Ein Todesfall in Frankfurt am Main sorgt derzeit für Aufsehen. Im Stadtteil Schwanheim starb eine mit dem Malaria-Erreger infizierte Person. Der Stadtteil befindet sich etwa fünf Kilometer vom Flughafen der Mainmetropole entfernt. Bereits im Sommer hatten sich sechs Mitarbeiter des Airports infiziert. Dann erkrankten zwei Bewohner Schwanheims.
Wie das Gesundheitsamt Frankfurt am Main mitteilte, wurde der Erreger Plasmodium falciparum nachgewiesen. Die Behörde geht von sogenannter Flughafen-Malaria aus.
Die sechs infizierten Flughafenmitarbeiter erkrankten nach Angaben des Gesundheitsamtes seit Anfang Juli an Malaria tropica, der gefährlichsten Verlaufsform. Zwei von ihnen starben – der erste bereits Anfang Juli, wobei die Todesursache erst nach dem Tod festgestellt wurde. Der zweite erlag im August den Folgen der Infektion.
Flughafen-Malaria: So infizieren sich Betroffene
Flughafen-Malaria bezeichnet eine Infektion außerhalb der Verbreitungsgebiete des Erregers. Eine mit Plasmodien infizierte Anopheles-Mücke reist im Frachtraum, in der Kabine oder im Gepäck einer Maschine aus einem Endemiegebiet mit, überlebt die Landung und sticht anschließend auf dem Flughafengelände oder in dessen Umgebung zu.
Von Mensch zu Mensch ist Malaria nicht übertragbar. Nach Angaben des Frankfurter Gesundheitsamtes können Anopheles-Mücken fünf bis zehn Kilometer weit fliegen.
Schwierig bei dieser Infektionsvariante ist die Diagnose. Weil die Erkrankten nicht in Risikogebieten waren, denkt kaum jemand an eine Tropenkrankheit; die unspezifischen Symptome – Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen – werden zunächst oft für einen grippalen Infekt gehalten.
Diagnose 70 Tage nach den ersten Symptomen
Bei einem Frankfurter Cluster aus dem Jahr 2022 wurde die Malaria bei einem der drei Betroffenen erst 70 Tage nach Symptombeginn erkannt, wie das Deutsche Ärzteblatt unter Berufung auf die nachträgliche Analyse des Falls berichtet. Eine verzögerte Diagnose erhöht das Risiko schwerer Verläufe erheblich.
Wie selten solche Fälle sind, zeigt eine systematische Übersichtsarbeit eines Teams um Luisa Hallmaier-Wacker vom Europäischen Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC), die 2024 im Fachjournal Eurosurveillance erschien. Für den Zeitraum von 1969 bis Anfang 2024 fanden die Forschenden europaweit 145 Fälle von Flughafen- und der sogenannten Koffermalaria in neun Ländern.
Die meisten entfielen auf Frankreich mit 52 und Belgien mit 19 Erkrankungen. In Deutschland wurden neun Fälle bekannt – acht davon in Frankfurt. Im Schnitt lebten oder arbeiteten die Betroffenen 4,3 Kilometer von einem internationalen Flughafen entfernt. Ein Drittel aller seit dem Jahr 2000 gemeldeten Fälle trat zwischen 2018 und 2022 auf.
Für Berlin ist bislang kein Fall von Flughafen-Malaria dokumentiert. Weder das RKI noch die ECDC-Übersicht führen eine Erkrankung am früheren Flughafen Tegel, in Schönefeld oder am BER auf. Der Hauptstadtflughafen hat deutlich weniger Interkontinental- und Frachtverbindungen als das Drehkreuz Frankfurt, das in der europäischen Statistik als einziger deutscher Standort wiederholt auftaucht – mit Clustern in den Jahren 2019, 2022, 2023 und nun 2026.
Berlin meldet regelmäßig Malaria-Fälle
Malaria wird in Berlin trotzdem regelmäßig gemeldet – ausschließlich als importierte Reiseerkrankung. Nach dem epidemiologischen Wochenbericht des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) wurden bis zur 37. Meldewoche, also bis Anfang September, 63 Fälle übermittelt. Die Erkrankungen verteilen sich über alle zwölf Bezirke, die meisten entfielen mit sieben Fällen auf Mitte. Bundesweit registrierte das RKI im Jahr 2024 insgesamt 934 Malaria-Erkrankungen, weit überwiegend nach Reisen ins tropische Afrika.
Ob solche Fälle künftig häufiger werden, hängt auch vom Klima ab. Höhere Sommertemperaturen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass eingeschleppte Mücken hierzulande längere Zeit überleben – darauf verwies unter anderem der Hamburger Tropenmediziner Benno Kreuels, den der Hessische Rundfunk zitiert. Dass sich Anopheles-Mücken aus den Tropen dauerhaft ansiedeln, hält Kreuels dagegen für unwahrscheinlich: Selbst im wärmeren Südeuropa gebe es bislang keine solchen Populationen.
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