Die klinische Forschung in Deutschland hat gravierende Mängel. Darauf weisen Experten seit Jahren hin. "In der medizinischen Grundlagenforschung erzielen Wissenschaftler exzellente Ergebnisse, doch mit der Forschung an Patienten hapert es", kritisiert etwa Rüdiger Siewert, ärztlicher Direktor des Münchener Klinikums rechts der Isar.Das soll sich nun ändern: An der Berliner Charité ist kürzlich ein Koordinierungszentrum für klinische Studien (KKS) eröffnet worden. "Ärzte, die nach international akzeptierten Standards mit Patienten forschen wollen, haben jetzt mit dem KKS in Berlin eine Anlaufstelle für alle Fragen zu klinischen Studien", sagte auf der Eröffnungsveranstaltung Bertram Wiedenmann, Direktor der Medizinischen Klinik der Charité, Campus Virchow. Das Berliner Zentrum ist Teil einer Initiative des Bundesforschungsministeriums (BMBF). In ganz Deutschland sollen Koordinierungszentren aufgebaut werden, um die Qualität der klinischen Forschung zu verbessern. Elf Zentren gibt es bereits, das Berliner KKS ist das zwölfte und bislang einzige in der nördlichen Hälfte Deutschlands. Das BMBF fördert die Zentren mit insgesamt 31 Millionen Euro.Dass es mit der klinischen Forschung in Deutschland nicht zum Besten steht, belegen etliche Studien. "Hier zu Lande tätige Wissenschaftler veröffentlichen seltener Arbeiten in renommierten Fachzeitschriften als Forscher aus anderen Ländern", sagte Bertram Wiedenmann. Außerdem genügten in Deutschland vorgenommene Patientenstudien häufig nicht den internationalen Qualitätsstandards.Die Gründe dafür sind vielfältig. "In Deutschland existiert keine Studienkultur", sagte Peter Schlag, ärztlicher Leiter der Robert-Rössle-Klinik an der Charité, Campus Buch. Patientenstudien hätten hier kein positives Image. Viele Kranke seien daher nicht bereit, an klinischen Studien teilzunehmen. "Dabei erhalten die Teilnehmer eine Therapie nach den allerneuesten medizinischen Standards", betonte der Forscher. Das sei außerhalb klinischer Studien nicht immer so. Doch nicht nur die Patienten halten sich bei klinischen Studien zurück - auch die Ärzte sind oft nur schwer dafür zu gewinnen. "In Deutschland müssen forschende Ärzte Studenten betreuen, rund um die Uhr Patienten versorgen und dann noch alle Aufgaben erledigen, die bei einer Studie anfallen", berichtete Wiedenmann. Dazu zählten neben der eigentlichen Forschung auch Formalitäten wie etwa die Dokumentation der Studiendaten. In anderen Ländern würden diese Aufgaben von speziell geschulten Krankenschwestern oder Pflegern übernommen, den so genannten Studienassistenten (englisch: Study Nurses). Im Berliner KKS steht Ärzten, die eine Studie planen, ein fünfzehnköpfiges Team aus Medizinern, Informatikern und Studienassistenten zur Verfügung. "Wir helfen zum Beispiel bei der Patientenauswahl oder bei der methodisch präzisen Erfassung von Studiendaten", sagt Roswitha Bussar-Maatz, die Sprecherin des Zentrums. Zudem biete das KKS dem an der Studie beteiligten Pflegepersonal eine qualifizierte Weiterbildung zum Studienassistenten an.Viele Ärzte setzen große Hoffnungen in die Koordinierungszentren. "Derzeit sind weniger als die Hälfte aller Entscheidungen, die Mediziner in Deutschland bei der Behandlung von Patienten treffen, mit guten Studien begründet", berichtete Peter Schlag von der Robert-Rössle-Klinik. "Wir hoffen, dass die Koordinationszentren dazu beitragen, das zu ändern.""Noch existiert in Deutschland keine Studienkultur. " Peter Schlag, Ärztlicher Leiter der Robert-Rössle-Klinik, Berlin
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