Was war das für ein Theater, als der weltweit größte Bulettenbrater McDonald's vor zwei Jahren in Kreuzberg einzog. Dass ein Großstadtgebiet mit knapp 150 000 Bewohnern bis dahin Fastfood-frei existieren konnte, galt vielen als typisch Kreuzberger Marotte. Eine Art Kulturkampf entbrannte: Während Mitglieder der FDP demonstrativ "Freie Burger für freie Bürger" propagierten und vor der Baustelle Gratis-Fleischklopse an Passanten verteilten, machte eine Bürgerinitiative lautstark gegen ungesunde Ernährung mobil. Unterstützt wurden die Protestler von den Grünen, für die McDonald's als Symbol des globalisierten Kapitalismus gilt. Doch seit der Eröffnung im Herbst 2007 ist es ruhig geworden an der Wrangelstraße. Der Fastfood-Laden gegenüber dem Oberstufenzentrum gilt als einer der gutbesuchten in der Stadt.Jetzt plant das Unternehmen seinen zweiten Kreuzberger Coup: Direkt am Checkpoint Charlie, gegenüber dem privaten Mauermuseum, soll eine Filiale mit 120 Plätzen entstehen. Wo sich auf etwa 600 Quadratmetern bis vor kurzem noch diverse Imbiss-Anbieter Raum und Miete teilten, soll es bald Burger und Pommes geben. "Wir haben uns für diesen Standort entschieden, weil er wegen der vielen Touristen eine Toplage ist", sagte gestern Unternehmenssprecherin Christiane Wörle in München.Eine Toplage für alle, die Geld verdienen wollen, ist die Gegend an der Friedrichstraße tatsächlich. Touristen aus aller Welt strömen zum einstigen Checkpoint Charlie. Der legendäre Grenzübergang der Amerikaner für Alliierte zählt zu den beliebtesten Berliner Sehenswürdigkeiten. Das dortige private Mauermuseum zeigt Fragmente der Teilung und erinnert an die Toten der Mauer. Den Touristen ist es egal, dass die Kontrollbaracke auf der Straße nur ein Nachbau ist, vor dem Alliierten-Darsteller gegen Geld für Fotos posieren. Sie stören sich auch wenig am Mauerkitsch, den es dort überall zu kaufen gibt. McDonald's passt zu diesem Ort, davon ist die Chefin des Mauermuseums Alexandra Hildebrandt überzeugt: "Der Checkpoint Charlie verkörpert Amerika ebenso wie McDonald's."Proteste gegen den neuen Fastfood-Anbieter sind in der Gegend kaum zu erwarten, heißt es. Anders als an der Wrangelstraße, die im traditionsbewusst renitenten SO 36 liegt, sei die Gegend der südlichen Friedrichstadt, wo der Checkpoint Charlie liegt, fast nur Touristenviertel, sagen viele. Einer, der sich vor zwei Jahren noch gegen die erste Filiale in Kreuzberg engagiert hat, sagte jetzt: "Für den normalen Kreuzberger ist da nichts, außer, dass er dort zum Jobcenter muss."------------------------------"Touristen essen gern, was sie kennen." Ch. Wörle, McDonald'sFoto: US-Fastfood statt Snack-Point Charlie: An der Friedrichstraße 207, direkt am Checkpoint Charlie, will der bekannteste Bulettenbrater der Welt seine Standard-Klopse anbieten. Eine Baugenehmigung gibt es zwar noch nicht, dafür aber bereits den Wunschtermin für die Eröffnung: Mitte 2010.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]