Formel-1-Pilot Hamilton setzt sich selbst unter Druck

Leben am Limit

Elmar Brümmer
3 Min

MAGNY-COURS. Mit einer ähnlichen Wucht, mit der Lewis Hamilton an der roten Boxenampel in Montreal auf Kimi Räikkönens Ferrari auffuhr, trifft den Silberpfeil-Piloten jetzt die Häme: "Ampel-Trottel" wird er gescholten. Der Brite fährt beim Großen Preis von Frankreich auf Bewährung - und das liegt nicht nur am peinlichen Crash allein. In seinem zweiten Formel-1-Jahr ist das ohnehin ausgeprägte Selbstbewusstsein des 23-Jährigen noch gewachsen. Keine 24 Stunden vor dem Aussetzer von Montreal hatte Hamilton noch darüber referiert, dass eine seiner größten Fähigkeiten die sei, sich allen Bedingungen problemlos anzupassen. Doch die Anpassermentalität kommt nur im Erfolgsfall gut an.Es hat in den vergangen zwei Wochen reichlich Aufarbeitungsbedarf gegeben im "Human Development Center" von McLaren, wo regelmäßig der Stresslevel gemessen wird. Hamilton hatte nach dem Gefühlstief von Kanada erstmals öffentlich gestanden: "Ich kann gar nicht beschreiben, wie dermaßen groß der Druck ist, der da auf meinen Schultern lastet." Die Selbsterkenntnis ging noch weiter: "Ich habe mich selbst zu sehr unter Druck gesetzt, und zu sehr am Limit zu sein, führt zu Fehlern." Hamilton ahnt, dass er entkrampfen muss. In zwei Wochen steht das längst ausverkaufte Heimspiel in Silverstone an.Erfolgreiche GehirnwäscheAuf diese Situation haben die etablierten Piloten nur gewartet. Kimi Räikkönen hält die Rückstufung Hamiltons in Magny-Cours um zehn Startplätze nur für gerechtfertigt. "Ich kann nicht glauben, dass er die rote Ampel nicht gesehen hat, und noch weniger kann ich glauben, dass er zwei stehende Autos nicht gesehen hat", sagt der Finne, der durch den Crash in der WM-Wertung um sieben Punkte hinter Robert Kubica und je drei hinter Hamilton und Felipe Massa zurückgefallen ist.Hamilton weiß, dass er gegensteuern muss: "Es war einfach nur einer jener Zwischenfälle, die man erlebt und dann schnell abhakt. Im Rennen war ich ja eigentlich in Topform." Das Prinzip der eigenen Gehirnwäsche funktioniert bestens. "Montreal war eben einer solcher Charakter bildenden Tage, die einen nur stärker machen", sagt der Brite in Magny-Cours. Natürlich kommt sein Gegenspieler Fernando Alonso zu einem ganz anderen Schluss: "Die Fehler von Lewis überraschen mich nicht. Die wirklich seltsamen Resultate gab es im vergangenen Jahr, als er neun Mal hintereinander aufs Podium fahren konnte. Dafür braucht es ganz sicher auch Glück und das lag nicht alles am Fahrer. Dieses Jahr läuft alles normal"Bislang hat Hamilton nach einer heftigen Formschwankung stets mit einem besseren Rennen vieles wieder gut gemacht, die Hälfte seiner 24 Formel-1-Rennen hat er als Erster oder Zweiter beendet. In Magny-Cours ist bei einem Startplatz von elf abwärts dazu eine besondere Strategie vonnöten. Hamilton nimmt es tapfer hin: "Ich würde meinen Job trotzdem gegen nichts in der Welt tauschen wollen." Das Rennen ums Selbstvertrauen hat gerade erst begonnen.------------------------------Foto: "Ampel-Trottel": Lewis Hamilton, 23, wird derzeit mit Häme bedacht.

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