Ein schwarzer Ferrari F8 im Wert von über 280.000 Euro, eine Rolex, dazu 346.000 Euro Bargeld – und gleichzeitig Steuerschulden von mehr als 780.000 Euro. Diesen Widerspruch wollte die italienische Finanzpolizei nicht länger hinnehmen.
Am 1. Oktober 2026 wurde in der norditalienischen Provinz Verbano-Cusio-Ossola ein Ferrari beschlagnahmt – trotz oder gerade wegen der enormen Steuerschulden. Im Visier: ein Restaurantbesitzer und sein Bruder. Die Ermittler vermuten, dass Geld aus dem Betrieb verschoben und in Luxusgüter gesteckt wurde, während die Steuerforderungen offenblieben. Beweisen muss sich das aber erst noch – es gilt die Unschuldsvermutung, so das Portal La Prealpina.
Was die Finanzpolizei bei den Brüdern fand
Die Aktion lief unter dem Codenamen „Reset Tributo“. Vollstreckt wurde der Zugriff vom Provinzkommando der Guardia di Finanza von Verbano-Cusio-Ossola.
Sichergestellt wurden drei Dinge: der Ferrari F8 Coupé, eine Rolex Oyster und mehr als 346.000 Euro in bar. Den Gesamtwert beziffern die italienischen Behörden auf über 640.000 Euro.
Wichtig dabei: Es handelt sich um eine vorläufige, richterlich angeordnete Beschlagnahme – keine endgültige Einziehung und erst recht keine Verurteilung. Angeordnet hatte sie der Ermittlungsrichter am Gericht Verbania auf Antrag der Staatsanwaltschaft.
Der mutmaßliche Geldweg: vom Restaurant zum Luxusauto
Ausgelöst wurde alles durch unbezahlte Steuerbescheide. Gegen den Inhaber eines gastronomischen Einzelunternehmens standen nach Behördenangaben mehr als 780.000 Euro offen.
Der auffällige Gegensatz zwischen diesen Schulden und dem teuren Lebensstil brachte die Ermittlungen ins Rollen. Denn die Luxusfahrzeuge waren formal auf den Bruder zugelassen – obwohl dieser nur ein vergleichsweise geringes Arbeitseinkommen erklärte.
Zwischen 2021 und 2025 sollen mehr als 220.000 Euro durch Barabhebungen und Überweisungen ohne betrieblichen Grund aus dem Unternehmen abgeflossen sein. Davon sollen mehr als 100.000 Euro in bar auf das Konto des Bruders eingezahlt worden sein – von dort wurden laut Ermittlern die Raten für die Autos bezahlt.
Das Auto-Karussell: Ferrari gegen Ferrari
Besonders auffällig ist nach Darstellung der Ermittler der Umgang mit den Fahrzeugen. Im April 2026 sollen die Brüder einen Ferrari 458 und einen BMW M2 verkauft haben.
An deren Stelle kam dann der neue Ferrari F8 Coupé für über 280.000 Euro. Die Ermittler sehen darin ein System, das es dem Fiskus erschweren sollte, auf die Werte zuzugreifen.
Der Bruder spielte dabei nach Behördenangaben keine Nebenrolle. Er war nicht nur Angestellter, sondern fungierte rechtlich als „institore“ – also als Prokurist mit weitreichenden Vertretungsvollmachten.
Warum der Staat überhaupt zugreifen darf
Den Brüdern werden nach italienischem Recht zwei Dinge vorgeworfen: die betrügerische Vereitelung von Steuerzahlungen (Art. 11 D.Lgs. 74/2000) und Geldwäsche zum eigenen Nutzen, auf Italienisch „autoriciclaggio“.
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Hinter dem sperrigen Begriff Selbstgeldwäsche steckt der Verdacht, dass mutmaßlich rechtswidrig behaltenes Geld in Wirtschaftsgüter gesteckt wurde, um seine Herkunft zu verschleiern – etwa in einen Ferrari.
Der Vorwurf lautet also gerade nicht schlicht „Steuerhinterziehung“. Es geht um das mutmaßliche Beiseiteschaffen von Vermögen, um bestehende Steuerforderungen ins Leere laufen zu lassen.
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