Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) hat nicht mehr viel Zeit, Käufer für die insolventen Hertie-Häuser in Berlin zu finden. Jetzt stehen die Termine fest, wann die drei Filialen geschlossen werden: "Hertie in der Turmstraße stellt am 8. August den Betrieb ein, die Häuser in Schöneberg und Tegel am 15. August", sagte gestern Janet Dumann von der Gewerkschaft Verdi auf Anfrage. Die rund 250 Mitarbeiter hätten ihre Kündigungen erhalten und müssten nun zur Arbeitsagentur. Abfindungen gebe es nicht.Senator Wolf hatte Anfang Juni angekündigt, bis Ende dieses Monats eine "Berliner Lösung für Hertie" und einen privaten Investor für die Filialen zu suchen. Auch Industrie- und Handelskammer sowie der Einzelhandelsverband des Landes wollten potenzielle Bewerber ansprechen. "Für den Standort in Tegel gibt es Interessenten, da das Haus dort immer schwarze Zahlen geschrieben hat", sagte der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, Nils Busch-Petersen. Schwerer werde es, einen Käufer für die anderen Filialen zu finden. Auch ein Verkauf einzelner Flächen sei denkbar, etwa an Betreiber von Einkaufszentren, sagte Busch-Petersen.Andere zahlen viel weniger"Wir werden in jedem Fall eine gewisse Zeit arbeitslos sein, auch wenn sich kurzfristig noch ein Investor findet", sagte der Betriebsratsvorsitzende Mario Ratajczak. Nach der Schließung würden die Mitarbeiter die Filialen noch eine Woche lang aufräumen. "Danach gibt es Arbeitslosengeld." Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei gedrückt, auch die Stammkunden würden das Aus für Hertie bedauern. "Die Kollegen, die jetzt in Urlaub gehen, wissen, dass sie nicht mehr wiederkommen. Viele brechen in Tränen aus." Auch der umliegende Einzelhandel werde gefährdet, wenn die Kaufhäuser schließen. Neue Jobs könnten die Beschäftigten durchaus finden, da Mitarbeiter in Warenhäusern sehr gut ausgebildet würden. "Nur sind die Löhne in vielen anderen Geschäften um bis zu 30 Prozent niedriger als der Tarif, der in Kaufhäusern bezahlt wird", sagte Ratajczak.Dass er selbst eine neue Stelle findet, bezweifelt der 40-Jährige: "Jeder Personalchef wird mich meiden wie der Teufel das Weihwasser. Ich war viele Jahre Betriebsrat. Das kann jeder Arbeitgeber googeln."Verhandlungen gescheitertAlle bundesweit 54 Hertie-Häuser müssen schließen, die meisten in den kommenden Tagen. Nachdem die Verhandlungen des Insolvenzverwalters mit einer Investorengruppe über die Übernahme aller Filialen gescheitert waren, hatte die Gläubigerversammlung am 20. Mai die Einstellung des Geschäftsbetriebs vorgeschlagen. Die Verhandlungen waren gescheitert, weil Dawnay Day, der Eigentümer der Mehrheit der Hertie-Immobilien, und die Investoren sich nicht über die Miethöhen einigen konnten.Auch die Zukunft der zehn insolventen Karstadt-Häuser in Berlin, zu denen auch das KaDeWe gehört, ist ungewiss. Der Mutterkonzern Arcandor hatte im Juni Insolvenz beantragt und will die 120 Filialen in Deutschland möglichst im Paket verkaufen. Der Handelskonzern Metro bereitet unterdessen ein Konzept zur Übernahme von 60 Karstadt-Häusern vor.Busch-Petersen schätzt, dass die Chancen, für die Berliner Karstadt-Häuser Käufer zu finden, besser sind als im Fall von Hertie. "Viele Karstadt-Filialen sind hervorragend für die Zukunft gewappnet", sagte der Hauptgeschäftsführer.------------------------------Foto: Ein Traditionshaus verschwindet: Hertie ist insolvent, 54 Kaufhäuser müssen schließen, auch die drei Berliner Filialen in Moabit, Schöneberg und Tegel müssen den Betrieb einstellen. Die rund 250 Mitarbeiter haben ihre Kündigungen erhalten. Abfindungen gibt es nicht.
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