Sudan-Krieg

Luftfahrt-Dokumente sollen zeigen: US-Unternehmen fliegen für sudanesische Miliz

Firmen von Steven Shaulis betrieben laut einer Recherche mindestens drei Boeing-Maschinen auf Routen nach Somalia, Libyen und Sudan. Auftraggeber und Ladung sind unbekannt.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Von der RSF vertriebene Menschen aus El-Fasher in Al-Dabbah im Norden des Sudan

Von der RSF vertriebene Menschen aus El-Fasher in Al-Dabbah im Norden des Sudan

© Stringer/imago

Firmen des US-Amerikaners Steven Shaulis, eines langjährigen Empfängers von Aufträgen der US-Regierung und der Vereinten Nationen, sollen mindestens drei Boeing-Maschinen auf Strecken zu von der sudanesischen Miliz Rapid Support Forces (RSF) genutzten Logistikknoten betrieben haben. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

Die Maschinen seien mindestens 16 Mal auf Flughäfen im somalischen Bosaso, im ostlibyschen Kufrah und im sudanesischen Nyala gelandet – Orten, die westliche Ermittler als zentrale Logistikknoten der RSF einstufen.

Grundlage der Recherche

Nach Angaben von Reuters stützt sich die Recherche auf Firmen- und Luftfahrtregister, Verträge, Satellitenbilder, Flug- und Mobilfunkdaten sowie mehr als 40 Interviews. Wer die Flüge in Auftrag gab und welche Ladung an Bord war, konnte die Agentur nicht klären.

Shaulis und seine Unternehmen stehen bislang nicht auf Sanktionslisten, Behörden werfen ihnen kein Fehlverhalten vor. Die dargestellte Verbindung zwischen Shaulis und den Flügen ist bislang nicht unabhängig bestätigt.

Die RSF liefert sich seit April 2023 einen Krieg mit der sudanesischen Armee. Nach Schätzungen, die die Rechercheorganisation Lighthouse Reports zitiert, sind seither rund 400.000 Menschen getötet worden. Laut AP wurden zudem rund 13 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. UN-Experten, US-Abgeordnete und Menschenrechtsgruppen beschuldigen die Vereinigten Arabischen Emirate, die RSF zu unterstützen. Die Regierung in Abu Dhabi weist das zurück.

Netzwerk über Ostlibyen

Lighthouse Reports dokumentierte gemeinsam mit dem Rechercheverbund Evident und dem Medienprojekt Sudan War Monitor Nachschubwege der RSF über Ostlibyen. Recherchereisen und Interviews mit acht RSF-Deserteuren sowie Offizieren der ostlibyschen Streitkräfte (LNA) verwiesen auf bislang unbekannte Ausbildungs- und Umschlaglager im Grenzgebiet zu Sudan und Tschad.

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Ein Deserteur beschrieb ein Lager rund 20 Kilometer außerhalb von Bengasi, in dem Gruppen von bis zu 80 RSF-Kämpfern zeitgleich ausgebildet worden seien – nach seiner Darstellung durch LNA-Soldaten und kolumbianische Söldner.

Leutnant Enheish Fattah von der LNA-Brigade Subul Al Salaam wies gegenüber Lighthouse Reports jegliche Unterstützung der RSF zurück. Solche Berichte seien „Gerüchte“, die darauf abzielten, Konflikte zwischen der libyschen und der sudanesischen Armee zu stiften. In Kenias Hauptstadt Nairobi wies ein Sprecher der RSF die Vorwürfe ebenfalls zurück.

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