Ein internationales Forschungsteam hat nach eigenen Angaben zum ersten Mal die Entstehung von neuem Meeresboden unmittelbar vor Ort messtechnisch erfasst. Die Beobachtungen am Südostindischen Rücken, rund 200 Kilometer von der Insel Amsterdam im südlichen Indischen Ozean entfernt, wurden kürzlich im Fachmagazin Nature veröffentlicht.
Zwei Monate nach dem Aufbau eines Messnetzes aus Unterwassermikrofonen, akustischen Entfernungsmessern und Drucksensoren begann den Autoren zufolge am 26. April 2024 eine Serie von Erdbeben entlang des Mittelozeanischen Rückens.
Innerhalb weniger Stunden sank der Boden des Rifttals dabei um mehr als einen Meter ab, insgesamt betrug die Absenkung nach sechs Tagen rund vier Meter. Zugleich wichen die beiden Seiten des Tals um mehr als einen Meter auseinander.
Magma steigt auf und bildet neue Kruste
Die Wissenschaftler führen die Vorgänge auf das Entleeren einer Magmakammer in mehreren Kilometern Tiefe zurück. Von dort habe sich flüssiges Gestein in einem Gang seitlich durch die Kruste geschoben und schließlich als Lava am Meeresboden ausgetreten.
Rund 16 Tage lang sei Lava ausgeflossen, insgesamt zwischen 148 und 160 Millionen Kubikmeter, heißt es in der Studie. Einige der neuen Lavafelder waren demnach an manchen Stellen mehr als 90 Meter dick. Das ist etwa so hoch wie ein 30-stöckiges Hochhaus.
Auffällig war den Forschern zufolge, dass sich die seitlichen Bruchkanten des Rifttals zwar um mehrere Meter verschoben, dabei aber kaum Erdbeben auslösten. Die Gesteinsblöcke glitten überwiegend still aneinander vorbei. Diese sogenannte aseismische Verschiebung könne erklären, warum an Mittelozeanischen Rücken bislang deutlich weniger seismische Energie gemessen wird, als die Ausdehnungsraten erwarten ließen.
Jahrzehntelange Bewegung in wenigen Tagen
Die gemessene Ausdehnung entspreche der Plattenbewegung von rund 38 Jahren an dieser Stelle, heißt es in der Studie. Das Auseinanderdriften der Erdplatten am Meeresboden verlaufe demnach nicht gleichmäßig, sondern in seltenen, kurzen Schüben.
Studienleiter Jean-Yves Royer sprach in der New York Times von einem glücklichen Zufall, dass die Messgeräte kurz zuvor installiert worden seien und die Lavaströme nur ein bis zwei Kilometer entfernt austraten, ohne die Instrumente zu beschädigen.
Der an der Begutachtung der Studie beteiligte Meeresgeodynamiker Ingo Grevemeyer vom Kieler Geomar-Zentrum nannte die Geschehnisse dem Blatt zofolge einen „Jackpot“ für die Forschung. Laut der in Nature veröffentlichten Studie sollen die Messstationen bis 2027 weiter Daten am Meeresboden aufzeichnen.
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