Drohnen-Schicksal

Forscher entdecken Bettel-Gen: Wie Bienenmännchen um ihr Überleben flehen

Bei Bienen können die Männchen – Drohnen genannt – sich selbst nicht ernähren. Sie müssen dafür sorgen, dass Arbeiterinnen sie füttern.

Torsten Harmsen
Torsten Harmsen
3 Min

Ist soziales Verhalten biologisch vorbestimmt? Steckt es in den Genen, dass jemand irgendwann schnorrt und bettelt, um zu überleben? Bei Menschen gibt es offenbar kein solches Bettel-Gen. Aber bei Bienen. Das haben jetzt Biologen aus Düsseldorf, Bochum und Paris herausgefunden. Ihre Studie ist in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienen.

Den Forschern ging es um die Frage, ob komplexes soziales Verhalten genetisch festgelegt ist. Denn für Honigbienen (Apis mellifera) ist das Betteln überlebenswichtig. Nicht für alle von ihnen, aber auf jeden Fall für die männlichen Bienen, Drohnen genannt. Sie sind nämlich nicht in der Lage, die wichtigste Proteinquelle der Bienen, die Blütenpollen, selbst zu verdauen. Deshalb werden sie von den Arbeiterinnen mit einem vorproduzierten Nahrungsbrei gefüttert.

Um das zu erreichen, müssen sie die Arbeiterinnen erst einmal durch bestimmtes Verhalten überzeugen, Nahrung an sie abzugeben. Dazu nutzen sie chemische Botenstoffe (Pheromone) und das „Antennieren“ – also die Kommunikation mit den Fühlern. Auf ihre Bettelsignale hin erhalten die Männchen von den Arbeiterinnen das Futter. Die Forscher sprechen von einem „kooperativen Verhalten“, einer „engen Abstimmung zwischen Sozialpartnern“.

In der „Drohnenschlacht“ werden alle überlebenden Drohnen vertrieben

Sie fanden heraus, dass das komplexe Interaktionsmuster für diesen „sozialen Futteraustausch“ nicht erlernt, sondern genetisch festgelegt ist. Sie entdeckten ein bestimmtes Protein, das dabei eine entscheidende Rolle spielt, genannt Fru-Protein. Dieses ist nur bei männlichen Bienen aktiv und beeinflusst ein neuronales Netzwerk von rund 1800 Neuronen, das eng mit dem kooperativen Verhalten zusammenhängt.

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Wurde das Fru-Protein im Experiment ausgeschaltet, konnten sich die Drohnen ihren Artgenossen nicht richtig nähern, bettelten kaum und erhielten weniger Futter. Die Forscher erklären, dass sich das genetische Programm im Laufe der Evolution neu gebildet habe. Sehr lange nützt es den Drohnen allerdings nicht. Die Bienen brauchen die Männchen ja nur in der Schwarmzeit, zur Begattung der Königin.

Sofort nach der Paarung beim „Hochzeitsflug“ stirbt die Drohne. Ihr Genitalorgan bleibt in der Königin stecken. Alle anderen Drohnen werden im Spätsommer in der „Drohnenschlacht“ von den Arbeiterinnen aus dem Bienenstock vertrieben. Sie bekommen keinen Zugang zum Futter mehr, so sehr sie auch betteln mögen. Geht man so mit einstigen Sozialpartnern um?

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