Fußball

Fifa reagiert auf WM-Eklat: Fall Balogun soll Regelwerk verändern

Nach der umstrittenen Aufhebung der Sperre von US-Profi Folarin Balogun reagiert die Fifa. Der Weltverband berät über eine Änderung im Disziplinarkodex.

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Sorgten für Diskussionen bei der Fußball-WM: US-Präsident Donald Trump (l.) und Fifa-Chef Gianni Infantino. Nach der Aufhebung der Sperre für Folarin Balogun beraten die Funktionäre nun über eine Regeländerung.

Sorgten für Diskussionen bei der Fußball-WM: US-Präsident Donald Trump (l.) und Fifa-Chef Gianni Infantino. Nach der Aufhebung der Sperre für Folarin Balogun beraten die Funktionäre nun über eine Regeländerung.

© Darren Fletcher/Imago

Ein Anruf von Donald Trump, eine überraschend aufgehobene Sperre und heftige Kritik aus Europa: Der Fall Folarin Balogun hat die Fifa bei der Fußball-WM in diesem Sommer in Erklärungsnot gebracht. Nun soll der Weltverband Konsequenzen ziehen. Wie The Athletic berichtet, will die Fifa mit einer Änderung ihres Disziplinarkodexes verhindern, dass automatische Ein-Spiel-Sperren künftig ausgesetzt werden können.

Ein entsprechender Vorschlag soll dem Fifa-Council bei seiner Sitzung in Zürich vorgelegt werden. Es wäre eine direkte Reaktion auf eine Entscheidung, die Fragen nach der Gleichbehandlung und der Verlässlichkeit der Regeln im internationalen Fußball aufgeworfen hatte. Beschlossen ist die Änderung bislang nicht.

Aufgehobene Sperre sorgt für viel Aufregung bei der WM

Der Fall hatte bei der Weltmeisterschaft für erhebliche Aufregung gesorgt. Balogun, Stürmer der US-Nationalmannschaft, sah im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) die Rote Karte. Damit hätte er im Achtelfinale gegen Belgien eigentlich automatisch gesperrt sein müssen. Die Fifa hob die Sperre jedoch überraschend auf, sodass der Angreifer trotz seines Platzverweises spielen durfte. Die USA verloren die Partie mit 1:4 und schieden aus.

Brisant war vor allem der zeitliche Zusammenhang mit einem Anruf des US-Präsidenten bei Fifa-Chef Gianni Infantino. Trump hatte sich in die Angelegenheit eingeschaltet. Der Schweizer bestritt allerdings, an der Entscheidung beteiligt gewesen zu sein. Nach Darstellung des Weltverbands hatte die formal unabhängige Disziplinarkommission über die Aufhebung der Sperre entschieden. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Anruf und der Entscheidung ist damit nicht belegt.

Die Uefa kritisierte die Entscheidung scharf. Der europäische Fußballverband bezeichnete die Aufhebung der Sperre als „unverständlich“ und als „Überschreitung einer roten Linie“. Die Kontroverse drehte sich damit nicht nur um einen einzelnen Spieler, sondern auch um die Frage, ob sportrechtliche Sanktionen nachvollziehbar und unabhängig von äußeren Einflüssen angewendet werden.

Der nun geplante Vorstoß könnte diese Möglichkeit künftig ausschließen. Automatische Sperren wären dann nicht mehr aussetzbar. Das würde die Vorhersehbarkeit der Spielberechtigung erhöhen und verhindern, dass vergleichbare Fälle unterschiedlich behandelt werden. Zugleich wirft der Vorgang Fragen zum Verfahren auf: Nach Informationen von The Athletic kritisierten nicht namentlich genannte Quellen aus dem Umfeld von Fifa-Ratsmitgliedern, dass der genaue Wortlaut des Vorschlags erst am Dienstagabend und damit weniger als 48 Stunden vor der Sitzung übermittelt worden sei.

Der Fall Balogun beschäftigt die Fifa weiter

Sie hätten darin einen Versuch gesehen, kurzfristig eine Regeländerung durchzusetzen und die Kontroverse um Baloguns Einsatz aufzuarbeiten. Aus ihrer Sicht seien die bisherigen Bestimmungen für die meisten Beteiligten klar gewesen. Erst die Entscheidung, die Sperre im konkreten Fall auszusetzen, habe eine Feinabstimmung erforderlich gemacht.

Ob der Fifa-Council den Vorschlag annimmt und wie eine mögliche Änderung konkret formuliert wird, bleibt abzuwarten. Der Fall Balogun dürfte den Weltverband jedoch weiter beschäftigen: Denn mit einer neuen Regel ließe sich zwar die Möglichkeit einer Ausnahme beseitigen. Die Fragen nach der Entstehung der damaligen Entscheidung und dem Umgang mit dem politischen Druck wären damit noch nicht beantwortet.

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