Verschwinden natürlicher Waldgebiete

Forscher: Abholzung von Wäldern fördert Infektionskrankheiten

Krankheiten wie Borreliose, Malaria und Ebola breiten sich immer mehr aus. Als Grund sehen Forscher neben der Abholzung auch die Zunahme von Monokulturen.

Torsten Harmsen
Torsten Harmsen
2 Min
Palmölplantage in Malaysia. Für die Plantagen werden große Teile des Regenwaldes abgeholzt.

Palmölplantage in Malaysia. Für die Plantagen werden große Teile des Regenwaldes abgeholzt.

© Foto: Imago/H. Berbar

„Wir kennen die genauen ökologischen Mechanismen noch nicht“, sagt Serge Morand vom Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris. Die Forscher nehmen aber an, dass ein Zusammenhang mit der Verdrängung natürlicher Wälder durch Palmöl- und andere Plantagen besteht. Bei der Wiederaufforstung wiederum entstünden vor allem monokulturelle Wälder, die auf Kosten von Grasland angelegt würden. „Beide Landnutzungsänderungen sind durch den Verlust der biologischen Vielfalt gekennzeichnet, und diese vereinfachten Lebensräume begünstigen Tierreservoire und Krankheitsüberträger“, sagt Serge Morand.

Die Forscher untersuchten die Veränderungen der Waldbedeckung weltweit zwischen 1990 und 2016. Sie verglichen die Ergebnisse mit den Daten zur lokalen Bevölkerungsdichte und zu Ausbrüchen von Krankheiten, bei denen die Erreger direkt von ihrem tierischen Wirt auf den Menschen überspringen (Zoonose) oder durch sogenannte Vektoren (Mücken, Zecken und andere) übertragen werden.

Sie fanden einen starken Zusammenhang zwischen Entwaldung und Epidemien (zum Beispiel Malaria und Ebola) in tropischen Ländern wie Brasilien, Peru, Bolivien, Kamerun, Indonesien, Myanmar und Malaysia. Dagegen zeigten gemäßigte Regionen, etwa in den USA, China und Europa, klare Zusammenhänge zwischen Aufforstung und Krankheiten, die von Vektoren übertragen werden, wie die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Eine deutliche Zunahme von Krankheiten fanden die Forscher vor allem in Ländern mit wachsenden Palmölplantagen. Besonders auffällig war dies auch in Regionen Chinas und Thailands, in denen es relativ wenig Abholzung gab. Diese Gebiete schienen besonders anfällig für durch Mücken übertragene Krankheiten wie Dengue-Fieber, Zika und Gelbfieber zu sein, so die Forscher.

Sie verweisen auch auf eine im Jahr 2019 in Südostasien durchgeführte Metaanalyse von 34 Studien. Diese zeigte, dass Menschen, die auf landwirtschaftlichen Flächen in Südostasien leben oder arbeiten, durchschnittlich 1,74-mal häufiger mit Krankheitserregern infiziert sind als Menschen in natürlichen Umgebungen. Das betraf etwa Plantagen für Teakholz, Gummi und Palmöl. So fanden die Forscher zum Beispiel ein fast vierfach höheres Risiko, sich mit Fleckfieber zu infizieren. Erhöht war das Risiko auch bei Malaria (zweifach), Tsutsugamushi-Fieber  (2,37-fach) und Hakenwurminfektionen (2,4-fach).

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner