BERLIN. Mit einer neuerlichen Senkung des Leitzinses will die US-Notenbank Fed die Konjunktur vor den Folgen der Immobilienkrise schützen. Der Offenmarktausschuss der Fed senkte den Zinssatz gestern um 0,25 Punkte auf 4,5 Prozent. Die Bank begründete den Schritt mit dem Risiko einer geschwächten Konjunkturentwicklung infolge der Krise auf dem US-Immobilienmarkt. "Das Tempo der wirtschaftlichen Expansion wird sich in nächster Zeit wahrscheinlich verlangsamen", hieß es in einer Erklärung. Mitte September hatte die Fed den Leitzins bereits um einen halben Prozentpunkt gesenkt.Aktienkurse steigenDie Fed zeigte sich besorgt, dass der Einbruch auf dem Immobilienmarkt auf andere Wirtschaftssektoren übergreifen könnte. Die Zinssenkung solle helfen, "nachteiligen Auswirkungen auf die weitere Wirtschaft zuvorzukommen, die andernfalls aus den Störungen auf den Finanzmärkten entstehen könnten". Ziel sei es, ein "moderates Wachstum" zu fördern. Die Aktienmärkte in New York gaben nach der Entscheidung ihre Gewinne zunächst ab, drehten dann aber wieder deutlich ins Plus.Trotz der Finanz- und Immobilienkrise ist die US-Wirtschaft im dritten Quartal kräftig gewachsen. Mit einem Plus von aufs Jahr gerechnet 3,9 Prozent überraschte der Zuwachs gestern Analysten, die im Durchschnitt mit lediglich 3,1 Prozent gerechnet hatten. Die US-Wirtschaft ist damit so stark expandiert wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Vor allem die privaten Verbraucher waren eine Stütze der Konjunktur. Sie legten innerhalb des Quartals um drei Prozent zu nach 1,3 Prozent im Vorquartal. Die Exporte stiegen aufs Jahr gerechnet sogar um 16,2 Prozent an. Auch die Investitionen in Ausrüstung und Software (plus 5,9 Prozent) und die Staatsausgaben (plus 3,7) trugen zum Aufschwung bei. Damit zeigte sich die US-Konjunktur weitgehend unbeeindruckt von der Krise am Immobilienmarkt. Die Wohnungsbauinvestitionen gingen zuletzt drastisch um 20,1 Prozent zurück.Welchen geldpolitischen Kurs die Notenbanker der Euro-Zone nach der US-Zinssenkung verfolgen werden, ist offen. Bereits angekündigte Zinserhöhungen hatte die Europäische Zentralbank (EZB) wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht vollzogen. Allerdings hat die Inflation in der Eurozone im Oktober mit 2,6 Prozent den höchsten Stand seit zwei Jahren erreicht. Die Inflation liegt damit klar über der von der EZB als Preisstabilität definierten Marke von knapp zwei Prozent, normalerweise ein Zeichen für eine baldige Zinserhöhung im gemeinsamen Währungsraum. Dennoch rechnen Beobachter damit, dass die EZB den Leitzins bei ihrer nächsten Sitzung unverändert bei vier Prozent belassen wird. Der EZB-Rat trifft sich in der nächsten Woche, um über das Zinsniveau zu beraten. Bundesbank-Präsident Axel Weber hat bereits wiederholt vor einem kräftigen Anstieg der Inflation in den kommenden Monaten gewarnt.------------------------------Schwacher Dollar, starker EuroHöchststand: Nach der Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) hat der Euro die 1,45-Dollar-Marke zwischenzeitlich kurz übersprungen. Mit 1,4505 Dollar notierte die Gemeinschaftswährung so hoch wie noch nie zuvor seit ihrer Einführung an den Finanzmärkten 1999. Wie in den Tagen zuvor begründeten Händler die Rekordjagd mit der Aussicht auf weiter sinkende Zinsen in den USA, was Geldanlagen in US-Dollar wenig attraktiv macht, dafür umso mehr solche in Euro.------------------------------Grafik: Leitzins-Entwicklung im Vergleich------------------------------Foto: Fifth Avenue in New York: Die US-Konsumenten kaufen kräftig ein und stützen damit die Konjunktur.
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