Fernverkehr

Flixtrain verdoppelt Flotte: Ab 2027 jede Stunde von Berlin nach Hamburg

Der Bahn-Konkurrent bringt modernisierte Wagen mit mehr Beinfreiheit auf die Schiene. Ab 2028 folgen 65 neue Schnellzüge mit Tempo 230, auch für Berlin- München.

5 Min
Andrang bei Flixtrain: Auf der Berliner Bahnmesse Innotrans war erstmals ein Wagen der neuen Fahrzeug-Generation zu sehen.

Andrang bei Flixtrain: Auf der Berliner Bahnmesse Innotrans war erstmals ein Wagen der neuen Fahrzeug-Generation zu sehen.

© John MacDougall/AFP

Flixtrain dreht auf. Der Bahn-Konkurrent hat damit begonnen, seine Flotte mit runderneuerten Wagen zu verdoppeln. Davon profitiert auch Berlin: Vom nächsten Jahr an soll jede Stunde ein quietschgrüner Zug nach Hamburg fahren. Ebenfalls in der Hauptstadt stellte Flixtrain den ersten Wagen der neuen Fahrzeuggeneration vor, die ab 2028 ins Rollen kommt – auch auf einer neuen Linie zwischen Berlin und München.

„In zehn Jahren wird Deutschland vergessen haben, wie Zug fahren einmal war“, sagte Flix-Konzernchef André Schwämmlein während der Bahnmesse Innotrans. „Wir haben eine große Kundenbasis und eine starke Marke aufgebaut. Jetzt kommen neue Fahrzeuge. Wir sind in der starken Position, europäische Bahngeschichte zu schreiben.“

„Vor 15 Jahren haben wir uns für unseren Kurs entschieden. Dann haben wir zehn Jahre geplant“, so Schwämmlein. Jetzt sei das Unternehmen bereit zu sagen: „Es wird viel passieren.“ Dafür gibt es derzeit keinen besseren Ort als die größte Fachmesse für den Schienenverkehr, die bis Freitag auf dem Messegelände Besucher- und Ausstellerrekorde erlebt.

Neu: Künftig gibt es im Flixtrain Snacks und Getränke

Der Flix-Konzernchef freute sich, dass die Besucher Schlange standen, um den ersten Wagen des Typs Flixtrain Star zu sehen. „Der Andrang ist riesengroß“, sagte er. Dank der Menschenschlangen (und seiner grünen Farbe) war das vom Hersteller Talgo im Baskenland produzierte Fahrzeug, das auf Gleis 2 des Außenbereichs stand, weithin zu sehen.

Es gab nicht nur positive Stimmen. „Flixtrain bleibt Flixtrain“, lautete ein Kommentar. Soll meinen: knallhart optimiert. Auch im neuen Zug hält sich die Beinfreiheit in Grenzen, und manch ein Gesäß hat sicher schon weichere Sitzflächen kennengelernt. Doch das viele helle Grün, zum Beispiel auf den Kopfstützen, wirkt fröhlich. Das Lichtkonzept ist okay, es gibt Platz für Gepäck – vor allem über den Sitzen.

Ein Blick in den neuen Flixtrain-Wagen auf der Innotrans. Der spanische Hersteller Talgo will dem privaten Fernzuganbieter 2028 die ersten Hochgeschwindigkeitszüge liefern.

Ein Blick in den neuen Flixtrain-Wagen auf der Innotrans. Der spanische Hersteller Talgo will dem privaten Fernzuganbieter 2028 die ersten Hochgeschwindigkeitszüge liefern.

© Matthias Arnold/dpa

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Immerhin: In den neuen Flixtrain-Zügen wird es wenn schon kein Bistro, dann wenigstens Verkaufsautomaten für Snacks und Getränke geben. Das kündigte Matthias Müller, Geschäftsführer des privaten Fernverkehrsanbieters, ebenfalls am Mittwoch auf der Innotrans an. „Flixtrain steht für bezahlbare Preise. Aber wir verstehen das Bedürfnis, dass sich Fahrgäste auch mal einen Kaffee oder einen Snack ziehen wollen.“

65 Hochgeschwindigkeitszüge, Tempo 230 schnell, hat Flixtrain bei Talgo in Spanien geordert. Ein Auftrag, der 2,4 Milliarden Euro wert ist. 2028 sollen die ersten neuen Fahrzeuge den Betrieb aufnehmen, bekräftigte Schwämmlein. „In der Bahnwelt ist das übermorgen.“

Flixtrain plane nicht mehr und nicht weniger als ein zweites Fernverkehrsnetz in Deutschland. „Eine neue Ära. Mit Hochgeschwindigkeitszügen, mit denen wir in puncto Reisezeiten mit dem ICE gleichziehen können. Mit Komfort, der sich sehen lassen kann“, so der Konzernchef. „Wir wollen, dass jeder Flixtrain fährt“ – auch jetzige Autofahrer. Die Latte ist ziemlich hoch gelegt.

Mehr Beinfreiheit - höherer Fahrpreis

Nicht ganz so gesprächig zeigte sich Schwämmlein, als es darum ging, wo Flixtrain künftig wie oft fahren wird. Nur so viel: Das mehrstufige Konzept ist seit Langem fertig: „Wir wissen genau, wo wir hin wollen. Auf die Minute. Doch wir wollen dazu noch nichts sagen. Wir werden den Fortschritt kommunizieren, wenn wir die Trassen bekommen.“

Klar sei: Flixtrain werde nicht nur alle Metropolregionen in Deutschland miteinander verbinden. „Wir werden der Struktur dieses Landes Rechnung tragen und auch Mittelstädte anfahren“, so Müller. Ob die neuen Züge auch Ziele im Ausland ansteuern werden, ließ das Flixtrain-Team offen. Die Fahrzeuge sind jedenfalls in fünf Ländern zugelassen.

Werden die Tickets teurer, wenn der Großteil der Flotte (künftig 80 Züge) aus neuen Fahrzeugen des Typs Star bestehen wird? „Auch mit Star werden wir immer die günstigsten Tickets anbieten“, so Schwämmlein. Allerdings seien neue Preisdifferenzierungen absehbar.  Was die Beinfreiheit anbelangt, werde es zwei verschiedenen Sitzabstände geben – mit unterschiedlichen Preisen, hieß es.

Weniger Kapazität zwischen Berlin und Hannover

Bis die neuen Züge kommen, erhöht Flixtrain das Komfortlevel. Nach und nach nimmt das Unternehmen modernisierte Wagen in Betrieb, die in ihrem ersten Leben als Intercitys in Betrieb waren. Das Unternehmen verspricht Beinfreiheit auf dem Niveau der erste Klasse der Deutschen Bahn – bei unveränderten Flixtrain-Preisen. Mit den 16 Comfort-Zügen wird die Flotte in knapp zwei Jahren doppelt so groß sein wie heute.

Der neue Flixtrain-Wagen von außen. 65 Züge wurden beim Bahnhersteller Talgo bestellt.

Der neue Flixtrain-Wagen von außen. 65 Züge wurden beim Bahnhersteller Talgo bestellt.

© Matthias Arnold/dpa

Davon wird auch Berlin profitieren, unterstreicht Matthias Müller. Im Laufe des kommenden Jahren wird der heutige Zweistundentakt zwischen Berlin und Hamburg von einem Stundentakt abgelöst. Auch andere Linien von und nach Berlin erhalten 2027 höhere  Frequenzen. Wie das im Einzelnen aussehen wird, verriet Flixtrain nicht.

Kein Geheimnis ist, dass die Sperrung der Schnellfahrstrecke von Berlin in Richtung Hannover vom 2. Oktober 2026 bis Mitte Dezember 2027 die Kapazitäten im Fernverkehr massiv verringert – auch für Flixtrain.

„Massive Mehrfachbelastungen“ bremsen Flixtrain aus

Reisende berichten zudem, dass es auch bei den grünen Zügen zum Teil enorme Verspätungen und zahlreiche Ausfälle gibt. Matthias Müller stritt das nicht ab. Wichtige Linien wie die Linie 10 zwischen Berlin, Stuttgart und Basel leiden unter „massiven Mehrfachbelastungen“ wie Baustellen und Störungen. Mit gravierenden Folgen.

Flixtrain konkurriert nicht nur mit der bundeseigenen Deutschen Bahn. Auch der private Zugbetreiber Italo will in den Fernverkehr einsteigen. Alle Unternehmen zusammen bilden das „Team Schiene“, sagte Schwämmlein. Alle Marktteilnehmer seien darauf interessiert und darauf angewiesen, dass der Bahnverkehr funktioniert.

Und so zeigte sich der Flixtrain-Chef ganz ohne Häme ehrlich davon angetan, dass seine jüngste Fahrt mit der DB drei Minuten vor Plan überpünktlich endete. „Habe mich echt gefreut“, sagt André Schwämmlein. Auch so etwas ist möglich auf deutschen Schienen.

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