Ex-Verteidigungsminister der Korruption überführt

Vertrauter Berlusconis verurteilt

Oliver Meiler
3 Min

ROM. Der Fall gilt als größter Bestechungsskandal in der italienischen Geschichte. Zehn Jahre lang haben Mailänder Staatsanwälte im so genannten Dossier Imi-Sir ermittelt In der Nacht zu Freitag hat nun der römische Kassationshof, Italiens oberstes Gericht, ein rechtskräftiges Urteil gesprochen. Cesare Previti, der alte Römer Freund und Geschäftsanwalt des Mailänder Medienunternehmers Silvio Berlusconi, Abgeordneter von Berlusconis Partei Forza Italia und einst Verteidigungsminister, wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt.Die Kassationsrichter sahen es als erwiesen an, dass Previti, der wegen seiner einstigen Machtposition und seiner Grobschlächtigkeit auch "Cesarone" genannt wird, in einem Rechtsstreit Richter mit 100 Milliarden Lire (rund 50 Millionen Euro) bestochen hatte. Die Mandanten waren die Erdölmagnaten Rovelli und deren in Konkurs gegangenes Familienunternehmen Sir, die dank des Urteils 1990 von der damals staatlichen Bank Imi 1000 Milliarden Lire (rund 500 Millionen Euro) zugesprochen erhielten - also das Zehnfache des Schmiergeldes.Verurteilt wurden auch der korrupte Richter und Verantwortliche für das umstrittene Verdikt im Fall Imi-Sir, Vittorio Metta, sowie zwei weitere Anwälte aus der Entourage von Berlusconi: Attilio Pacifico und Giovanni Acampora. Der Kassationshof stieß gleichzeitig einen Freispruch in einem ähnlichen Fall um, bei dem laut Anklage die gleichen Protagonisten das Urteil im Übernahmestreit um das große italienische Verlagshaus Mondadori manipuliert hatten - zu Gunsten von Berlusconi. Eine Neuverhandlung im Fall Mondadori scheint aber unwahrscheinlich: Dieses Jahr läuft die Verjährungsfrist ab.Dennoch legen die Beschlüsse des Kassationshofes nahe, dass Previti & Co. im Namen und mit dem Geld ihrer Klientel über lange Zeit Richter bestochen haben. Previti soll einige, mit denen er auch privat verkehrte, auf einer Art Lohnliste geführt haben. Er streitet das ab: "Hier wird ein Unschuldiger in den Knast geworfen", sagte er gestern, als er auf Geheiß sein Parlamentsmandat aufgab und sich stellte.Lange wird er jedoch nicht einsitzen in Rom. Eines der vielen maßgeschneiderten Gesetze der vergangenen Jahre, welche Berlusconi und seine Freunde vor der Justiz hätte schützen sollen, sieht nämlich vor, dass Verurteilte über 70 ihre Gefängnisstrafe in Form von Hausarrest verbüßen können. Cesare Previti ist 71 Jahre alt.Wie zu erwarten war, löste die Verurteilung in Berlusconis Partei Forza Italia, in der etliche Anwaltskollegen Previtis politisieren, einen Chor der Entrüstung aus. Die einen sprachen von einem "schwarzen Tag in der Geschichte der Justiz", andere von den ersten Anzeichen eines "linken Regimes" nach den Wahlen und von einem "Komplott".Nur einer schwieg sich bisher aus: Silvio Berlusconi. Previtis Prominenz rührt allein von diesem illustren Mandanten, Freund und Geschäftspartner her. Ihre Wege verliefen viele Jahre lang parallel, das belegten auch die Spuren der Geldtransfers auf ihren Konten. Previtis lädierter Ruf wirft also unweigerlich einen Schatten auf Berlusconis Geschäftskarriere. Der Unternehmer wuchs auch dank Previtis strafrechtlich relevanter Expertise und Praxis. In der Nacht seiner Verurteilung beklagte sich Previti, dass man ihn allein gelassen habe. Er meinte Berlusconi.------------------------------"Das war systematische Richterbestechung." Mailänder Staatsanwalt

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