Zeit drängt

Experten machen Druck: Weitere Studien zum Corona-Ursprung nötig

Das Fenster, in dem es noch möglich sei, frühe Spuren des Virus in Menschen und Tieren in China und anderswo zu finden, schließe sich rapide, hieß es.

Team News dpa/kmi
3 Min
Wuhan, Ende Januar 2020: Arbeiter in Schutzkleidung tragen eine Tasche, in der sich ein Riesensalamander befindet, der vom Huanan Seafood Market entkommen sein soll.

Wuhan, Ende Januar 2020: Arbeiter in Schutzkleidung tragen eine Tasche, in der sich ein Riesensalamander befindet, der vom Huanan Seafood Market entkommen sein soll.

© AP/CHINATOPIX

Das Fenster, in dem es noch möglich sei, frühe Spuren des Virus in Menschen und Tieren in China und anderswo zu finden, schließe sich rapide. Antikörper, die Hinweise geben könnten, schwinden bei Infizierten mit der Zeit, schreiben die Autoren. Sie halten eine Übertragung vom Tier auf den Menschen, vermutlich über einen Zwischenwirt, am wahrscheinlichsten. Experten glauben, dass das Virus auf Wildtier-Farmen auf den Menschen übergegangen sein könnte. Viele davon seien mittlerweile geschlossen und die Tiere getötet worden, heißt es in dem Nature-Beitrag. Auf diesen Farmen hätten chinesischen Angaben zufolge 2016 vermutlich 14 Millionen Menschen gearbeitet.

Um die Untersuchung zum Ursprung des Virus gibt es seit Monaten Streit. China hat die Reise des internationalen Expertenteams, das seine Untersuchung zusammen mit chinesischen Wissenschaftlern durchführte, monatelang hinausgezögert. China verweigert ausländischen Experten zudem bislang Originaldaten über 174 frühe Patienten, die mit dem damals neuartigen Virus infiziert waren. Die ausländischen Experten haben weitere Studien in China empfohlen, was Peking bislang zurückweist.

Kritik: These des Laborunfalls auf Druck Chinas vernachlässigt

Die USA und andere Länder kritisierten, dass die These eines Laborunfalls, bei dem das Virus in der chinesischen Stadt Wuhan entwichen sein könnte, auf Druck Chinas vernachlässigt worden sei. Die Wissenschaftler betonen in ihrem Beitrag in der Zeitschrift Nature erneut, dass sie die These nicht für ausgeschlossen halten. „Wir haben öffentlich darum gebeten, Informationen, die die Hypothese eines Laborlecks untermauern, zu veröffentlichen und der WHO zur Verfügung zu stellen. Das ist bislang nicht geschehen“, schreiben sie. Die US-Regierung will in Kürze eigene Erkenntnisse dazu vorlegen.

Chinas Botschafter in Genf, Chen Xu, wies die Laborthese am Mittwoch erneut als „extrem unwahrscheinlich“ zurück. Stattdessen sollten bestimmte Labore in den USA untersucht werden, schrieb er in einer Stellungnahme, ohne diese Idee näher zu erklären.

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WHO-Nothilfe-Koordinator Mike Ryan zeigte sich irritiert über Chens Aussagen. Es sei ein Widerspruch, einerseits die These eines Laborzwischenfalls für unwahrscheinlich zu halten und andererseits Untersuchungen in US-Laboren anzuregen. „Das ist schwer nachvollziehbar“, sagte Ryan bei einer Pressekonferenz in Genf. Die WHO teile die Ansicht, das die weiterführenden Studien zum Ursprung des Virus dringend durchgeführt werden müssen, sagte die führende Corona-Expertin der UN-Behörde, Maria Van Kerkhove. „Es ist Zeit, voranzukommen und hier etwas weiterzubringen“. Sie fügte allerdings hinzu, dass Wissenschaftler in China die WHO über weitere Forschungen informiert hätten. Details zu den Projekten stünden jedoch noch aus.

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