Hella Dubrowsky ist seit gut fünf Monaten Sammlerin. Etwa 30 Tickets haben ihr die Politessen schon hinter den Scheibenwischer geklemmt, weil sie ihren Firmenwagen auf der Chausseestraße in Mitte abgestellt hat, ohne dafür einen Parkschein zu lösen oder eine Vignette zu haben. "Im Juni habe ich die Firmenvignette beim Bezirksamt beantragt. Fünf Monate warte ich schon", sagt Hella Dubrowsky. Die zunächst genannte Bearbeitungszeit von bis zu drei Monaten "fand ich bereits eine Unverschämtheit. So unterstützt Berlin seine Wirtschaft", kritisiert sie. Später hieß es, man sei "überfordert".Stephan von Dassel (Grüne), der zuständige Stadtrat für das Bürgeramt in Mitte, versteht den Ärger der Unternehmerin nur zu gut. Denn es gibt bei der Bearbeitung dieser sogenannten Ausnahmegenehmigungen für Firmenautos nicht nur einige Extremfälle, sondern Tausende. "Ich habe mich noch nie so machtlos gefühlt. Seit einem halben Jahr gibt es das Chaos", sagt von Dassel. Die Bearbeitungszeiten liegen derzeit bei etwa drei bis fünf Monaten. Das Ausstellen der Vignetten für Anwohner erfolge aber reibungslos.Mehrere Dutzend Beschwerdebriefe von Firmen hat der Stadtrat selbst beantwortet und sich für die "inakzeptable lange Wartezeit" entschuldigt. Eine Besserung stellt er allerdings erst für Anfang 2010 in Aussicht. Denn seit dem 1. Mai - gut ein Jahr nach Einführung der Parkraumbewirtschaftung im Regierungsviertel, am Hauptbahnhof und in der Rosenthaler Vorstadt - sind in Mitte 3 000 neue Anträge von Firmen oder Angestellten eingegangen. Darunter 500 aus der Charité. Die Beschäftigten wollen sich eine Vignette ausstellen, verlängern oder umschreiben lassen. Erst ein Viertel der Anträge ist abgearbeitet. "Wir haben mit dem Ordnungsamt verabredet, bei den Kontrollen kulant zu sein", so von Dassel. Etwa wenn der Vignetten-Antrag auf dem Armaturenbrett liegt. Außerdem habe man sich bei der Bußgeldstelle dafür eingesetzt, dass ungerechtfertigte Bußgeldbescheide zurückgenommen werden.Von Dassel begründet die Wartezeiten auch damit, dass es für die Bearbeitung der Anträge nur zweieinhalb Stellen gibt. Zusätzlich wurden Mitarbeiter aus dem zentralen Stellenpool eingesetzt. "Wenn sie nach sechs Wochen eingearbeitet waren, wurden viele wieder auf feste Stellen vermittelt. Sie wissen, dass sie nur auf einer Durchgangsstation sind, ihre Arbeitsmoral ist nicht sehr hoch", sagt von Dassel.Hella Dubrowsky zahlt die Bußgeldbescheide längst nicht mehr. Das hat sie dem Polizeipräsidenten und dem Bezirk mitgeteilt. "Jetzt sollen die sich kümmern", sagt sie.
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