Die Berliner Mauer soll im Stadtbild wieder sichtbarer und spürbarer werden - darüber waren sich Experten, Politiker und Leser am Montagabend bald einig. Sollen wir nun auf das Gedenkstättenkonzept von Kultursenator Thomas Flierl warten, auf eine zentrale Mauergedenkstätte - oder ist private Initiative angesagt, wie die von Alexandra Hildebrandt, die am Checkpoint Charlie ein Stück Mauer wieder aufbaute und viele gewaltige Kreuze zur Erinnerung an die Mauertoten daneben stellte? Darüber wurde am Montag im Haus des Berliner Verlages heftig debattiert."Wir brauchen in Berlin eine Stätte, die Berlinern und Besuchern das Tödliche der Mauer ins Bewusstsein bringt, daran erinnert, was die Mauer war: das Symbol der Teilung der Welt in zwei Blöcke", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Stephan Hilsberg. Dies könne das ästhetisierende Kunstwerk an der Bernauer Straße nicht leisten. Kultursenator Flierl verwies auf sein künftiges Gedenkstättenkonzept, das "Handlungsfelder identifiziert". Seine Kompentenz für das Thema wurde dem PDS-Politiker von Vertretern der Opferverbände der SED-Diktatur abgesprochen. "Ich möchte gefragt werden, wie der Maueropfer gedacht werden soll", kritisierte Rainer Schubert, der als Fluchthelfer neun Jahre in DDR-Gefängnissen saß. Flierl kündigte an, auch mit den Opferverbänden zu sprechen. Zudem wolle er sich "nicht dafür einsetzen", dass die Kreuze am Checkpoint Charlie zum Jahresende wieder abgerissen werden. Für Gerd Proksch ein Hoffnungszeichen. Es ist der einzige Ort, wo er für seinen am ersten Weihnachtstag 1983 an der Mauer erschossenen Bruder Silvio, dessen Leiche bis heute verschwunden ist, "eine Blume hinbringen und eine Kerze anzünden kann".------------------------------Foto: Das Podium war prominent besetzt. 150 Besucher verfolgten die Debatte.
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