Kriminalität

Festnahme in Miami: Britische Justiz erhebt neue Vorwürfe gegen die Tate-Brüder

Die Vorwürfe reichen von Vergewaltigung bis Menschenhandel: Die Staatsanwaltschaft beantragt die Auslieferung der Influencer-Brüder aus den USA.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Andrew (links) und Tristan Tate sind in Miami festgenommen worden, Großbritannien beantragt ihre Auslieferung.

Andrew (links) und Tristan Tate sind in Miami festgenommen worden, Großbritannien beantragt ihre Auslieferung.

© Vadim Ghirda/AP

Die zuständige US-Bundespolizei US-Marshals Service hat die Brüder Andrew und Tristan Tate am Samstag in Miami festgenommen. Das bestätigte ein Sprecher der Behörde gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Die britische Staatsanwaltschaft (CPS) hat die Auslieferung der beiden Männer nach Großbritannien beantragt. Grundlage seien die bereits bestehenden 21 Anklagepunkte sowie 38 neu erhobene Vorwürfe. Wie Malcolm McHaffie, Leiter der Abteilung für Sonderdelikte der CPS, erklärte, beruhen die neuen Anklagen auf einer weiteren Beweisakte der Polizei von Bedfordshire.

Nach Angaben der CPS soll der 39-jährige Andrew Tate unter anderem in sieben weiteren Fällen der Vergewaltigung, in drei Fällen der Organisation oder Erleichterung von Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung sowie in drei Fällen der Körperverletzung angeklagt werden. Hinzu kommen 19 Anklagepunkte im Zusammenhang mit kinderpornografischen Darstellungen und extremer Pornografie.

Gegen den 38-jährigen Tristan Tate erhebt die Behörde einen Vorwurf des sexuellen Übergriffs, zwei Vorwürfe der Vergewaltigung und drei Vorwürfe der Organisation oder Erleichterung von Menschenhandel. Die Taten sollen sich zwischen Juli 2010 und August 2017 ereignet haben.

Sieben mutmaßliche Opfer

Die Brüder besitzen die britische und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und weisen sämtliche Vorwürfe zurück. In Rumänien läuft parallel ein Strafverfahren gegen sie unter anderem wegen Menschenhandels, Vergewaltigung und Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Dort waren sie im Dezember 2022 festgenommen worden und bis Ende März 2023 in Untersuchungshaft geblieben. Anschließend kamen sie in Hausarrest. Nach Angaben der britischen Zeitung The Times verhinderte das laufende Verfahren in Rumänien bislang eine Auslieferung nach Großbritannien.

In den USA sehen sich die Brüder zudem einer Zivilklage einer Frau gegenüber, die angibt, sie hätten sie zur Sexarbeit gezwungen und sie anschließend diffamiert, nachdem sie vor den rumänischen Behörden ausgesagt hatte. Auch diese Vorwürfe weisen die beiden zurück.

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Webcam-Studio und Online-Kurse

Andrew Tate verdiente sein Vermögen nach eigenen Angaben unter anderem mit einem Webcam-Geschäft in Rumänien, in dem Frauen kostenpflichtige Videochats mit Männern führten. Ab 2021 vertrieb er zudem das kostenpflichtige Online-Kursprogramm „Hustlers University“, später umbenannt in „The Real World“.

Gegen eine monatliche Gebühr von rund 49 US-Dollar wurden dort Kurse zu Themen wie Kryptowährungen, Onlinehandel und Werbetexten angeboten. Über ein Provisionsmodell warben Mitglieder mit Kurzvideos in sozialen Netzwerken neue Abonnenten. Das trug nach Recherchen der BBC und weiterer Medien maßgeblich zur viralen Verbreitung seiner Inhalte bei.

In Großbritannien entschied ein Gericht im Dezember 2024, dass die Polizei mehr als zwei Millionen Pfund von den Brüdern beschlagnahmen könne, da sie 21 Millionen Pfund an Einnahmen aus ihren Online-Geschäften nicht versteuert hätten. Andrew Tate bezeichnete das Urteil als „nicht gerecht“ und sprach von einem „koordinierten Angriff“.

Politische Vorgeschichte in Florida

Die Brüder waren im Februar 2025 nach Florida gereist, nachdem rumänische Behörden Ausreisebeschränkungen aufgehoben hatten. Berichten zufolge hatte die US-Regierung unter Präsident Donald Trump auf Bukarest eingewirkt. Floridas Gouverneur Ron DeSantis erklärte damals bei einer Pressekonferenz, er habe von der Ankunft der Brüder aus den Medien erfahren.

Nach Angaben der rumänischen Staatsanwaltschaft war das Verfahren gegen die Brüder auch nach ihrer Ausreise nicht eingestellt worden. Sie stünden weiterhin unter „gerichtlicher Kontrolle“ und müssten sich regelmäßig bei den Behörden melden. Im März 2025 waren die Tates nach eigener Darstellung in einem Privatjet nach Rumänien zurückgeflogen, um dort vor einem Gericht zu erscheinen.

Der Anwalt Matthew Jury, der in Großbritannien vier mutmaßliche Opfer in einem Zivilverfahren vertritt, hatte kritisiert, dass die britischen Behörden die Auslieferung bislang nicht vorangetrieben hätten. Nach der Festnahme in Miami muss nun zunächst ein US-Bundesgericht prüfen, ob die Brüder ausgeliefert werden können. Die endgültige Entscheidung trifft der US-Außenminister.

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