SCHÖNEFELD. Sechs Gleise soll der Bahnhof unter dem Terminal des künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) haben. Doch für die meisten Berliner und fast alle Brandenburger werde der Airport nur mit Umsteigen und großen Umwegen erreichbar sein, kritisiert der Berliner Fahrgastverband (IGEB). Ein eigenes Konzept soll die Unzulänglichkeiten beseitigen. "Wir haben ein halbes Jahr daran gearbeitet", sagt IGEB-Vorsitzender Christfried Tschepe.Die Umsetzung der Pläne würde eine weitgehende Umstrukturierung des Regionalverkehrs in Berlin und Brandenburg nach sich ziehen. Der BBI geht davon aus, dass jeder zweite Flugpassagier die Bahn nutzen wird. 22 Millionen Fluggäste im Jahr werden zunächst nach der Eröffnung in Schönefeld erwartet.Nach der bisherigen Planung sind zwei Routen zum BBI vorgesehen. Eine Verbindung führt vom Hauptbahnhof durch den Tiergartentunnel und über die wieder hergestellte Dresdener Bahn zum Airport. Im 15-Minuten-Takt sollen Shuttle-Züge zwischen den beiden Zielen - mit Halt am Potsdamer Platz und am Südkreuz - verkehren. Für die zweite Verbindung soll die S-Bahnlinie 9 verlängert und über eine rund acht Kilometer lange Schleife an den neuen BBI-Bahnhof angebunden werden."Mit diesen beiden Verbindungen wird das Potenzial längst nicht ausgeschöpft", sagt Tschepe. "Wir wollen die Shuttle-Strecke in verschiedene Richtungen verlängern und zu einem Regionalbahnnetz ausbauen." So könnten nicht nur Städte im Umland, sondern auch wichtige Ziele in der Stadt wie das Messegelände, der Umsteigebahnhof Jungfernheide oder das Klinikum Buch direkt vom Flughafen erreicht werden. Für besonders wichtig hält es Tschepe, dass auch Potsdam und, wenn gewollt, auch der Universitätsstandort Golm einen BBI-Anschluss erhalten. "Entscheidend ist in jedem Fall, dass bis zur BBI-Eröffnung die Dresdener Bahn wieder hergestellt ist", so Tschepe.Nach den Vorstellungen des IGEB soll der Flughafen auch über die östliche Stadtbahn erreichbar bleiben. "Auf der Stadtbahn liegen viele Bahnhöfe mit wichtigen Zielen im Umfeld und guten Umsteigemöglichkeiten", sagt Tschepe.Reserven sieht der Fahrgastverband auch beim S-Bahn-Anschluss. Der "unglückliche Verlauf" der S-Bahn-Trasse an den BBI, der die Fahrt mit der S-Bahn in die Stadt nicht attraktiv mache, könne nicht mehr verändert werden. Durch einen Tausch der bisherigen Schönefeld-Linien S 9 und S 45 mit den von Grünau und Zeuthen verkehrenden Linien S 8 und S 85 hätten aber wenigstens auch die östlichen Bezirke über den Ostring eine direkte Verbindung zum Flughafen, heißt es im IGEB-Konzept. Die wichtigen Bahnhöfe Adlershof (Wissenschaftsstadt) und Schöneweide würden ihre Direktanbindung behalten. Der Verband schlägt auch vor, die Züge aus östlicher Richtung, die noch mit Diesellokomotiven fahren und deshalb in Lichtenberg enden müssen, künftig bis zum neuen Bahnhof Ostkreuz fahren zu lassen. Dort hätten Reisende dann direkten Anschluss zum BBI.Mit wesentlichen Mehrkosten rechnet der Fahrgastverband bei einer Umsetzung seiner Pläne nicht. Einige wenige Bahnhöfe, wie die Bahnhöfe Buckower Chaussee oder Messe, müssten neu- oder ausgebaut werden. Dafür könnten andere Linien, die nach der Umstellung nicht mehr benötigt werden, eingestellt werden."Wir haben die Vorschläge zur Kenntnis genommen und werden sie sorgfältig prüfen", sagte Gabriele Mittag vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). An einer guten Bahnanbindung des Flughafens sei der VBB natürlich interessiert. Für den BBI sagte Sprecher Eberhard Elie: "Im Interesse unserer Passagiere sind wir immer an einer optimalen Verkehrsanbindung interessiert." Man bleibe mit der Bahn im Gespräch.------------------------------Der Shuttle als RegionalbahnDer Fahrgastverband hält das bisher geplante reine Shuttle-Konzept (vier Züge pro Stunde) für die Bahnanbindung des Flughafens BBI für unpraktisch. Stattdessen sollen die Shuttle-Züge in ein neues Regionalbahn- angebot eingebunden werden.Der erste Shuttle fährt vom BBI über den Berliner Hauptbahnhof nach Potsdam. Er hält auch am Bahnhof Messe. Die Züge können bis Golm weitergeführt werden.Der zweite Shuttle verkehrt vom BBI über den Hauptbahnhof und Spandau bis nach Nauen (Havelland).Der dritte Shuttle wird im Norden vom Hauptbahnhof bis Gesundbrunnen verlängert. Er könnte auch bis Oranienburg fahren. Im Süden fahren die Züge über den BBI weiter bis nach Königs Wusterhausen und Senftenberg.Der vierte Shuttle fährt im Norden über Hauptbahnhof und Gesundbrunnen bis nach Bernau und Eberswalde. Im Süden kann er bis nach Königs Wusterhausen geleitet werden.Die S-Bahn erhält durch den Tausch der Linien S 9 (Schönefeld-Spandau) und S 45 (Schönefeld-Hermannstraße) mit den Strecken S 8 (Zeuthen-Hohen Neuendorf) und S 85 (Grünau-Waidmannslust) mehr Gewicht. Die östlichen Bezirke und der Norden Berlins erhalten durch den Wechsel eine Direktanbindung an den BBI.------------------------------Die Stadtbahn (Eisenbahntrasse zwischen Charlottenburg und Ostbahn- hof) soll ebenfalls an den BBI angebunden werden. An der Strecke liegen viele Bahnhöfe mit guten Umsteigemöglichkeiten. Die Züge sollen auch in Ostkreuz und Karlshorst halten.Die erste Linie verkehrt von Nauen kommend über Falkensee und die Stadtbahn zum BBI. Sie fährt weiter bis nach Ludwigsfelde.Die zweite Linie führt von Wustermark über Staaken und die Stadtbahn zum BBI. Diese Linie endet in Wünsdorf-Waldstadt------------------------------Grafik: Neue Linien, neue Strecken - der BBI könnte den Bahnverkehr in Berlin-Brandenburg total verändern.
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