Kürzlich haben wir für einen strikteren Dresscode im Büro plädiert, allgemeiner aber auch dafür, sich wieder etwas mehr Mühe mit dem eigenen Erscheinungsbild zu geben. Wie wäre es also mal wieder mit einem Hut? Raus aus der modischen Komfortzone?
Wenn jemand weiß, wie das funktioniert, dann wohl Fiona Bennett, auch bekannt als die „Königin der Hüte“. Seit 1992 entwirft sie für ihr gleichnamiges Berliner Label Kopfbedeckungen aller Art, von alltagstauglichen Modellen bis zu extravaganten Kreationen für Hochzeiten, Pferderennen und Trauerfeiern. Auch für Bühne und Film hat Bennett gearbeitet, etwa stattete sie die preisgekrönte TV-Serie „Babylon Berlin“ mit ihren Kreationen aus.
Fiona Bennett
Frau Bennett, wo kaufen Sie am liebsten ein?
Die Jagd nach besonderen Vintage-Stücken ist für mich kein bloßer Konsum, sondern eine Entdeckungsreise; es ist die Freude am Finden. Bei Möbeln suche ich nach originellen Stücken, gerne aus den 60er- und 70er-Jahren – Dinge mit Geschichte faszinieren mich, Perfektion ist zweitrangig.
Lebensmittel beziehe ich am liebsten regional auf dem Bauernmarkt auf dem Land. Das persönliche Gespräch mit den Erzeugern macht den Einkauf zu einem genussvollen, entschleunigten Erlebnis. In Berlin ergänze ich das durch die Vielfalt der Asia-Märkte oder ausgewählte Bioläden.
Wie würden Sie Ihren Einrichtungsstil beschreiben, und wo halten Sie sich am liebsten in Ihrem Zuhause auf?
Mein Stil ist minimalistisch, aber durchbrochen von opulenten Ecken und Details, die den Blick erfreuen. Da ich in der Natur lebe, brauche ich wenig Bilder; der Ausblick ist ein Gemälde. Als kreativer Kopf suche ich visuelle Ruhe, um dem Lärm der Welt entgegenzuwirken. Meine ehemaligen Hutsalons habe ich stets monochrom gehalten, um dem Objekt die Bühne zu überlassen – dieses Prinzip verfolge ich auch privat.
Gutes Licht ist dabei essenziell, besonders das warme, überall präsente Kerzenlicht. Am liebsten sitze ich in meinem Atelier oder abends auf meiner großen, curryfarbenen Samtcouch, um zu lesen und Entwürfe zu zeichnen. Zudem liebe ich meine zartrosa Wohnküche, in der ich gerne mit Freunden koche.
Welches Buch hat Sie in letzter Zeit bewegt? Welches haben Sie zuletzt angefangen und wieder weggelegt? Was liegt ganz oben auf dem Zu-lesen-Stapel?
Bewegt hat mich „Schön, dass du da warst“ von meiner Freundin Eva Sichelschmidt. Weggelegt habe ich hingegen Max Frischs „Fragebogen“; es war eine interessante Erfahrung, wie veraltet sich das Werk heute anfühlt. Die noch ungelesenen Bücher stapeln sich derzeit – ich bin immer auf der Suche nach neuem Lesestoff.
Welcher Film oder welche Serie hat Sie am meisten beeindruckt und warum?
Ich liebe die visuelle Präzision von Wes Anderson. Der letzte Film, der mich nachhaltig beeindruckt hat, war „Poor Things“ – eine visuelle Wucht, die lange nachwirkt. Leider war ich lange nicht mehr im Kino.
Wer ist Ihr Stilvorbild? Wonach gehen Sie beim Ankleiden morgens? Wie entscheiden Sie, was Sie kombinieren?
Ich habe kein direktes Stilvorbild. Mein Look ist klassisch, akzentuiert durch besondere Details. Ich kleide mich monochrom – mal in Schwarz oder Weiß, mal in Lachs, Rot oder Kobaltblau.
Der Hut oder eine Baskenmütze ist dabei immer das unverzichtbare Accessoire. Ich bevorzuge taillierte feminine Schnitte und entscheide je nach Stimmung, wobei ich stets auf eine klare Schnittführung achte.
Sie sind bei Freunden eingeladen. Was bringen Sie als besonderes Gastgeschenk mit?
Ich setze auf das Sinnliche: exotische Blumen, gute Tees oder auch hochwertige Pflegeprodukte wie ein entspannendes Bad oder ein Körperöl.
Was steht auf Ihrem eigenen Wunschzettel ganz oben?
Nach einem herausfordernden Jahr, in dem ich mich von meinem langjährigen Hutpalast in Berlin verabschiedet habe, steht nun die Erneuerung im Fokus.
Ganz oben auf meinem Wunschzettel steht eine Ayurveda-Kur zur Entgiftung. Beruflich blicke ich voller Inspiration nach vorn: Ich möchte neue Handwerkstechniken vertiefen, eine große Hut-Show konzipieren und mit einem mobilen Pop-up-Showatelier in anderen Städten präsent sein.
Was war Ihr letzter Fehlkauf?
Wunderschöne Vintage-Kitten-Heels von Marni, die leider etwas zu groß sind.
Welche Ausstellung haben Sie zuletzt gesehen? Welcher Künstler fasziniert Sie zurzeit?
Die Brancusi-Ausstellung in der Nationalgalerie hat mich tief beeindruckt; seine Reduktion auf die Form ist zeitlos. Zudem bin ich ein großer Fan von Erwin Wurm.
Haben Sie eine Lieblingsapp?
Ich nutze „PlantNet“. Seit ich auf dem Land lebe und mich von der Natur begeistern lasse, hilft mir das Tool, mir unbekannte Pflanzen zu identifizieren. Eine unendliche Quelle der Inspiration.
Ilona Hartmann: „Die besten Stilvorbilder sind für mich kleine Kinder und alte Damen“
Hanna Goldfisch: „Wahrscheinlich werde ich zurückblicken und mich fragen: Was hat mich da geritten?“
Was darf in Ihrer Beauty-Routine nicht fehlen?
Wimperntusche von Kess sowie die Rosencreme und die Reinigungsprodukte von Dr. Hauschka; und immer je nach Stimmung roter oder nudefarbener Lippenstift.
Welche Reise war Ihre schönste und warum?
Vor zwei Jahren war ich bei einer Artist Residency in Lamu, Kenia – ich liebe Orte, die ihre Ursprünglichkeit bewahrt haben. Demnächst reise ich wieder zum „Hat Contest“ nach Lamu.
Aktuell genieße ich die Zeit bei Freunden in der Bretagne. Am liebsten reise ich mit meiner Arbeit im Gepäck; die beste Art der Annäherung an einen Ort ist es, gemeinsam mit Einheimischen kreativ zu werden und voneinander zu lernen.
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