Fenerbahce Istanbul fällt mit spektakulären Transfers auf und träumt von europäischen Triumphen

Orientalische Fantasien

Christian Henkel
3 Min

BERLIN. Ein süßer Übergang in die Fußballrente, es hätte natürlich auch Katar oder Abu Dhabi sein können - unkte man jedenfalls und gönnte Roberto Carlos das schöne Wetter und die Millionen, als Real Madrids ewiger Linksverteidiger vor einem Jahr erklärte, er wolle unbedingt in die türkische Süper Lig wechseln. Dass der Brasilianer, wie er selber sagte, in einer aufstrebenden Liga noch mal angreifen wolle, daran glaubte wirklich keiner. Doch mittlerweile vergeht fast keine Woche, in der nicht einer der Istanbuler Großvereine einen spektakulären Transfer vermeldet. Spaniens Torschützenkönig Daniel Güiza von Real Mallorca wechselte ebenso wie sein Europameistertrainer Luis Aragonés und Emre Belözuglu zu Fenerbahce. Der Australier Harry Kewell, Fernando Meira und Michael Skibbe gingen zu Galatasaray. Als Höhepunkt hat Fenerbahce Istanbul dem FC Barcelona nun 20 Millionen Euro für den in Ungnade gefallenen Samuel Eto'o offeriert.Die NeureichenEs scheint fast so, als hätten Hamit Altintop und Nationaltrainer Fatih Terim Recht behalten mit ihrer Prognose, die Erfolge der türkischen Nationalelf würden auch die Süper Lig aufwerten. Und Süper Lig bedeutet am Bosporus natürlich immer Besiktas, Galatasaray und vor allem Fenerbahce. "Le nouveau riche" - die Neureichen, so hatte das französische Fußballjournal Onze Fenerbahce genannt und dem Lieblingsverein der Türken im Frühjahr einen mehrseitigen Report gewidmet. Darin zu lesen ein paar bemerkenswerte Worte von Fenerbahces Präsidenten Aziz Yildirim: "Die nächsten zehn Jahre werden uns gehören", hatte er nach dem überraschenden Einzug ins Viertelfinale der Champions League getönt und gleich noch den Marschbefehl für die nächste Dekade formuliert: "Wir haben unser Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Bald werden wir auf einer Stufe mit dem AC Mailand und Real Madrid stehen." Ein bisschen orientalische Fantasie schwang da natürlich mit - und dennoch ist es unbestreitbar, dass sich auf der asiatischen Seite von Istanbul ein Wandel vollzogen hat, seit Yildirim vor zehn Jahren seinen Vorgänger Ali Sen beerbte. Yildirim entstammt einem der wichtigsten Clans am Bosporus, er hat seinen Reichtum geerbt, im Baugeschäft vermehrt und seit 1998 umgerechnet 250 Millionen Dollar in den Fenerbahce Spor Kulübü, so der volle Name des Klubs, gepumpt. Gemessen an der Infrastruktur ist Fenerbahce schon heute international wettbewerbsfähig. Yildirim errichtete ein modernes Trainingszentrum und baut seit Beginn seiner Amtszeit das Sükrü Saracoglu Stadion zu einer Fünf-Sterne-Arena aus. Im kommenden Jahr, wenn dort das Uefa-Cup-Endspiel stattfindet, wird er die Kapazität von 20 000 auf 52 500 Plätze erhöht haben. Mit dem Börsengang, der Gründung eines vereinseigenen Fernsehsenders und einem mittlerweile weltweit existierenden Merchandisingnetz hat Aziz Yildirim die beiden türkischen Hauptrivalen Galatasaray und Besiktas finanziell längst ins Abseits gestellt. Aufreizend lässig stellte der 56-jährige Multimilliardär fest: "Die türkische Liga interessiert uns nicht mehr, wir wollen Erfolge in Europa."Ganz so leicht wird es für den Ligakrösus allerdings nicht, die Meisterschaft zu diktieren, das bewies letztendlich auch der Titel von Erzrivale Galatasaray in der vergangenen Saison. Noch vor zwei Jahren drückten "Gala" 140 Millionen Euro Schulden, und die Spieler streikten, wegen 4,5 Millionen Euro ausstehender Gehaltszahlungen. Doch das scheint im sich erhitzenden Markt in der Türkei längst vergessen zu sein. "Wir wollen unseren Fans noch einiges bieten. Vielleicht holen wir nicht nur einen, sondern direkt zwei Stars nach Istanbul", sagte Galatasaray-Präsident Adnan Polat nach der Verpflichtung von Harry Kewell vom FC Liverpool. Polat träumt dabei von Namen wie Javier Saviola und Julio Baptista von Real Madrid oder Hernan Crespo von Inter Mailand. Immerhin muss das zurückgetretene Vereinssymbol Hakan Sükür ersetzt werden. Das ist eine richtig schwere Aufgabe.------------------------------Foto: Ankunft in Istanbul: Europameister Daniel Güiza wird gefeiert.

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