FRANKFURT A. M. Das Vorgehen von Sondereinsatzkräften der Polizei gegen protestierende Insassen des Abschiebegefängnisses Ingelheim bei Mainz am Montagabend stößt auf Kritik von Flüchtlingsinitiativen. Nach Polizeiangaben wurden bei dem Einsatz drei Insassen leicht verletzt, zwei weitere mussten vorübergehend im Krankenhaus untersucht werden. Insgesamt hatten sich 22 Insassen verbarrikadiert. Anlass des Aufstandes war die versuchte Abschiebung eines 25-jährigen Marokkaners, der sich gegen den Abtransport zur Wehr setzte.Gegen die Protestierenden wird nun wegen Gefangenenmeuterei ermittelt. Zudem prüfen die Leitung der rheinland-pfälzischen Anstalt und die Aufsichts- und Dienstdirektion in Trier Konsequenzen aus dem Vorfall. Amnesty International äußerte gestern die Befürchtung, dass der Zugang zu Abschiebehäftlingen für Flüchtlingshelfer künftig erschwert werden könnte.Polizeiangaben zufolge demonstrierten gestern etwa 60 Menschen gegen das Vorgehen des Sondereinsatzkommandos. "Es ist ein Skandal, wie hier Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Das legitime Anliegen der Flüchtlinge gegen ihre Unterbringung und Abschiebung zu protestieren, wird brutal niedergeschlagen", kritisiert das "Bündnis gegen den Abschiebeknast Ingelheim". Heshmat Tavakoli, Sprecher von Attac Mainz, sagte der Frankfurter Rundschau, das Gefängnis sei unmenschlich. Mit vier Meter hohen Mauern und Stacheldraht sei es "schlimmer als ein Verbrechergefängnis".
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]