Schienenverkehr

Fahrplan steht schon im Internet: Neue S-Bahn zum Hauptbahnhof startet am 15. Juni

Alle zehn Minuten ab Gesundbrunnen: Jahrzehnte nach dem Beginn des Projekts in Mitte kommt der Verkehr auf Berlins kürzester S-Bahnlinie ins Rollen.

4 Min
Eine S-Bahn hält im Nordbahnhof. Der Nord-Süd-Tunnel ist seit 1939 komplett. Ein zweiter Tunnel soll ihn entlasten. Nun geht das erste Teilstück in Betrieb.

Eine S-Bahn hält im Nordbahnhof. Der Nord-Süd-Tunnel ist seit 1939 komplett. Ein zweiter Tunnel soll ihn entlasten. Nun geht das erste Teilstück in Betrieb.

© Peter Neumann/Berliner Zeitung

Die Eröffnung der neuen S-Bahnstrecke zum Berliner Hauptbahnhof steht bevor. Am 15. Juni 2026 gegen 12 Uhr mittags soll der Betrieb aufgenommen werden.  Das geht aus Fahrplanangaben der Deutschen Bahn hervor, die vor kurzem im DB-Navigator veröffentlicht worden sind. Die neue (Kurz-)Linie S15 wird am Gesundbrunnen beginnen.

Die Premierenfahrt soll um 11.57 Uhr in der provisorischen Tunnelstation unter der Invalidenstraße gegenüber vom Hauptbahnhof starten. Um 11.59 Uhr wird der S-Bahnhof Wedding erreicht. Um 12.02 Uhr soll die erste S15 im Bahnhof Gesundbrunnen an Gleis 3 eintreffen.

In der Gegenrichtung soll der Zugbetrieb auf der neuen Verbindung am 15. Juni um 12.03 Uhr in Gesundbrunnen an Gleis 2 beginnen. Um 12.09 Uhr soll die erste S-Bahn an Gleis 22 des Hauptbahnhofs ankommen. Danach gibt es bis nach Mitternacht alle zehn Minuten eine Fahrt.

S-Bahnfahrt endet am neuen Gleis 22 des Hauptbahnhofs

Mit der Veröffentlichung der Fahrplandaten im Navigator kommt die DB der offiziellen Ankündigung des Betriebsbeginns zuvor.

An diesem Donnerstag möchten Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Bahn für Berlin, und Holger Ludewig, Chef des Projekts S21 Berlin, den Zeitpunkt vor der Presse im neuen Tunnelbahnhof an der Invalidenstraße bekannt geben. Vom 15. Juni war bereits die Rede. Allerdings standen Fahrplandaten schon mal im Internet, mussten dann aber im März wieder einkassiert werden.

Die rund zwei Kilometer lange Strecke in Mitte gehört zum ersten Abschnitt der neuen Nord-Süd-S-Bahn für Berlin, die den ersten, 1939 komplettierten Tunnel ergänzen und entlasten soll. Der Streckenast ab Westhafen bleibt außer Betrieb. Die Verbindung, auf der die S15 unterwegs sein wird, zweigt in Wedding vom nördlichen Ring ab.

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Am Rand der Europacity verläuft die Trasse zunächst oberirdisch, dann in einem Trog. Schließlich taucht sie in einen 610 Meter langen Tunnel ab. An einem provisorischen Mittelbahnsteig wird die S15, mit knapp vier Kilometern künftig die kürzeste S-Bahnlinie in der Hauptstadt-Region, auf Gleis 22 enden. In einer ebenfalls unterirdischen Passerelle gelangen die Fahrgäste zur Tram M10, zur U5 und zum Hauptbahnhof.

Technische Abnahme glückte nach mehreren Anläufen

Gesprächspartner der Berliner Zeitung bekräftigen, dass die Neubaustrecke am 15. Juni 2026 in Betrieb genommen werden soll. Am 30. Mai hätten Probefahrten stattgefunden. Bei der jüngsten Abnahme habe das Projekt alle entscheidenden Hürden genommen, hieß es.

Wie berichtet gab es bereits zwei Anläufe, um die Anlage abzunehmen. Doch während die technischen und baulichen Voraussetzungen für einen sicheren S-Bahn-Betrieb schon seit langem erfüllt sind, äußerten die Prüfer bei den Zulassungs- und Abnahmeprozessen sicherheitsrelevanter Ausrüstungstechnik im Bahnhof Kritik.

Blaues Wunder: So wird der unterirdische S-Bahnhof in Mitte wegen seiner Gestaltung genannt. Im März 2025 war der Museumszug des Vereins Historische S-Bahn zu Messfahrten auf der Neubaustrecke in Mitte unterwegs.

Blaues Wunder: So wird der unterirdische S-Bahnhof in Mitte wegen seiner Gestaltung genannt. Im März 2025 war der Museumszug des Vereins Historische S-Bahn zu Messfahrten auf der Neubaustrecke in Mitte unterwegs.

© Verein Historische S-Bahn e.V.

Zunächst sollen S-Bahnen der Baureihe 481 verkehren, später dann nach Absprache mit dem Verkehrsverbund VBB Züge der Baureihe 484.

Die Streckeneröffnung markiert den ersten sichtbaren Erfolg bei einem Projekt, das vor mehr als drei Jahrzehnten erstmals in den Plänen aufgetaucht ist. Im 1992 beschlossenen Konzept für die Entwicklung des Berliner Bahnsystems („Pilzkonzept“) tauchte eine solche Verbindung erstmals auf. Anfangs fiel sie aber durch die Wirtschaftlichkeitsprüfung.

Betriebsstart 20 Jahre nach der Bahnhofseröffnung

Nach langen Querelen zwischen dem Bund und dem Land Berlin, ob das Projekt wirklich sinnvoll und finanzierungswürdig ist, wurde im Jahr 2000 der Start von ersten Vorsorgemaßnahmen am Ring gefeiert. 2011 fand der erste Spatenstich für den Tunnel am Hauptbahnhof statt. Immer wieder verzögerten sich der Bau und die Fertigstellung.

Die neue S-Bahnstrecke wird 20 Jahre nach der Eröffnung des Hauptbahnhofs die Verbindungen aus dem Norden Berlins verbessern. Derzeit müssen die Fahrgäste, die zum Beispiel aus Frohnau, Wittenau, Pankow oder Buch zum zentralen Berliner Bahnhof möchten, umsteigen – zum Beispiel im Bahnhof Friedrichstraße.

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