Technologie

Erster fahrerloser Lkw auf deutschen Straßen: Lidl testet autonomes Fahren

Lidl testet einen autonomen Lkw ohne Kabine. Er beliefert eine Filiale bei Kassel. Das steckt hinter dem neuen Projekt.

3 Min
Lidl testet erstmals autonome Lkw.

Lidl testet erstmals autonome Lkw.

© Lidl

Lidl hat als erster Lebensmittelhändler in Deutschland einen autonomen Lkw ohne Fahrerkabine auf öffentliche Straßen gebracht. Der kabinenlose Elektro-Lastwagen rollt im hessischen Edermünde bei Kassel. Gemeinsam mit dem schwedischen Technologieunternehmen Einride beliefert der Discounter damit eine nahe gelegene Filiale aus dem örtlichen Warenverteilzentrum.

Die Fahrten laufen im echten Betrieb, mit realen Warenmengen und festem Fahrplan. Möglich macht das eine Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Für die Kundschaft soll der autonome Lkw vor allem eines sichern: dass die Regale zuverlässig gefüllt sind, auch wenn Fahrer knapp werden.

Was der fahrerlose E-Lkw bei Kassel transportiert

Das Solofahrzeug bietet Platz für 15 Europaletten. Bis zu dreimal täglich pendelt es zwischen dem Verwaltungs- und Warenverteilzentrum Edermünde und der Filiale.

Auf dieser Strecke übernimmt der E-Lkw die komplette Belieferung mit Trockensortiment. Im viermonatigen Projektzeitraum sollen so nach Angaben von Lidl mehr als 3000 Paletten bewegt werden.

Warum ein Begleitfahrzeug mitfährt

Ganz auf sich allein gestellt ist der Lastwagen allerdings nicht. Beim Test auf öffentlichen Straßen muss der E-Lkw einem Bericht zufolge mit einem Begleitfahrzeug abgesichert werden.

Das Fahrzeug operiert auf SAE-Level 4. Diese Stufe bedeutet, dass ein Fahrzeug innerhalb eines festgelegten Bereichs ohne menschliches Eingreifen fahren kann.

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Grundlage des Einsatzes ist eine offizielle Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes. Einride bezeichnet das deutsche Zulassungsverfahren als eines der strengsten weltweit. „Das deutsche Zulassungsverfahren gehört zu den strengsten der Welt. Dort diese Hürde zu nehmen, stellt die Weichen, um entschlossen zu skalieren“, sagt Einride-CEO Roozbeh Charli in der Mitteilung des Unternehmens.

Fahrermangel und Lieferketten: Was Lidl sich verspricht

Mit dem Projekt reagiert Lidl nach eigenen Angaben auf zwei Dauerprobleme der Branche: hochkomplexe Lieferketten und den Fachkräftemangel am Steuer.

„Intelligenz schafft Effizienz und das ist das Rückgrat für eine dauerhaft verlässliche Warenverfügbarkeit“, sagt Thomas Dangelmayer, Leiter der Operativen Logistik bei Lidl in Deutschland. Man teste den Schritt „schrittweise und sicher im Realbetrieb“.

Einride wurde 2016 in Stockholm gegründet. Das Unternehmen entwickelt autonome Fahrzeuge, elektrische Flotten und die passende Software für den Gütertransport.

Nach eigenen Angaben führt Einride bereits autonome Lieferungen mit realen Volumina und festen Zeitplänen für Kunden in den USA und Europa durch. Deutschland gilt dem Unternehmen als Schlüsselmarkt.

Wie es nach dem Test weitergeht

Lidl betreibt in Deutschland 39 Verwaltungs- und Warenverteilzentren und über 3250 Filialen. Dieses dichte Netz sieht das Unternehmen als gute Ausgangslage für eine spätere Skalierung.

Nach einer erfolgreichen Validierung der ersten Strecke ist laut Lidl eine zweite Phase geplant: ein sogenanntes Milkrun-Modell mit mehreren Stopps an einem weiteren Standort.

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