China

Fossil eines Urzeit-Reptils liefert Hinweis auf letzte Mahlzeit vor 245 Millionen Jahren

Forscher haben in China ein Fossil eines Meeresreptils entdeckt, das vor rund 245 Millionen Jahren lebte. Das Besondere: Mehrere innere Organe sind ungewöhnlich gut erhalten.

4 Min
Ein Arbeiter an einer Fundstelle für Fossilien in China (Symbolbild)

Ein Arbeiter an einer Fundstelle für Fossilien in China (Symbolbild)

© Xinhua/imago

Forscher haben Hinweise auf die letzte Mahlzeit eines Meeresreptils entdeckt, das vor 245 Millionen Jahren lebte. Gefunden wurde das Fossil in der chinesischen Provinz Yunnan, wie Reuters berichtet. Besonders daran ist, dass die Wissenschaftler Erkenntnisse aus den noch erhaltenen inneren Organen des Reptils gewinnen konnten – darunter Magen, Leber und Darm. Erschienen sind die Erkenntnisse in dem Fachjournal Science Advances.

Was genau haben die Forscher gefunden?

Bei dem Tier handelt es sich um Austronaga minuta, ein Meeresreptil aus der Trias. Nach Angaben von Reuters war das untersuchte Exemplar rund 60 Zentimeter lang.

Es besaß einen kleinen Kopf, eine schmale Schnauze mit fangzahnartigen Zähnen, einen langen Hals, einen langen Rumpf und einen noch längeren Schwanz sowie große Vorderflossen und kleine Hinterflossen.

Das Tier scheint laut Reuters ein wendiger Schwimmer gewesen zu sein. Angetrieben habe es sich mutmaßlich vor allem mit dem Schwanz, gesteuert worden sei es mit den Vorderflossen. Der lange Hals dürfte ihm laut Reuters beim Fang von Fischen geholfen haben.

Warum ist der Fund so besonders?

Weichgewebe bleibt langfristig nur äußerst selten erhalten. Anders als Knochen und Zähne zerfällt es meist schnell.

Genau das macht dieses Exemplar so außergewöhnlich: Es zeigt den vollständigen Magen-Darm-Trakt. „Nach unserem Wissen handelt es sich hierbei um den ältesten gut erhaltenen Verdauungstrakt eines Reptils überhaupt“, sagte Paläontologe Stephan Spiekman vom Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart und der Universität Hohenheim laut Reuters. Er ist einer der Autoren der Studie.

Um die Organe zu identifizieren, setzten die Forscher nach Angaben der South China Morning Post unter anderem Ultraviolettlicht-Analysen und Rasterelektronenmikroskopie ein.

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Anpassungen ans Wasser

Austronaga war ein sogenannter Stamm-Archosaurier – frühe Vertreter einer Gruppe, aus der später unter anderem Krokodile, Dinosaurier, Flugsaurier und Vögel hervorgingen. Nur wenige Verwandte dieser Linie entwickelten laut Reuters eine Lebensweise im Meer. Austronaga zeigte dabei den höchsten Grad an Anpassung ans Wasser dieser Tiere.

Nach Angaben der South China Morning Post weist das Fossil Anpassungen ans Wasser auf, die bei Stamm-Archosauriern bisher unbekannt waren, etwa eine evolutionäre Zunahme der Zahl der Finger- und Zehenknochen, die zu paddelartigen Gliedmaßen führte.

Ein Magen, eine Leber – und rote Farbe nach 245 Millionen Jahren

Das Fossil offenbart nach Reuters-Angaben einen sackartigen Magen mit nur einer Kammer. Bei Vögeln, Krokodilen und bestimmten Dinosauriern kommen hingegen zwei Kammern vor. Für Spiekman ein wichtiger Hinweis: Die zweigeteilte Magenstruktur habe sich demnach wohl nicht am Anfang der Entwicklung der Stamm-Archosaurier entwickelt, sondern erst später – näher am Ursprung von Vögeln und Krokodilen.

Am meisten überraschte Spiekman aber die Konservierung selbst, wie Reuters berichtet. Hinter dem Magen lag demnach die Leber, die noch ihre rote Farbe bewahrt hatte. Nachweisbar seien sogar Rückstände von Hämoglobin mit erhöhtem Eisengehalt gewesen – in einem Fossil, das 245 Millionen Jahre alt ist. Hämoglobin ist der Blutfarbstoff, der Sauerstoff transportiert und dem Blut durch das enthaltene Eisen seine rote Farbe verleiht.

Fisch als letzte Mahlzeit?

Im Verdauungstrakt des Tieres fanden die Forscher unverdaute Fischschuppen. Sie deuten laut South China Morning Post darauf hin, dass sich Austronaga minuta von kleinen Fischen ernährte.

Der Darm bildete laut Reuters eine lange, einfache Röhre aus Dünn- und Dickdarm. Diese Form passe laut Spiekman zu einem räuberischen Reptil: Fleisch, einschließlich Fisch, lasse sich leichter verdauen als Pflanzen, weshalb Pflanzenfresser oft komplexere und längere Darmsysteme besitzen.

Laut South China Morning Post ähnelt der kurze, locker gewundene Darmtrakt dem des Bindenwarans und deutet auf eine schnelle Verdauung hin.

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