WASHINGTON, 21. Mai. Nachdem US-Vizepräsident Dick Cheney am Sonntag seine Landsleute mit dem Hinweis beunruhigt hatte, dass weitere Terroranschläge gegen amerikanische Ziele durch die El-Kaida-Organisation "so gut wie sicher" seien hat nun FBI-Chef Robert Mueller Öl ins Feuer gegossen. Mueller erklärte in Washington, dass Selbstmordanschläge wie im Nahen Osten auch in den USA "unvermeidlich" seien.In einer Rede vor dem Dachverband amerikanischer Staatsanwälte erklärte der FBI-Direktor, dass es sowohl der Bundeskriminalpolizei als auch anderen Geheimdienstbehörden fast unmöglich sei, Terrorgruppen zu infiltrieren, "deren Aktivitäten sich auf Fanatismus gründen".Nach den jüngsten Bombenanschlägen in Russland durch El-Kaida-nahe Gruppen warnte das FBI, dass Terroristen in den USA Wohnungen oder Hotelzimmer anmieten und diese dann in die Luft sprengen könnten. Obwohl die recht konkrete Warnung bereits in der vergangenen Woche ausgesprochen wurde sah das Weiße Haus keine Veranlassung, die Nation in einen Zustand höherer Alarmbereitschaft zu versetzen.ABC News gab zudem den Unsicherheiten neue Nahrung mit einem Bericht über ein angebliches Geheimtreffen der El Kaida mit der radikalislamischen Hamas und der Hisbollah-Miliz. Vertreter der drei Extremisten-Organisationen seien bereits im März in Libanon zusammengekommen, um Angriffe gegen die USA und Großbritannien zu koordinieren, berichtete der Fernsehsender unter Berufung auf US-Behördenvertreter.Während die Nervosität in der Öffentlichkeit während der vergangenen Tage wieder gestiegen ist, führt die Handhabung der Terrorwarnungen, die das Weiße Haus im Vorfeld der Anschläge vom 11. September erhielt, zu einem schweren Image-Verlust für die Bush-Regierung.Wie aus einer gemeinsamen Umfrage der Washington Post und des Nachrichtensenders ABC hervorgeht, glauben nur vierundvierzig Prozent der Amerikaner, die Regierung habe genug getan, um die Flugzeugattacken auf das World Trade Center und das Pentagon zu verhindern. Bei der letzten Umfrage im März war das Verhältnis noch umgekehrt. Eine klare Mehrheit ist der Ansicht, dass der Kongress untersuchen solle, welche Fehler den Geheimdienstbehörden und der Regierung unterliefen, als sie im vergangenen Sommer konkrete Hinweise auf bevorstehende Flugzeugentführungen ignorierten. Der demokratische Fraktionschef im Repräsentantenhaus, Dick Gephardt, will einen unabhängigen Ausschuss einberufen, der die Abläufe vor dem 11. September untersuchen soll.
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