BERLIN. Ackerbau und Massentierhaltung sind für das Klima fast ebenso schädlich wie der Straßenverkehr. Dabei trägt vor allem die Herstellung von Fleisch, Milch und Milchprodukten wie Käse überdurchschnittlich zur Erderwärmung bei. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, die gestern in Berlin vorgestellt wurde."Die Landwirtschaft muss endlich Teil der deutschen Klimapolitik werden", forderte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. Der Studie zufolge produziert die deutsche Agrarwirtschaft jedes Jahr 139 Millionen Tonnen klimaschädigendes Kohlendioxid. Zum Vergleich: Im Straßenverkehr, unter anderem also bei Autos und Bussen, entstehen rund 152 Millionen Tonnen im Jahr.Die Verbraucherschützer legten den Kunden nun nahe, ihren Konsum von Rindfleisch und Milch zu senken. Rinder produzieren als Wiederkäuer bei ihrer Verdauung schädliche Methangase. Bei der intensiven Düngung der Äcker entstehen ebenfalls Treibhausgase.Die Organisationen betonten aber zugleich, die Verantwortung für den Klimaschutz dürfe nicht allein auf die Verbraucher abgewälzt werden. "Die Politik ist am Zug", sagte Bode. Unter anderem forderte er politisch festgelegte Emissionsminderungsziele für die Agrarwirtschaft, ein öffentliches Informationsregister über die Klimaschädlichkeit von Lebensmitteln und die Streichung umweltschädlicher Subventionen für die Landwirtschaft. Er räumte aber ein, dies könne zu höheren Milch- und Fleischpreisen führen.Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach sich im Rahmen seines Konzeptes für eine ökologische Finanzreform dafür aus, Agrarsubventionen nur noch bei einer umweltfreundlichen Produktion zu gewähren. "Wir brauchen eine radikale Umschichtung der Fördermittel", heißt es in Gabriels Konzept. Er verwies darauf, dass die europäischen Steuerzahler die Landwirte trotz steigender Weltmarktpreise mit rund 40 Milliarden Euro im Jahr unterstützen.In der Bundesregierung sind Gabriels Vorschläge, zu denen auch eine neue Brennelementesteuer, die Abschmelzung des Dienstwagenprivilegs und die Senkung der Mehrwertsteuer für umweltfreundliche Produkte gehören, allerdings umstritten. Ein Sprecher des Finanzministeriums betonte, diese seien nicht abgestimmt. Gabriel sprach von einem Diskussionsanstoß. Während die Wirtschaft die Pläne strikt ablehnte und vor Mehrbelastungen warnte, gab es Lob von Umweltschützern und Grünen. (mit ml., tms.)Tagesthema Seite 2, Kommentar Seite 4, Politik Seite 6, Wirtschaft Seite 9------------------------------"Die Furcht vor einer einseitigen Belastung der Wirtschaft nimmt zu."Martin Wansleben, DIHK
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