Ein interdisziplinäres Forschungsteam hat in einer Expedition neue Erkenntnisse über die jahrtausendealte Besiedlung und Landnutzung im Schutzgebiet der Großen Tektonischen Seen von Exaltación im bolivianischen Amazonasgebiet gewonnen. Die Forschungen, die in dem Journal Frontiers in Environmental Archaeology veröffentlicht wurden, offenbaren demnach eine Landschaft, die von Generationen menschlicher Innovation geprägt wurde.
Die Wissenschaftler dokumentierten ausgedehnte Erdwerke, Ackerflächen und Kanalsysteme, die auf eine intensive Besiedlung zwischen 600 und 1400 n. Chr. hindeuten und eine lange Geschichte der Anpassung der Menschen an eine dynamische Umgebung widerspiegeln.
Bewohner schufen komplexe Systeme zur Wassernutzung
Vermessungen und Ausgrabungen an mehreren Fundstätten belegten laut dem Wissenschaftsnachrichtenportal Science Daily eine frühe Besiedlung ab 600 n. Chr., die sich zwischen 1000 und 1200 n. Chr. intensivierte. Die Bewohner entwickelten komplexe Systeme zur Wasserregulierung und schufen erhöhte Felder für den Maisanbau. Spätere Funde deuten auf eine zunehmend diversifizierte Landnutzung und Waldbewirtschaftung hin.
Laut den Forschern zeigt die Vielfalt der untersuchten geometrischen Strukturen, dass es kein einheitliches Design gab, sondern über Jahrhunderte hinweg mit verschiedenen Formen experimentiert wurde. Dies unterstreiche die Anpassungsfähigkeit und das ökologische Wissen der indigenen Gemeinschaften.
Forscher: Erkenntnisse wichtig für Schutz von Ökosystem
Auch Untersuchungen zur Ernährung der damaligen Bewohner lieferten neue Erkenntnisse. Demnach nutzten sie vielfältige Ressourcen des Feuchtgebiets wie Fische, Reptilien, Säugetiere sowie Mais, Hülsenfrüchte und verschiedene Palmenarten. Dies weise auf eine ausgewogene Subsistenzstrategie hin, so die Forscher.
Die heutigen indigenen Cayubaba- und Movima-Gemeinschaften seien wichtige Partner der Wissenschaftler bei den Forschungsarbeiten gewesen, hieß es. Die Forscher sehen in den Erkenntnissen wichtige Lehren für den Schutz des Amazonas-Ökosystems.
Angesichts des Drucks durch Entwaldung und Klimawandel könnten die jahrtausendealten Traditionen nachhaltiger Landnutzung wegweisend für heutige Naturschutzstrategien sein. Die Expedition wurde von zahlreichen bolivianischen und internationalen Institutionen unterstützt, darunter die Universität Bonn.
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