Nina Jäckle hatte beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt das Pech, als zweite vorlesen zu müssen. Das ist immer schlecht, wenn der erste Text nicht viel taugt, die Kritiker sich aber noch nicht warm gelaufen haben. Die aufgesparte Häme kriegt dann automatisch der zweite Autor ab. Das Publikum protestierte zwar lautstark gegen die überzogene Kritik, vergab am Ende seinen Publikumspreis aber an jemanden, der nach drei Tagen viel frischer im Gedächtnis war.So ging Nina Jäckle, geboren 1966, trotz schwacher Konkurrenz völlig leer aus. Im Klappentext ihres ersten Buches steht nun, ihr Ton erinnere an die späte Duras, die weltberühmte. Was soll eine junge Autorin von so viel Hin und Her halten? Die Wahrheit ist: Wer mustergültige Geschichten mag, wird Nina Jäckle ganz gerne lesen. Das geht zum Beispiel so: Einer U-Bahn bleibt der Strom weg: Im Dunkeln, tief unter der taghellen Stadt, herrscht auf engstem Raum Ausnahmezustand. Die Menschen kommen sich näher, und sei es im Aneinandervorbeireden. Dann geht das Licht an, das Leben hat wieder Fahrt und Strom. Von solcher Musterhaftigkeit sind viele ihrer Geschichten - ein sonderbar gezähmtes, ganz präzise arbeitendes Talent. (jae.)Nina Jäckle. Es gibt solche. Berlin Verlag, Berlin 2002, 134 S., 16 Euro.
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