Mordprozess

Fall Fabian: Bringen Aussagen dreier Kinder die Anklage im Mordprozess ins Wanken?

Drei Kinder haben im Mordprozess um den getöteten Fabian aus Güstrow ausgesagt. Ihre Beobachtungen passen nicht zum angenommenen Tatablauf – doch es gibt Zweifel.

Katja Frick
Katja Frick
3 Min
Die Angeklagte Gina H. vor der Fortsetzung im Verfahren wegen Mordes im Fall Fabian im Verhandlungssaal des Landgerichts Rostock.

Die Angeklagte Gina H. vor der Fortsetzung im Verfahren wegen Mordes im Fall Fabian im Verhandlungssaal des Landgerichts Rostock.

© Danny Gohlke/dpa

Neue Zeugenaussagen haben bei der Verhandlung am 3. September für Aufruhr im Mordprozess um den Tod des achtjährigen Fabian gesorgt. Vor dem Landgericht Rostock berichteten drei Kinder, sie hätten Fabian am Nachmittag des 10. Oktobers noch in Güstrow gesehen. Zu diesem Zeitpunkt soll Fabian jedoch nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft bereits tot gewesen sein.

Zwei Schulkameraden sagten, sie hätten Fabian am 10. Oktober 2025 am frühen Nachmittag vor einer Bäckerei in der Nähe seiner Schule gesehen. Er sei mit seinem Fahrrad unterwegs gewesen. Einer der Jungen will ihm wenig später erneut bei einer Kirche begegnet sein.

Allerdings blieb eine entscheidende Unsicherheit: Mindestens einer der Zeugen konnte nicht ausschließen, dass die Begegnungen bereits am Donnerstag und nicht erst am Freitag stattgefunden hatten. Auch an Einzelheiten zu Fabians Kleidung und Fahrrad erinnerten sich die Kinder nur begrenzt.

Mädchen berichtet von zwei Männern hinter Fabian

Eine weitere junge Zeugin erklärte, Fabian am 10. Oktober zwischen 14 und 15 Uhr in der Nähe seiner Wohnung gesehen zu haben. Hinter ihm seien zwei schwarz gekleidete Männer mit schwarzen Haaren und Bärten gegangen. Als Fabian schneller geworden sei, hätten auch die Männer ihr Tempo erhöht.

Ob sie ihn ansprachen, berührten oder tatsächlich verfolgten, konnte das Mädchen nicht sagen. Zudem unterscheidet sich ihre Aussage in mehreren Punkten von den Angaben, die sie zuvor bei der Polizei gemacht hatte. Damals war demnach nur von einem Mann die Rede gewesen.

Streit über Aussagekraft

Die Kinder wurden nicht im Gerichtssaal, sondern per Video aus einem anderen Raum vernommen. Die Verteidigung bewertete vor allem die Aussagen der beiden Jungen als überzeugend und entlastend. Die Staatsanwaltschaft hält dagegen einen Irrtum beim Wochentag für möglich.

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Laut Anklage soll Gina H. den achtjährigen Fabian am Vormittag des 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt und zu einem Tümpel bei Klein Upahl gebracht haben. Dort soll sie Fabian erstochen und den Leichnam später angezündet haben. Die Angeklagte bestreitet die Tat. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Ob die Aussagen der Kinder die zeitliche Rekonstruktion der Staatsanwaltschaft tatsächlich erschüttern, muss das Gericht klären. Objektive Belege für die geschilderten Nachmittagssichtungen sind bislang nicht öffentlich bekannt.

Gina H. wird am 10. September befragt

Am Donnerstag, 10. September, wird der Mordprozess vor dem Landgericht Rostock fortgesetzt. Dann soll Gina H. Fragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft zu ihrer zuvor verlesenen, rund vierstündigen Aussage beantworten.

Im Mittelpunkt dürften ihre Angaben zu ihren Wegen und Fahrten am Tag von Fabians Verschwinden sowie mögliche Widersprüche zu bisherigen Zeugenaussagen und Ermittlungsergebnissen stehen. Ob die Befragung an diesem Verhandlungstag abgeschlossen werden kann, ist offen.

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