Wenn am Sonntag und Montag bei Sat.1 Rosinenbomber über das Berlin von 1948 donnern, merken wohl nur Insider, dass Sequenzen des TV-Films "Die Luftbrücke" nicht an der Spree, sondern in Breslau gedreht wurden. Die polnische Stadt hat so interessante Motive zu bieten, dass Produzent Nico Hofmann auch gleich Teile seines neuen Projektes "Nicht alle waren Mörder" dort realisiert. Breslau bietet die Bilder, mit denen die Kindheit des Berliner Schauspielers Michael Degen gezeigt wird. Der Berlin-Boom, den die Filmbranche in den 90er-Jahren entfachte, ist vorbei.Osteuropa wird als Drehort beliebter, wenn das für deutsche Produzenten auch Ausnahmen bleiben werden. Um auch künftig in den Genuss der Filmförderung zu kommen, sind die nämlich auf Drehorte im eigenen Land angewiesen. Aber wie ist es im Ausland, zieht Berlin als Filmstadt dort noch?Nico Hofmann hat gerade in den USA seine "Luftbrücke" präsentiert und dort keine Berlin-Müdigkeit festgestellt: "Die Amerikaner finden Berlin-Themen superhipp." Der Sender HBO hat sich die Rechte gesichert. Dass dessen Verfilmung am Original-Schauplatz stattfinden wird, ist aber unwahrscheinlich. Wenn in den USA hart gerechnet wird, ziehen die Crews oft weiter nach Osten. "Da wird für Aufnahmen Berlin schon mal in Prag aufgebaut", sagt Hofmann. Und es gibt Länder, die noch billiger sind als Polen oder Tschechien. Bulgarien und Rumänien etwa. In Rumänien etwa wurde "Cold Mountain" gedreht - das Stück mit Jude Law und Nicole Kidman spielt in North Carolina. Die Rechnung ist einfach: Ein Taxifahrer in Bukarest, der Schauspieler zwischen Drehort und Hotel befördert, kostet ein Bruchteil der Summe seines Berliner Kollegen. Noch gravierender ist der Preisunterschied bei aufwändigen Kostümfilmen - schon wegen der billigen Komparsen zieht es US-Großproduzenten weit nach Osten. Gerade hat Roman Polanski "Oliver Twist" in den Prager Barrandov-Studios abgedreht.In den Studios in Berlin und Potsdam sieht man das mit Sorge. "Jetzt wird in Litauen gedreht, dann sind sicher Kasachstan und China dran", sagt Sytze van der Laan, Geschäftsführer vom Studio Hamburg, das in Berlin die Studios in Adlershof betreibt. "Mit solchen Billiglohnländern kann man nicht konkurrieren." Dabei ist jede ausländische Produktion, die in die Stadt geholt wird, ein Segen. Denn nicht nur für Studiomiete, Komparsen und Techniker wird hier Geld ausgegeben, Filmcrews konsumieren auch privat. Jackie Chan hatte sich während der Dreharbeiten zu "In 80 Tagen um die Welt" vor zwei Jahren mal eben ein Auto zugelegt.Osteuropa ist nicht nur wegen der Löhne attraktiv - Filmemacher erhalten dort auch einen Teil ihrer Kosten vom Staat zurück. "In Ungarn sind es 20 Prozent", sagt Produzentin Manuela Stehr von X-Filme, die für die Komödie "Alles auf Zucker" verantwortlich zeichnete.Derweil orientieren sich die hiesigen Studios auf Fernsehserien - und werben dennoch weiter in Übersee. Das ist schwierig, siehe Tom Cruise und die für Babelsberg geplante und schließlich geplatzte 3. Auflage von "Mission Impossible". Umso schwerer wiegen Deutschland-Drehs wie Jody Fosters "Flightplan". "Jeder international erfolgreiche Film, der hier gedreht wurde, vermittelt den Amerikanern: Hier gibt es exzellente Studios und hervorragend ausgebildete Mitarbeiter", sagt van der Laan, der Foster nach Berlin geholt hatte.------------------------------Foto: Gedreht in Berlin und Breslau: "Die Luftbrücke" mit Heino Ferch und Leo Natalis (am Steuer) zeigt ein Stück deutsche Geschichte.
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