Presseschau

„Gedemütigt“, „gescheitert“, „totale Niederlage“: Weltpresse zerlegt Infantino

Nach der Boykottdrohung zieht der Fifa-Präsident seinen Investorenplan zurück. Internationale Medien sehen einen schweren Autoritätsverlust und stellen bereits seine Zukunft infrage.

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FIFA-Präsident Gianni Infantino ist eingeknickt und hat den Investorenplan gestoppt.

FIFA-Präsident Gianni Infantino ist eingeknickt und hat den Investorenplan gestoppt.

© Bradley Collyer/dpa

Nur wenige Tage nach der Vorstellung seines Investorenplans ist Gianni Infantino zum Rückzug gezwungen. Die Drohung aller 55 europäischen Verbände, Fifa-Turniere zu boykottieren, der Widerstand aus Asien und Nordamerika sowie eine offene Revolte in der Führung des Weltverbandes brachten das Vorhaben zu Fall. In der internationalen Presse ist von einer Demütigung, einer „totalen Niederlage“ und einem „globalen Rückschlag“ die Rede.

Besonders hart fällt das Urteil in England aus. Der Guardian schreibt, Infantinos Vorhaben, Anteile am Geschäft mit den Weltmeisterschaften an private Investoren zu verkaufen, sei „sensationell gescheitert“. Der Fifa-Präsident habe erst nach weltweitem Widerstand eingeräumt, dass sein Projekt den Fußball gespalten habe.

Die Daily Mail spricht von einer „demütigenden Niederlage“. Infantino habe den Stecker ziehen müssen, nachdem die Uefa, die Concacaf, die asiatische AFC und schließlich auch führende Mitarbeiter der Fifa gegen ihn aufbegehrt hätten.

„Ernsthafte Zweifel“ an Infantinos Zukunft bei der Fifa

Für die Times geht die Krise inzwischen weit über den gescheiterten Investorenplan hinaus. Die Revolte innerhalb der Fifa lasse „ernsthafte Zweifel“ daran aufkommen, ob Infantino Präsident des Weltverbandes bleiben könne. Die Zeitung verweist auf den Rücktritt seines leitenden Beraters Carlos Cordeiro und die scharfe Kritik des Fifa-Geschäftsführers Kevin Lamour.

Der Telegraph sieht Infantinos Rückzug als direkte Folge des breiten Widerstands und des Aufruhrs innerhalb des Verbandes. Die Sun schreibt, die Boykottdrohung der Uefa habe den Investorenplan auch wirtschaftlich unhaltbar gemacht. Für mögliche Geldgeber sei das Projekt zu einem „Marken-Albtraum“ geworden.

Der Rückzug kam nur wenige Stunden, nachdem die Fifa noch öffentlich an dem Vorhaben festgehalten hatte. Am Freitag erklärte der Verband, niemand wolle „den Fußball verkaufen“. In der Nacht zu Samstag gab Infantino den Plan auf. Das Projekt habe Spaltungen verursacht, die dem ursprünglichen Ziel nicht mehr dienten, erklärte er.

Marca sieht „totale Niederlage“ für Infantino

Auch die spanische Sportpresse spart nicht mit deutlichen Worten. Die Marca spricht von einer „totalen Niederlage für Infantino“. Der Druck auf den Präsidenten sei nach dem Widerstand der Kontinentalverbände und aus seinem eigenen Führungskreis nicht mehr auszuhalten gewesen.

Die Zeitung AS wertet das Scheitern als „globalen Rückschlag“ für Infantino. Die Uefa habe den Widerstand angeführt, der Rücktritt Cordeiros habe den Präsidenten zusätzlich geschwächt. „Infantino hat den Kampf verloren“, lautet das Fazit. Auch die aktuelle Berichterstattung von AS beschreibt den Rückzug als verlorene Schlacht, die seine Führung infrage stelle.

El País geht noch weiter und stellt den Konflikt als Sieg des Fußballs über externe Geldgeber dar. „Der Fußball mit seinen Millionen von Fans hat gesiegt, die Fifa hat verloren“, schreibt die Zeitung. Der Investorenplan sei zumindest vorerst gescheitert.

Blick: „Infantino kuscht nach Aufstand“

In Infantinos Heimat fällt das Urteil ebenfalls vernichtend aus. Der Schweizer Blick titelt: „Infantino kuscht nach Aufstand.“ Der Rückzieher sei außergewöhnlich für einen Funktionär, der seine Vorhaben in den vergangenen Jahren meist ohne größeren Widerstand durchgesetzt habe.

Die französische Sportzeitung L’Équipe sieht den Fifa-Präsidenten so stark geschwächt wie nie zuvor seit seinem Amtsantritt im Jahr 2016. Sein Versuch, Teile des WM-Geschäfts für private Investoren zu öffnen, habe einen beispiellosen Widerstand ausgelöst. Die Boykottdrohung aus Europa habe die Führung des Weltfußballs destabilisiert.

Le Parisien schreibt, Infantino sei von der Kritik regelrecht eingekreist worden. Nicht nur der Inhalt des Plans, sondern auch dessen Vorbereitung ohne breite Abstimmung habe bei Verbänden und Funktionären für Empörung gesorgt.

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Gazzetta: „Die Vernunft hat gesiegt“

Erleichterung herrscht dagegen bei der italienischen Gazzetta dello Sport. „Schluss jetzt! Die Vernunft hat gesiegt“, schreibt die Zeitung. Infantino habe seinen Versuch einer „Privatisierung“ des internationalen Fußballs aufgegeben, nachdem er innerhalb weniger Stunden die halbe Fußballwelt gegen sich aufgebracht habe.

Der Corriere della Sera sieht die Boykottdrohung der Uefa und den Widerstand aus Asien und Nordamerika als Auslöser der Kehrtwende. Nur rund 72 Stunden nach dem Bekanntwerden des Vorhabens sei der Plan bereits wieder beerdigt worden.

Auch in Österreich wird Infantinos Entscheidung als Kapitulation gewertet. Die Krone spricht von einer „abrupten Kehrtwende“, oe24 schreibt knapp: „Infantino knickt ein.“

Die internationale Presseschau zeigt damit ein nahezu einheitliches Bild: Infantino hat zwar den Investorenplan gestoppt, die dadurch ausgelöste Führungskrise aber nicht beendet. Vor allem die Times und L’Équipe richten den Blick bereits auf die nächste Frage: Wie viel Autorität besitzt der Fifa-Präsident nach dieser Niederlage noch?

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