CHARLOTTENBURG. Erst lag er auf dem Tieflader, dann stand er fast, dann lag er wieder. Schließlich stand er doch noch. Auch in diesem Jahr lief das Aufstellen des Weihnachtsbaumes auf dem Breitscheidplatz nicht ohne Panne ab. Die Fichte aus dem bayerischen Bad Tölz war mit ihren sechs Tonnen Gewicht und 22 Metern Länge zu schwer für den Kran, den der Berliner Schaustellerverband bestellt hatte. Zuvor war der Tieflader schon bei der Anfahrt an einer Brücke am Bahnhof Zoo hängengeblieben. Einige Äste knickten ab.Eigentlich hatte aber alles so gut angefangen. Gestern Vormittag fuhr der Transporter mit großem Schild "Für die Berliner wachsen in Bad Tölz die Bäume in den Himmel" am Kurfürstendamm vor. Der Kran hob die 70 Jahre alte Fichte in die Höhe und bewegte sie zum Standort an der Gedächtniskirche. Doch kurz bevor der Baum sein Ziel erreichte, war Schluss. Der Überlastschalter des Krans zeigte an, dass der Baum keinen Meter mehr bewegt werden darf, sonst wäre der Kran umgekippt. Also musste die Fichte wieder auf den Laster zurück, und ein neuer, größerer Kran her. Es dauerte schließlich bis zum Nachmittag, bis der Weihnachtsbaum endlich stand. Er ist ein prächtiges Exemplar - die Fichte konnte im bayerischen Wald als einzeln stehender Baum gut wachsen.Wie aber konnte es zu der Kran-Panne kommen? Der Bad Tölzer Kurdirektor Klaus Pelikan weist jede Schuld von sich. Er habe den Schaustellerverband über die sechs Tonnen Gewicht informiert. "Wir sind davon ausgegangen, dass der Kran in Berlin jedes Gewicht befördern kann", so Pelikan. Der Schaustellerverband wiederum will die sechs Tonnen an das Transport-Unternehmen Lex weitergeleitet haben. Ralf Matzke von Lex versichert hingegen, dass dies nicht vom Schaustellverband kommuniziert worden sei. "Es hieß, das Gewicht ist wie jedes Jahr", so Matzke. Und das wären um die vier Tonnen gewesen. Offensichtlich gab es also ein Kommunikationsproblem.Mit dem Kult-Weihnachtsbaum an der Gedächtniskirche gibt es immer wieder Probleme: Mehrfach hatten Bäume abgebrochene Äste oder sahen einfach nur kläglich aus. Von den Berlinern wurden sie als "Hungerharke" oder "Krüppelfichte" verspottet, meist landeten sie als Elefantenfutter im Zoo.Gestern um 16 Uhr stand endlich der Weihnachtsbaum am richtigen Ort. Und die Berliner waren froh: "Ein schöner, voller Baum", sagte Margareta Wenzel aus Spandau. Sie kann sich jetzt auf die Dekorationen an dem Weihnachtsbaum neben der Gedächtniskirche freuen. Und darauf, dass Abgeordnetenhaus-Präsident Walter Momper und Pfarrer Martin Germer am 26. November um 11.45 Uhr die Lichter am Baum anknipsen.------------------------------Foto: Im zweiten Anlauf kam der Weihnachtsbaum doch noch an seinen Standort neben der Gedächtniskirche. Beim Transport waren einige Äste abgeknickt.
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