Flugverkehr

Flughafen BER: Ryanair zieht sich zurück – Easyjet baut aus

Während Ryanair am BER massiv Flüge streicht und Condor die Verbindung nach Dubai einstellt, setzt Easyjet auf Wachstum: mehr Flüge, größere Airbusse und ab 2027 neu Ljubljana und Rimini.

7 Min
Ein Airbus von Easyjet am Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Die Airline hat elf Flugzeuge am Hauptstadt-Airport stationiert.

Ein Airbus von Easyjet am Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Die Airline hat elf Flugzeuge am Hauptstadt-Airport stationiert.

© Fabian Sommer/dpa

Knapp einen Monat vor dem Beginn des Winterflugplans gibt es schlechte Nachrichten vom Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Ryanair kürzt das Angebot massiv. Zuletzt teilte Condor mit, künftig nicht mehr vom Hauptstadt-Airport nach Dubai zu fliegen. Im Vergleich dazu fällt Easyjet auf: Die Airline kündigte für den BER mehr Verbindungen, größere Flugzeuge sowie zwei neue Strecken an.

„Im Winterflugplan baut Easyjet das Angebot aus“, sagte Stephan Erler, der Deutschland-Chef des Unternehmens, der Berliner Zeitung. „Wir reagieren auf Wettbewerber, die den Markt verlassen oder in Berlin und anderswo Frequenzen herausnehmen.“

Der Sommerflugplan, der im Frühjahr 2027 beginnt, werde dem  Flughafen 14 zusätzliche Flüge pro Woche und mit Ljubljana sowie Rimini neue Ziele bescheren, hieß es. Das Wachstum könnte allerdings größer ausfallen, wenn die Kosten des Luftfahrtstandorts endlich spürbar sinken würden. Sie seien in Deutschland weiterhin zu hoch, mahnte Erler. „Die Situation ist für uns nicht auskömmlich“, sagte er.

Easyjet in Berlin: Das sind die Pläne der Fluggesellschaft

In Deutschland nimmt die britische Fluggesellschaft, die mit niedrigen Tarifen wirbt, Ende Oktober 2026 Nürnberg neu ins Routennetz auf. „Am BER werden wir zwar keine neuen Ziele ansteuern, aber die Frequenzen erhöhen“, teilte der Easyjet-Country-Manager mit.

„So werden wir Mailand-Malpensa, neben dem Stadtflughafen Linate, auch im Winterflugplan anbieten und häufiger vom BER auf die Kanarischen Inseln und zu unseren vier Zielen in Ägypten fliegen“, erklärte Erler, der aus dem ostthüringischen Gera stammt. Wo die Verkehrsrechte das nicht zulassen, bemühe sich Easyjet, größere Flugzeuge einzusetzen: statt den A320 den Airbus A321 mit mehr Sitzplätzen.

Im Sommerflugplan 2027 verbindet Easyjet den Flughafen BER erstmals und direkt mit Ljubljana und Rimini – als einzige Airline, wie das Unternehmen am Donnerstag meldete.

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Künftig seltener zu sehen: Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Ryanair startet vom BER. Die Low-Cost-Airline streicht ihr Angebot am Hauptstadtflughafen zusammen.

Künftig seltener zu sehen: Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Ryanair startet vom BER. Die Low-Cost-Airline streicht ihr Angebot am Hauptstadtflughafen zusammen.

© Patrick Pleul/dpa

„Ljubljana ist nicht nur die Hauptstadt von Slowenien, sondern auch Tor zu einer großen Urlaubsregion: mit Kärnten, der Adria, den Dolomiten“, sagte Erler. Mit Rimini an der Adria wachse das Easyjet-Netzwerk in Italien ab dem BER auf neun Destinationen: „Italien ist nicht nur als Urlaubsziel, sondern auch für den Incoming-Verkehr interessant. Viele Italiener fliegen mit Easyjet nach Berlin.“

Dagegen hat Ryanair mitgeteilt, die Berliner Basis zum 24. Oktober 2026 zu schließen und die sieben Flugzeuge in Länder mit niedrigeren Kosten zu verlagern. Gleichzeitig soll die Zahl der Flüge im Winterflugplan um 50 Prozent reduziert werden, hieß es im April. Damit protestiert die Airline gegen hohe Steuern und Gebühren. Im Vergleich zu anderen Flughäfen sei Berlin „zunehmend wettbewerbsunfähig“. Beobachter sagen, Ryanair wolle Deutschland „bestrafen“.

„Zuckerbrot und Peitsche funktioniert meist nur bedingt“

Stephan Erler äußerte sich nicht direkt zum Mitbewerber aus Dublin. Nur so viel: „Das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche funktioniert meist nur bedingt. Unsere Strategie ist eine andere: Easyjet will gemeinsam mit der Region Berlin und Brandenburg wachsen“, sagte er.

Die grundsätzliche Kritik am Luftverkehrsstandort Deutschland wird aber auch von Easyjet geteilt. Erler: „Wir haben allen Beteiligten auf Landes- und Bundesebene wie auch an den Flughäfen zu verstehen gegeben, dass die Kosten in Deutschland zu hoch sind. Wir sehen, dass vermehrt Fluggäste zu Flughäfen im Ausland abwandern, wo Kosten und Preise spürbar niedriger sind als in Deutschland.“

Die leichte Senkung der Luftverkehrsteuer im Juli 2026 könne nur der „erste Schritt“ sein, mahnte der Deutschland-Chef von Easyjet. „Die Bundesregierung darf nicht nachlassen, die Kosten für den Flugverkehr müssen weiter gesenkt werden. Das betrifft auch die Gebühren für die Fluggastkontrollen und die Flugsicherung.“

„Die Menschen wollen in den Urlaub fliegen“

Zur Easyjet-Basis am neuen Schönefelder Flughafen gehören elf Flugzeuge. „In den vergangenen Jahren stellen wir bei unseren Passagierzahlen am BER eine Seitwärtsbewegung fest, je nach Destination auch einen kleinen Anstieg. Wir hatten in diesem Sommer erstmals zwei A321 in Berlin stationiert. Wir sind also nicht mit mehr Flugzeugen gewachsen, aber mit größeren und effizienteren Maschinen“, so Erler.

So erklärt der Easyjet-Manager die Stagnation am Hauptstadt-Flughafen: „Es liegt nicht am Markt. Die Hauptstadtregion wächst. Der Flughafen BER ist besser auf der Schiene mit Ostdeutschland verbunden als früher der Flughafen Schönefeld. Die Nachfrage ist nach wie vor da. Die Menschen wollen in den Urlaub fliegen“, sagte er.

Stephan Erler ist seit 2019 Country-Manager für Deutschland und die Schweiz: „Wir reagieren auf Wettbewerber, die den Markt verlassen oder Frequenzen herausnehmen.“

Stephan Erler ist seit 2019 Country-Manager für Deutschland und die Schweiz: „Wir reagieren auf Wettbewerber, die den Markt verlassen oder Frequenzen herausnehmen.“

© imago/Future Image

Verändert habe sich etwas anderes: Die Kosten des Luftverkehrs seien viel höher als in den Zeiten, als Tegel und Schönefeld noch in Betrieb waren. Erler: „Höhere Kosten führen zu höheren Flugpreisen, und das dämpft die Nachfrage. Das ist kein BER-spezifisches Thema, das sehen wir im gesamten deutschen Markt. Im Ausland ist der Luftverkehr im Vergleich zu 2019 viel stärker gewachsen, in Deutschland ging er zurück.“

Die enorme Kraftstoff-Verteuerung verschärfe das Problem. „Im Januar und Februar 2026 kostete eine Tonne Kerosin rund 800 bis 900 US-Dollar. Inzwischen liegt der Preis bei rund 1600 Dollar“, berichtete Erler. „In einem geopolitischen Umfeld, wie wir es derzeit haben, ist es schwierig, noch mehr Wachstum in den Markt zu bringen. Zumal dann, wenn wie in Deutschland hohe Steuern und Abgaben hinzukommen.“

Nachtflug: Eine Mahnung für den neuen Senat in Berlin

Auch beim Thema Nachtflugbeschränkungen müssten sich die Verantwortlichen in Berlin und Brandenburg bewegen, forderte Erler. Immer wieder kommt es vor, dass verspäteten Maschinen schon kurz nach Beginn des Nachtflugverbots die Landung am BER verweigert wird. Auch Easyjet-Maschinen seien betroffen, bestätigte die Airline.

Erler: „Der Punkt ist: Wie wird das Nachtflugverbot ausgelegt? Wir planen immer genug Puffer ein, meist eine Stunde bis anderthalb Stunden. Hinzu kommt zusätzlicher zeitlicher Spielraum für die Crew-Wechsel und an den Destinationen. Aber es wird immer wieder Tage mit Wetterereignissen und Störungen geben, an denen die Puffer nicht reichen. Dann brauchen wir mehr Flexibilität, als uns in den vergangenen Monaten eingeräumt wurde.“

Easyjet habe am BER nicht nur Flugzeuge stationiert. Die Airline unterhält dort auch eine große Wartungsstation mit mehr als hundert Arbeitsplätzen für hoch qualifizierte Fachkräfte. Jeden Abend sei eingetaktet, dass dort Flugzeuge stehen und gewartet werden: „Damit das funktioniert, müssen wir unsere Umlaufpläne einhalten.“

Easyjet warnt: Längeres Nachtflugverbot würde schaden

Es gehe nicht darum, am BER nachts um ein oder zwei Uhr regulär zu starten und zu landen, erklärte der Easyjet-Manager im Gespräch weiter. „Doch wir wünschen uns, dass die Verantwortlichen die jetzigen Nachtflugbeschränkungen mit mehr Augenmaß anwenden. Der BER ist nun einmal der Hauptstadt-Flughafen.“

Für diejenigen, die nach der Berlin-Wahl im Senat und in der Verwaltung für den Luftverkehr zuständig sein werden, hat Stephan Erler eine klare Botschaft. „Die Betriebszeiten, so wie sie derzeit gelten, dürfen auch unter einer neuen politischen Konstellation nicht verändert werden“, verlangte er. „Ein längeres Nachtflugverbot würde nicht nur dem BER, sondern der gesamten Region Berlin-Brandenburg erheblich schaden.“

An ihren Streifen zu erkennen: Zwei Condor-Flugzeuge in Frankfurt am Main. Die Airline wird im Winterflugplan 2026/27 nicht mehr von Berlin und Stuttgart nach Dubai fliegen.

An ihren Streifen zu erkennen: Zwei Condor-Flugzeuge in Frankfurt am Main. Die Airline wird im Winterflugplan 2026/27 nicht mehr von Berlin und Stuttgart nach Dubai fliegen.

© Sven Severing/imago

Während Easyjet neue Routen ankündigt, nimmt die Fluggesellschaft Condor ihre täglichen Verbindungen von Berlin und Stuttgart nach Dubai zum Winterflugplan aus dem Programm.

„Die Entscheidung erfolgt vor dem Hintergrund der weiterhin herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Luftverkehrsbranche weltweit“, erklärte das Unternehmen. „Condor steht für offenen Wettbewerb und internationale Konnektivität. Diese brauchen jedoch faire und vergleichbare Rahmenbedingungen.“

Wegen Emirates: Condor fliegt nicht mehr Berlin–Dubai

Die weiterhin hohen staatlichen Standortkosten in Deutschland belasten insbesondere heimische Airlines erheblich, hieß es. „Vor diesem Hintergrund sollte eine Ausweitung von Verkehrsrechten nur unter Berücksichtigung der Gegenseitigkeit, der Wettbewerbsneutralität sowie der Auswirkungen auf deutsche Airlines und die Wertschöpfung am Standort erfolgen“, hieß es.

Damit bezieht sich Condor auf die Entscheidung der Bundesregierung, den Vereinigten Arabischen Emiraten Starts und Landungen an einem weiteren Flughafen in Deutschland zu erlauben. Emirates bereitet sich darauf vor, voraussichtlich ab Dezember 2026 von Dubai auch den BER anzusteuern – als fünften Airport hierzulande.

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