Telekommunikation

Zugang zum westlichen Internet: Finnland kappt Verbindung nach Russland

Finnland unterbricht ab 2027 eine Glasfaserverbindung nach Russland. Netzbetreiber Fingrid verlängert den Mietvertrag nicht. Wie stark trifft das Russlands Draht ins westliche Internet?

3 Min
Ein Strommast von Fingrid. Ab 2027 legt der finnische Netzbetreiber mindestens eine Verbindung nach Russland still.

Ein Strommast von Fingrid. Ab 2027 legt der finnische Netzbetreiber mindestens eine Verbindung nach Russland still.

© Markku Ulander/imago

Finnland will eine Internetverbindung nach Russland stilllegen – und rührt damit an einer Leitung, über die bislang Berichten zufolge ein erheblicher Teil des russischen Datenverkehrs mit Europa lief. Der finnische Stromnetzbetreiber Fingrid will ab 2027 die Wartung von Strommasten einstellen, an denen Glasfaserkabel für die Datenübertragung befestigt sind. Das berichtete zuerst die russische Zeitung Kommersant.

Fingrid bestätigte der finnischen Zeitung Helsingin Sanomat, dass die Verbindung eingestellt wird. Für russische Verbraucher dürfte die Änderung nach bisherigen Einschätzungen kaum spürbar sein – für Russlands internationale Netzarchitektur könnte sie dennoch Folgen haben. Worum es konkret geht und wer betroffen ist.

Was Fingrid genau plant

Fingrid will einen auslaufenden Mietvertrag nicht verlängern. Über diesen Vertrag nutzt ein Telekommunikationsunternehmen ein Glasfaserkabel, das an finnisch-russischen Strommasten verläuft. Zum Jahreswechsel soll die Verbindung unterbrochen werden, so Kommersant. Nach Angaben einer Quelle der Zeitung ist geplant, „die Kabel abzutrennen und die Masten abzubauen“.

Der Grund ist wirtschaftlicher Natur: Seit Russland im Jahr 2022 seine Stromlieferungen nach Finnland einstellte, lohnt sich der Unterhalt der Masten allein für Telekommunikationszwecke laut einer Branchenquelle weder für Fingrid noch für den russischen Netzbetreiber Rosseti.

Wie wichtig ist die Leitung wirklich?

Hier gehen die Darstellungen auseinander. Nach Schätzung einer Branchenquelle von Kommersant werden seit 2022 rund 60 bis 70 Prozent des russischen internationalen Datenverkehrs über Finnland geleitet. Bis zu 30 Prozent aller Kommunikationsleitungen zwischen beiden Ländern verlaufen demnach entlang dieser Stromtrassen.

Fingrid selbst relativiert das gegenüber Helsingin Sanomat deutlich: Es handle sich um eine sehr kleine Leitung. Anders als Kommersant, das von mehreren Kabeln spricht, geht die Kommunikationsabteilung von Fingrid nur von einem einzigen Kabel aus. Die zuständigen Fachleute seien derzeit jedoch im Urlaub.

Rosseti erklärte gegenüber Kommersant, der eigene Abschnitt der 400-kV-Leitung zwischen den Umspannwerken Wyborgskaja und Yllikkälä/Kymi werde seit 2022 nur eingeschränkt betrieben und übertrage weder Strom noch technische Informationen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Welche Folgen drohen Russland?

Eine anonyme Branchenquelle sagte Kommersant, mit Auswirkungen auf den Datenverkehr russischer Nutzer rechne „derzeit niemand“. Auch Helsingin Sanomat zufolge dürfte die Änderung für Verbraucher keine nennenswerten Folgen haben. Russische Netzbetreiber verhandeln laut Kommersant bereits mit finnischen Telekommunikationsunternehmen über alternative Verbindungen.

Anton Prokopenko, Produktdirektor des Unternehmens Vigo, erklärte gegenüber Kommersant, die mögliche Stilllegung könne zwar die Qualität der Dienste im Nordwesten Russlands beeinträchtigen. Finnland sei aber nicht der einzige Transitkorridor. Verbindungen liefen auch über Belarus, die baltischen Staaten sowie über Unterseekabel in der Ostsee.

Dennoch bedeute die Stilllegung eine geringere Ausfallsicherheit. Sollten westliche und östliche Ausweichrouten nicht ausreichen, könnten laut Prokopenko höhere Verzögerungen und ein schlechterer Zugang zu ausländischen Internetdiensten die Folge sein – besonders im europäischen Teil Russlands.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner