berühmt wurde Alan Greenspan durch "Greenspeak", jene verklausulierte Sprache, mit der er seine Zinspolitik kommentierte, als er noch Chairman der US-Notenbank war. Nun spricht er klar: Der Irakkrieg ging ums Öl. Das steht in seinen Memoiren "The Age of Turbulence" (Deutscher Titel: "Mein Leben für die Wirtschaft"). Dabei hat Greenspan das Ziel durchaus unterstützt. Saddam Hussein habe aus dem Weg geräumt werden müssen, weil er danach trachtete, die Straße von Hormus zu kontrollieren, und damit den Ölfluss und die Ölfelder der Region. Das habe er Bush damals auch wissen lassen. Greenspan wurde von Verteidigungsminister Robert Gates zurückgewiesen: Beim Irakkrieg sei es um Massenvernichtungswaffen gegangen.Der "libertäre Republikaner" Greenspan geht rundum mit der Bush-Regierung ins Gericht. Die habe dem Land durch hohe Ausgaben und den teuren Irakkrieg ein riesiges Haushaltsdefizit beschert. "Ich bin sehr enttäuscht", sagte Greenspan. "Weniger Bürokratie, weniger Staatsausgaben, weniger Steuern, weniger Regulation - sie hatten die Ressourcen, dies alles durchzusetzen, die Kenntnisse, die Mehrheit. Und sie haben es nicht getan. Ihnen war politische Kontrolle wichtiger als Politik und am Ende hatten sie weder Kontrolle noch Politik." Bush zeigte sich von Greenspans Buch "überrascht", wie eine Sprecherin sagte.Besonders ärgert es Greenspan, dass Bush nicht auf seinen Rat hörte, mehr Haushaltsdisziplin zu zeigen. Der Präsident habe zu Beginn seiner Amtszeit jede Fotogelegenheit wahrgenommen, sich als Wirtschaftsfachmann zu präsentieren, doch habe er sich kaum für Finanzpolitik interessiert. Auch mit den Demokraten geht Greenspan ins Gericht. Zwar stand der 81-Jährige Bill Clinton nahe, die Demokraten von heute aber seien nicht mehr so zentristisch, sie bewegten sich in die falsche Richtung. "Hillary Clinton ist sehr klug, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich für sie stimmen werden", sagte er. Greenspan steht aber auch in der Kritik; ihm wird vorgeworfen, durch seine langjährige Niedrigzinspolitik zur "Housing Bubble", dem überhitzten Immobilienmarkt beigetragen zu haben. Greenspan sagte, noch bis vor kurzem war er der Ansicht, der Immobilienmarkt werde sich beruhigen, nun sei er nicht mehr so sicher. Für sein Buch bekam Greenspan einen Vorschuss von 8,5 Millionen Dollar.------------------------------Foto: Alan Greenspan, Ex-Notenbanker
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