Über 70 Jahre ist es her, da schrieb der Sportreporter Sammy Drechsel das Buch „11 Freunde müsst ihr sein“ über eine Schulklasse in Wilmersdorf. Die Kernbotschaft: Fußball spielt man nur als Team erfolgreich! Auf keine Mannschaft im deutschen Profifußball treffen diese Gedanken momentan derart passend zu wie auf Hertha BSC.
Die Schwarzmalerei kannte vor dem Saisonstart mit Blick auf den Hauptstadtklub keine Grenzen. Nach den Abgängen von Kapitän Fabian Reese (VfL Wolfsburg), Mega-Talent Kennet Eichhorn (Bayer Leverkusen) oder Top-Torhüter Tjark Ernst (Feyenoord Rotterdam) hatten nicht wenige Experten der Hertha gar prophezeit, sie würde in diesem Jahr gegen den drohenden Abstieg in die 3. Liga spielen.
Langsam wird’s unheimlich: Hertha BSC baut Siegesserie weiter aus
Doch die Mannschaft von Trainer Stefan Leitl, der zwischenzeitlich bei vielen Fans schon in die Kritik geraten war, spielt allen Unkenrufen zum Trotz großartig auf, eilt in der 2. Bundesliga von Sieg zu Sieg. Der 3:1 (0:0)-Erfolg beim VfL Osnabrück war schon der fünfte Dreier hintereinander. Das schaffte zum Saisonstart zuletzt der Hamburger SV vor sechs Jahren.
Fünf Spiele – acht unterschiedliche Torschützen
Was es für die Gegner in dieser Spielzeit besonders kompliziert macht, ist die Tatsache, dass die Hertha nicht den einen Star hat. Defensiv funktioniert das Gebilde aus der Viererkette im Verbund mit Torhüter Marius Gersbeck, der in Osnabrück per gehaltenem Strafstoß den möglichen Ausgleichstreffer verhinderte. Offensiv haben sich bei den Charlottenburgern nach den Treffern von Kevin Sessa und Farid Alfa-Ruprecht bereits acht(!) verschiedene Spieler in die Torschützenliste eingetragen. Das ist in dieser Hinsicht geteilte Ligaspitze mit Aufsteiger Energie Cottbus.
Kevin Sessa (vorne) machte in Osnabrück sein erstes Saisontor für die Hertha.
© IMAGO/Maximilian Koch
Platz eins in der Tabelle müssen sich die Berliner dagegen nicht teilen. Zwei Punkte beträgt der Vorsprung auf den 1. FC Nürnberg, drei auf Bundesliga-Absteiger 1. FC Heidenheim. Das hat zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison zwar noch nicht allzu viel Aussagekraft, ist aber schon jetzt ein Fingerzeig, dass man von der Leitl-Elf in dieser Spielzeit noch einiges erwarten kann. Der Teamgeist – den Eindruck kann man aktuell nicht verhehlen – ist auf jeden Fall schon bundesligareif!
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