Ukraine

„Fenster öffnet sich“: Deutschland wittert offenbar Chance für Verhandlungen mit Russland

Die von den USA vermittelten Gespräche zur Beendigung des Ukraine-Krieges stocken. Nun sehen Deutschland, Frankreich und Großbritannien eine Gelegenheit, sich stärker einzubringen.

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Russlands Präsident Wladimir Putin. Derzeit kommen die Verhandlungen über ein Ende des Krieges in der Ukraine nicht voran.

Russlands Präsident Wladimir Putin. Derzeit kommen die Verhandlungen über ein Ende des Krieges in der Ukraine nicht voran.

© Alexei Nikolsky/imago

In der Bundesregierung wird mit Verhandlungen zwischen Europa und Russland über ein Ende des Ukraine-Krieges in den kommenden Monaten gerechnet. „Langsam öffnet sich ein Fenster für Gespräche der europäischen Seite mit Russland“, hieß es nach Angaben mehrerer Medien aus deutschen Regierungskreisen. Angesichts der anhaltenden Kämpfe dürfte es allerdings „nicht Wochen, sondern Monate dauern“, bis Gespräche beginnen könnten.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch berichtete, sei das Format der möglichen Verhandlungen noch offen. Vieles spreche dafür, dass die sogenannte E3-Gruppe aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien eine wichtige Rolle spielen werde, zitierte die Agentur einen deutschen Regierungsvertreter. Wesentlich sei ein handlungsfähiges Format, das die Europäer als legitim ansehen.

Druck auf Moskau wächst

Hintergrund der europäischen Überlegungen ist nach Einschätzung der beteiligten Regierungen eine veränderte Lage auf dem Schlachtfeld und in der russischen Wirtschaft. Der Vormarsch russischer Truppen habe sich in diesem Jahr verlangsamt, berichtete Reuters. Die ukrainischen Streitkräfte erhöhten zugleich den Druck durch weitreichende Angriffe tief im russischen Hinterland, darunter am Mittwoch auf ein Öl-Terminal bei St. Petersburg.

Selenskyj sagte zuletzt dem US-Sender CBS News, Russland verliere seit Ende 2025 die Initiative auf dem Schlachtfeld und erleide höhere Verluste ohne entsprechende Geländegewinne; die verstärkten Raketen- und Drohnenangriffe auf ukrainische Städte seien eine Reaktion darauf.

Hinzu kommen nach Bloomberg-Informationen Anzeichen für interne Differenzen in Moskau: Hochrangige Vertreter des russischen Finanzministeriums und der Zentralbank hätten Putin gewarnt, die Ausgaben für den Krieg seien auf Dauer nicht zu finanzieren. Mit Verhandlungen vor dem Winter wollten die Europäer zudem verhindern, dass Russland erneut die Energieinfrastruktur der Ukraine massiv angreift, um die Moral der Bevölkerung zu schwächen.

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Abstimmung mit Washington und Kiew

Die Bundesregierung dringt dem Bericht zufolge auf eine enge Abstimmung mit der Ukraine sowie auf Koordination – nicht Konkurrenz – mit den Vereinigten Staaten. US-Außenminister Marco Rubio hatte zuletzt erklärt, andere könnten gerne versuchen, den Krieg zu beenden, wenn sie wollten. Washington konzentriert sich derzeit nach Reuters-Angaben stärker auf den Iran-Konflikt.

Bloomberg berichtete unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen, Vertreter der drei europäischen Staaten hätten zudem bereits mit ukrainischen Kollegen über mögliche Gespräche mit Moskau beraten. Premierminister Keir Starmer werde in den kommenden Tagen mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprechen. Eine endgültige Entscheidung über Verhandlungen liege jedoch beim ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Nach Angaben des Institute for the Study of War hat die Ukraine zuletzt mehr Gebiet zurückerobert als verloren. Kritiker innerhalb der E3-Staaten halten den Zeitpunkt für Gespräche laut Bloomberg dennoch für verfrüht, da Putin weiterhin Maximalforderungen stelle. Sie plädieren für schärfere Sanktionen und mehr Waffenlieferungen an Kiew.

Im Juni und Juli stehen mehrere Gipfeltreffen an, auf denen das Thema erneut zur Sprache kommen dürfte – darunter das G7-Treffen, ein EU-Gipfel sowie der Nato-Gipfel in der Türkei.

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